Über Ingo Schmidt-Lucas
Klang als Weg, Technik als Verantwortung

Ingo Schmidt-Lucas ist der Kopf hinter Cybele – ein Tonmeister, der Klang nicht nur aufnimmt, sondern in all seinen Dimensionen erforscht und erfahrbar macht. Seit Beginn der 1990er Jahre widmet er sich audiophilen Produktionen, die technische Exzellenz mit künstlerischer Haltung verbinden.
Ursprünglich wollte er Archäologe werden – fasziniert vom Gedanken, verborgene Strukturen freizulegen und Geschichte hörbar zu machen. Diese Leidenschaft für das Entdecken begleitet ihn bis heute: Als Tonmeister gräbt er klangliche Tiefe aus, hebt Nuancen und Schichten, die oft unter der Oberfläche verborgen liegen.
Während seines Studiums zum Diplom-Ingenieur für Ton- und Bildtechnik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und der ehemaligen Fachhochschule Düsseldorf gründete er 1994 das Label Cybele Records, das sich schnell zu einer Plattform für außergewöhnliche Produktionen im Bereich klassischer und zeitgenössischer Musik entwickelte – mit dem Ziel, höchste klangliche Authentizität hörbar zu machen.
Sein technisches Gespür und seine künstlerische Neugier führten früh zur Auseinandersetzung mit immersiven Formaten: 3D-Binaural-Stereo, Ambisonics und Dolby-Atmos gehören heute ebenso zu seinem Repertoire wie hochauflösende Produktionen in nativem DSD. Auch im Videobereich hat er neue Wege beschritten – mit aufwendig realisierten VR-Produktionen in Form von 360°-Videos und immersiven Tonformaten.
Sein Anspruch ist nicht die reine Dokumentation einer Aufführung, sondern die Gestaltung eines authentischen Erlebnisses, das die emotionale, räumliche und künstlerische Dimension von Musik bewahrt.
Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche international ausgezeichnete Produktionen mit Künstlerinnen und Künstlern, Ensembles und Orchestern aus verschiedenen Ländern.
Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet: Produktionen unter seiner Leitung erhielten unter anderem mehrere ECHO-Klassik-Preise und Preise der Deutschen Schallplattenkritik (Bestenliste), zwei MIDEM-Classical-Awards, den Diapason d’Or, den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik sowie eine Grammy-Nominierung.



Seit 2012 unterrichtet Ingo Schmidt-Lucas am Institut für Musik und Medien der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Dort begleitet er Studierende in Themen wie Mikrofontechnik, Tonaufnahmeverfahren, Akustik und Musikproduktion – praxisnah, kritisch und mit großer Hingabe.
Der Ort, an dem er lebt und arbeitet, ist weitgehend energieautark: Photovoltaik, Solarthermie und eine Wärmepumpe sorgen dafür, dass der größte Teil des Energiebedarfs von Studio und Haushalt aus eigener Erzeugung gedeckt wird.

Was Ingo Schmidt-Lucas antreibt, ist eine seltene Verbindung aus technischem Know-how, künstlerischem Feingefühl und visionärer Offenheit. Für ihn ist jede Produktion ein neuer Raum, der hörbar bzw. sichtbar gemacht werden will – und eine Einladung, die reiche Welt mit wachem Ohr zu entdecken.
Detaillierter Werdegang
Ingo Schmidt-Lucas

