Drei kleine Orgelstücke; A la mémoire de Josquin; Interpolationen; Meteoron. Die vollständige Orgelmusik Günther Beckers reicht von konzentrierten Meditationen über die Josquin-Hommage bis zu Meteoron für Orgel, Schlagzeug und zweikanaliges Tonband. Serielle Organisation, historische Bezugspunkte und räumlich-elektronische Prozesse bilden keinen Gegensatz, sondern unterschiedliche Wege zu einer präzis kontrollierten, zugleich sinnlichen Klangsprache.
Die Orgel erscheint hier nicht als bloßes Traditionsinstrument, sondern als Labor für Klang, Zeit und Raum. Registerfarben, mechanische Geräusche, räumlich getrennte Klangquellen und die spezifische Akustik des Aufnahmeortes werden zu kompositorischen Parametern. Gerade die Verbindung aus präziser Notation und improvisatorischem Denken eröffnet Hörperspektiven, die weit über das gewohnte Orgelrepertoire hinausreichen.
Die Aufnahme legt Wert auf Transparenz und räumliche Differenzierung. Feine Einzelstimmen bleiben ebenso präsent wie großflächige Verdichtungen; abrupte Gesten, lange Nachklänge und leise Übergänge behalten ihre dramaturgische Funktion. Dadurch lässt sich die Musik sowohl als Abfolge charakteristischer Klangbilder als auch als sorgfältig gebauter formaler Prozess erleben.
Historische Formmodelle und gegenwärtige Spieltechniken begegnen sich dabei auf Augenhöhe. Choral, Passacaglia, Fantasie oder Meditation werden nicht zitiert, um Vertrautheit zu erzeugen, sondern als offene Denkformen weitergeführt. Das macht die Programme auch für Hörerinnen und Hörer zugänglich, die Neue Musik über konkrete Klangfarben, erkennbare Gesten und die sinnliche Präsenz des Instruments entdecken möchten.
Interpretation und Instrumentarium sind für dieses Programm entscheidend: Martin Schmeding – Sauer-Orgel Düsseldorf-Oberkassel; Christian Roderburg – Schlagzeug in Meteoron. Die spezifischen Register, Spielweisen und räumlichen Gegebenheiten prägen Artikulation und Dramaturgie. Historische Instrumente werden dabei nicht museal behandelt, sondern als lebendige Klangkörper, deren Eigenarten neue Musik und Improvisation unmittelbar inspirieren.
Das ausführliche Booklet ordnet Werke, Entstehungszusammenhänge und Aufnahmesituation ein. So entsteht ein Album, das gleichermaßen als konzentriertes Werkporträt und als Einladung zum entdeckenden Hören funktioniert. Die sorgfältige Produktion bewahrt dynamische Extreme, Nachhall und feine Farbübergänge und macht die Wechselwirkung von Komposition, Interpretation und Raum nachvollziehbar.
