Johann Sebastian Bachs sechs Suiten für Violoncello solo BWV 1007–1012 entstanden um 1720 in Köthen. Dieses Album versammelt die ersten drei: die Suite in G-Dur BWV 1007, die Suite in d-Moll BWV 1008 und die Suite in C-Dur BWV 1009. Jede beginnt mit einem Prélude und führt dann durch die feste Folge Allemande, Courante, Sarabande, Menuett I und II sowie Gigue.
Die Übertragung auf die Marimba verändert die Voraussetzungen des Spiels. Der gestrichene Ton lässt sich halten und im Verlauf formen, der angeschlagene klingt aus. Was auf dem Violoncello als Mehrstimmigkeit nur angedeutet werden kann, weil der Bogen die Stimmen nacheinander erreicht, steht auf der Marimba wirklich nebeneinander; umgekehrt muss ein langer Ton durch den Wirbel erst hergestellt werden. Christian Roderburg nutzt diesen Unterschied als Mittel der Darstellung: Er hält die Bassnoten als Fundament stehen, trennt die Stimmen durch die Register des Instruments und behält die Tempi der Tanzsätze bei, statt sie zu Etüden zu verbreitern.
Das Begleitheft stellt der Aufnahme einen Essay von Stefan Fricke voran. Er handelt von den Repertoirestücken, zu denen Bachs Cellosuiten längst gehören: Werke, die jeder Interpret beherrschen muss und an denen er sein Können vorführt — bis das Vertraute daran nichts mehr mitteilt. Gerade Bearbeitungen für ein anderes Instrument, so Frickes Argument, können solchen Stücken ihre Fremdheit zurückgeben: Das Gerüst bleibt erhalten, die Spielweise muss neu erfunden werden, und dabei treten Zusammenhänge hervor, die im gewohnten Klangbild verborgen bleiben.
Christian Roderburg arbeitet seit 1978 als freischaffender Marimba- und Schlagzeugsolist. Er ist in Europa, Japan und den USA aufgetreten, hat zahlreiche Werke für Rundfunkanstalten eingespielt, spielt im Düsseldorfer Schlagzeugensemble, in Ensembles für neue Musik und in Sinfonieorchestern, komponiert Kammermusik sowie Musik für Bühne und Film und leitet internationale Kurse; seit 1991 hat er einen Lehrauftrag für Schlagzeug an der Musikhochschule Köln, Abteilung Wuppertal. Die Aufnahme entstand am 9. und 10. Mai 1995 in der Evangelischen Kirche Honrath. Der zweite Teil mit den Suiten BWV 1010–1012 folgte 1997.
Die CD spielt 56:58; das Begleitheft umfasst acht Seiten in Deutsch und Englisch. Die G-Dur-Suite dauert hier 16:55, die d-Moll-Suite 18:12 und die C-Dur-Suite 21:54. Bachs Autograph ist verloren; überliefert sind die Suiten in Abschriften, darunter eine von Anna Magdalena Bach, die sich in Artikulation und Bogenstrichen unterscheiden — Fragen, die sich auf der Marimba, wo kein Bogen zu führen ist, anders stellen. Die Einspielung vertritt die Auffassung, dass die Musik auch auf einem Instrument mit anderer Resonanz ihr Wesen behält.
