Über Gottfried Silbermann
,,…die vortreffliche Sauberkeit, Güte und Dauerhaftigkeit der Materialien sowohl als der Arbeit; die große Simplicität der innern Anlage; die ungemein prächtige und volle Intonation; und die überaus leicht und bequem zu spielenden Claviere“ – dieses Lob des Bach-Schülers Johann Friedrich Agricola über die Orgeln Gottfried Silbermanns belegt die Ausnahmestellung des Orgelbauers im hochbarocken Deutschland.
Die Orgel der Hofkirche zu Dresden (Kathedrale)
wurde 1755 – wenige Jahre nach Bachs Tod – eingeweiht und ist mit 47 Registern auf drei Manualen und Pedal sein größtes Orgelwerk. Als Wolfgang Amadeus Mozart 1789 auf der Orgel spielt, lobt er sie in einem Brief an seine Frau über alle Maße.
Während des Zweiten Weltkriegs konnte das komplette Pfeifenwerk 1944 kurz vor der Bombardierung Dresdens ins Kloster Marienstern ausgelagert werden und ist somit – mit Ausnahme des Unda maris-Registers – vollständig erhalten. Seit 2001 erklingt die Orgel wieder in ihrer ursprünglichen Stimmtonhöhe (415 Hz).
Die Orgelfassung der Goldberg-Variationen
„Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen“ (4. Teil der Clavier-Übung) – Johann Sebastian Bach äußert sich auf dem Titelblatt des Erstdrucks der „Goldberg-Variationen“ eindeutig zum vorgesehenen Instrument: Das Cembalo erlaubt eine große Variabilität der technischen und klanglichen Möglichkeiten (Stimmkreuzungen, Manualwechsel, Klangfarbenwechsel, Lagenwechsel durch Registrierung etc.). Die Bearbeitung für Orgel ist hinsichtlich der klanglichen Gestaltung eine konsequente Erweiterung der Cembalo-Fassung. Durch die Vielfalt der Registerkombinationen können die intendierten Affekte und zum Teil sehr starken Kontraste in der Abfolge der Variationen besonders plastisch hervorgehoben werden.
Einer der Vollender der Orgel, der Silbermann-Schüler Zacharias Hildebrandt, war bei der Orgelabnahme der Silbermann-Orgel in Naumburg durch Bach und Silbermann ausdrücklich gelobt worden – und so scheint auch das Instrument der Dresdener Hofkirche in idealer Weise für die Darstellung von Bachs Spätwerk geeignet. So erhalten die Goldberg-Variationen in der Orgelfassung an der großen historischen Silbermann-Orgel ihr eigenes, dem jeweiligen Affekt angepasstes, klangliches Gewand, das sie so zu einer ganz eigenen interpretatorischen Aussage werden lässt.