Ein ausführlicher Einblick in meinen beruflichen Werdegang, meine Lehr- und Forschungstätigkeit sowie die Entwicklung von Cybele und meiner Arbeit an neuen Aufnahme- und Wiedergabeverfahren.
Ausbildung und musikalische Prägung
Ingo Schmidt-Lucas ist Tonmeister, Produzent, Entwickler und Dozent mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Verbindung von musikalischer Interpretation, Aufnahmetechnik und immersiver Audiowiedergabe.
Nach dem Abitur begann er seine Ausbildung zum Ton- und Bildingenieur an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf / Fachhochschule Düsseldorf, mit Hauptfach Klavier. Bereits während dieser Zeit entwickelte sich die Verbindung von musikalischer Praxis und technischer Gestaltung zu einem zentralen Bestandteil seiner Arbeit. 1994 gründete er das Label Cybele Records, das sich von Beginn an insbesondere der klassischen und zeitgenössischen Musik widmete. 1999 schloss er sein Studium ab.
Von Surround zu immersivem Audio
Bereits Ende der 1990er Jahre beschäftigt sich Schmidt-Lucas intensiv mit Mehrkanal- und Surround-Aufnahmetechnik. Im Jahr 2000 richtete er sein erstes eigenes Surround-Tonstudio in Düsseldorf ein. Von 2004 bis 2024 wurden die Produktionen von Cybele Records konsequent in Surround Sound auf Hybrid-SACD veröffentlicht. 2004 entstand zudem mit der Hörbuchreihe Wort&Musik eine der frühen SACD-Reihen für Hörspiele und Hörbücher in Surround Sound.
Parallel arbeitete Schmidt-Lucas kontinuierlich mit hochauflösenden Aufnahme- und Produktionsformaten. Seit 2004 gehören DSD-Aufnahmen sowie PCM- und DXD-Workflows zu seinem Arbeitsbereich.
2011 gründete er mit hd-klassik ein weiteres Label für audiophile Produktionen. Ab 2013 verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend auf immersive 3D-Aufnahmeverfahren, insbesondere binaurale Kunstkopf-Stereofonie (3D-Binaural-Stereo) und Ambisonics. Dabei ging es ihm nicht allein um eine technisch neue Form der Wiedergabe, sondern um die Frage, wie sich musikalische Perspektive, Raum und unmittelbare Wahrnehmung möglichst authentisch übertragen lassen.
Forschung und Entwicklung
Ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit ist die Verbindung von praktischer Produktion, Forschung und technischer Entwicklung.
2013 begann die Forschungsarbeit im Bereich der 3D-Aufnahmetechnik in Kooperation mit HEADacoustics. Daraus entstanden eigene Ansätze zur räumlichen Wahrnehmung und zur Optimierung der Wiedergabe über Kopfhörer.
2015 entwickelte Schmidt-Lucas den hd-klassik Headphone Optimizer, der auf der HighEnd Messe in München vorgestellt wurde. Die Entwicklung wurde in Zusammenarbeit mit rd analog audio weitergeführt und 2016 mit dem German Design Award ausgezeichnet. Später entstand daraus der Headphone Optimizer Pro in Zusammenarbeit mit Otztronics.
Diese Forschungs- und Entwicklungsarbeit steht exemplarisch für seinen Ansatz, technische Innovation nicht losgelöst von der musikalischen Praxis zu betrachten. Neue Verfahren entstehen für ihn dort, wo sie einen konkreten Mehrwert für die Wahrnehmung und Vermittlung von Musik schaffen.
Lehre, Hochschulen und Wissenstransfer
Seit vielen Jahren gibt Schmidt-Lucas sein Wissen in der akademischen Lehre und im Rahmen von internationalen Fachveranstaltungen weiter.
Seit 2012 ist er an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf tätig, zunächst mit dem Grundlagenmodul Aufnahmetechnik und dem Wahlmodul Musikproduktion. Seit 2026 unterrichtet er zusätzlich das Fach Partiturpraxis.
Von 2015 bis 2022 lehrte er an der Musikhochschule Köln, Abteilung Wuppertal. 2026 wurde er aufgrund seiner langjährigen und herausragenden Lehr- und künstlerischen Tätigkeit als Lehrbeauftragter Mitglied der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf.
Darüber hinaus führte er Seminare, Workshops und Vorträge unter anderem an der Folkwang Hochschule Essen, der Fachhochschule Düsseldorf (MKI), dem Conservatory Rotterdam und dem Königlichen Konservatorium Den Haag durch. Weitere Fachvorträge und Veranstaltungen fanden unter anderem im Umfeld von Audio Engineering Society (AES), HighEnd, CanJam, klangBilder und der Tonmeistertagung statt.
Rundfunk, Fernsehen und internationale Produktionen
Neben seinen eigenen Labelproduktionen ist Ingo Schmidt-Lucas auch für Rundfunk- und Fernsehproduktionen tätig. Zu den Auftraggebern und Partnern zählen unter anderem arte, Bayerischer Rundfunk, Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, NDR, SWR, WDR, KRO Radio 4, VPRO, Tschechischer Rundfunk und Unitel Classica. Von 2003 bis 2013 arbeitete er regelmäßig als Tonmeister für den Deutschlandfunk.
Insgesamt entstanden unter seiner Mitwirkung mehrere hundert SACD- und CD-Produktionen, darunter weit über 100 Surround-Produktionen, mehr als 50 binaurale 3D-Produktionen sowie rund 300 weitere Produktionen und Live-Mitschnitte in Europa, Mexiko und den USA.
Dabei arbeitete er nicht nur mit zahlreichen Künstlerpersönlichkeiten aus dem Musikbereich, sondern auch aus den Bereichen Literatur und Schauspiel zusammen, darunter Martin Baltscheit, Ralph Caspers, Elke Heidenreich, Lutz Lansemann, Michael Rotschopf, Ernst-August Schepmann, Bastian Trost und Ulrich Tukur.
Von 3D-Audio zu VR und Dolby-Atmos
Seit 2020 erweiterte Schmidt-Lucas seine Arbeit um audiovisuelle VR-Produktionen. Dabei verbindet er 360°-Video mit Ambisonics, Dolby-Atmos und binauralem 3D-Audio. Zu den frühen Projekten gehörte eine Produktion mit den Düsseldorfer Symphonikern in der Tonhalle Düsseldorf unter Adam Fischer.
2025 wurde das Studio umfassend zu einer Dolby-Atmos-Regie in 7.1.4 umgebaut. Damit entstand eine Produktionsumgebung, in der Lautsprecher- und Kopfhörerwiedergabe über ein konsequent referenziertes Monitoringsystem beurteilt und miteinander in Beziehung gesetzt werden können.
Auszeichnungen (Auswahl)
- Gramophone Magazine – „250 Greatest Recordings of All Time“
- 7 ECHO-Klassik-Auszeichnungen
- Grammy-Nominierung
- Jahrespreis des Preises der deutschen Schallplattenkritik
- 2 MIDEM-Classical-Awards
- Diapason d’Or
- 7 Preise der deutschen Schallplattenkritik (Bestenliste)
- OPUS KLASSIK – Editorische Leistung des Jahres
- Diapason d’Or
- Deutscher Hörbuchpreis
- LEOPOLD Medienpreis
- German Design Award
- Excellentia Award
- 2× IRR Outstanding Award (International Record Review)
- 3× Opus d’Or Award
- 8× Diapason of the Month
- 5× ICMA-Nominierung (International Classical Music Award)