Cybele 060701 2009

DSD Stereo Surround Neue Musik Zeitgenössische Musik 50:13

Zur Beschreibung

Günther Becker: Das gesamte Orgelwerk

Mitwirkende

Martin SchmedingOrgelChristian RoderburgSchlagzeug / Marimba / Komponist

Komponist:in

Günther Becker

Kurzbeschreibung

Das vollständige Orgelwerk von Günther Becker (1924–2007) umfasst vier Stücke aus vierundzwanzig Jahren: Meteoron für Orgel, Schlagzeug und zweikanaliges Tonband von 1969, A la mémoire de Josquin von 1975, die Drei kleinen Orgelstücke von 1978 und die Interpolationen von 1993. Martin Schmeding spielt die Sauer-Orgel der Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel, in Meteoron begleitet von Christian Roderburg am Schlagzeug.

Details

Trägerformat
Hybrid-SACD

Auflösung
DSD64 / 2.8224 MHz 1 bit

Gesamtspielzeit
50:14

Kanäle
Stereo, 5.0 Surround

Instrumente
Sauer-Orgel (2004), Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel; Schlagzeug

Aufnahme
28. März sowie 21./22. Mai 2008, Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel

Begleitheft
Deutsch und Englisch, 36 Seiten

Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas

Gefördert von der Kunststiftung NRW

Auszeichnungen

Muzyka21 — CD des Monats, Mai 2010

Diapason — 5 Diapason of the Month, Oktober 2016

Pressestimmen

Angaben

Katalognummer
Cybele 060701
Erscheinungsjahr
2009
Genre
Neue Musik
Epoche
Zeitgenössische Musik
Besetzung
Orgel, Perkussion, Tonband
Label
Cybele Records
Barcode
809548011925
GTIN
4068992489421
Booklet (Seiten)
36

Tracklisting

6 Titel · 50:13

  1. 01 Drei kleine Orgelstücke (1978) – Meditation I Komponist:in: Günther Becker (1924-2007) Interpret:in: Martin Schmeding 2:13
  2. 02 Drei kleine Orgelstücke (1978) – Litanei Komponist:in: Günther Becker (1924-2007) Interpret:in: Martin Schmeding 2:03
  3. 03 Drei kleine Orgelstücke (1978) – Meditation II Komponist:in: Günther Becker (1924-2007) Interpret:in: Martin Schmeding 3:48
  4. 04 A la mémoire de Josquin (1974) für Orgel Komponist:in: Günther Becker (1924-2007) Interpret:in: Martin Schmeding 16:06
  5. 05 Interpolationen (1993) Komponist:in: Günther Becker (1924-2007) Interpret:in: Martin Schmeding 11:43
  6. 06 Meteoron (1969) für Orgel, Schlagzeug und zweikanaliges Tonband Komponist:in: Günther Becker (1924-2007) Interpreten: Martin Schmeding, Christian Roderburg 14:20

Beschreibung

Günther Becker prägte keinen einheitlichen Stil, sondern nutzte jede neue Komposition für eine andere ästhetische Fragestellung — so beschreibt Dominik Susteck im Begleitheft das Werk, das hier vollständig vorliegt. Vier Stücke aus vierundzwanzig Jahren spiegeln wichtige Stationen der neueren Orgelmusik, halten dabei aber, wie Oskar Gottlieb Blarr schreibt, eine nahezu aristokratische Distanz zu jeder Anbiederung an gängiges Vokabular; weder das Vorbild Olivier Messiaens noch die kritische Gegenposition Kagels und Ligetis hat Becker übernommen.

Meteoron von 1969 entstand für die „Woche geistlicher Musik der Gegenwart“ in Kassel, wo Werner Jacob es uraufführte. Der Titel nennt das Hauptkloster auf den Meteora-Felsen im westlichen Thessalien; das Klangmaterial stammt aus byzantinischen Pfingstgesängen, die auf Tonband aufgezeichnet und transformiert eine Gesamtstruktur bilden, welche Orgel und Schlagzeug immer wieder unterbrechen. Becker greift damit den rhythmisch freien, von der elektronischen Musik beeinflussten Stil auf, den 1961 Mauricio Kagels Improvisation ajoutée, György Ligetis Volumina und Bengt Hambraeus’ Interferenzen begründet hatten.

Nach diesem monumentalen Erstling rückt die Auseinandersetzung mit alter Musik ins Zentrum. A la mémoire de Josquin, für Klaus Martin Ziegler geschrieben und ebenfalls in Kassel uraufgeführt, verwendet deutlich erkennbare Zitate aus Messen von Josquin des Prez — Tu pauperum refugium und die Missa da pacem je zweimal, dazu Ave Christe, immolate und die Missa pange lingua. Jede homophone Stelle ist anders registriert; die Musik beginnt mit einem Zentralklang, der sich aus seiner statischen Struktur löst, und gewinnt ihre Dramaturgie aus einer Intensität, die von den Josquin-Zitaten unterbrochen wird. Becker hatte diese Musik während seines Studiums bei Kurt Thomas in Detmold kennengelernt.

Die Drei kleinen Orgelstücke von 1978 entstanden als Zwischenspiel eines geistlichen Konzerts anlässlich der Holzplastik „Mutter und Kind“ von Hans Schweizer. Akkorde in verschiedenen Grauabstufungen und sich beschleunigende Trillerfiguren prägen die Meditation I; die Litanei hat rezitativischen Charakter; in der Meditation II stellt Becker Zitate aus Gertrud von le Forts Gedicht „Litanei zur Regina Pacis“ neben geräuschhafte Cluster — die atonale Schicht bäumt sich auf, die textbezogene tonale Schicht bleibt in stoischer Gelassenheit. Nach langer Pause folgte 1993 mit den Interpolationen das letzte Orgelwerk, eine freie Toccata, geschrieben für Werner Jacob in Nürnberg.

Becker studierte von 1946 bis 1949 Kapellmeister bei Gerhard Nestler in Karlsruhe, Komposition von 1948 bis 1956 bei Wolfgang Fortner in Heidelberg und Detmold sowie Chorleitung bei Kurt Thomas. Von 1956 bis 1968 lebte er in Griechenland, unterrichtete in Athen und baute 1962 am dortigen Goethe-Institut ein Studio für Neue Musik auf. Zurück in Deutschland gründete er 1969 in Essen die live-elektronische Gruppe „Mega-Hertz“; von 1971 bis 1974 war er Präsident der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik, ab 1973 lehrte er am Düsseldorfer Robert-Schumann-Institut, das ihn ein Jahr später zum Professor berief. Die Aufnahme entstand am 28. März sowie am 21. und 22. Mai 2008 an der dreimanualigen Sauer-Orgel von 2004, der „Europa-Orgel Felix Mendelssohn“ der Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel, deren Disposition wesentlich auf Oskar Gottlieb Blarr zurückgeht.

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