Nach den ersten drei Suiten folgt hier die zweite Hälfte von Johann Sebastian Bachs Zyklus für Violoncello solo: die Suite in Es-Dur BWV 1010, die Suite in c-Moll BWV 1011 und die Suite in D-Dur BWV 1012. Der Aufbau bleibt derselbe — Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, ein Paar von Zwischensätzen und Gigue —, doch an die Stelle der Menuette treten nun Bourrées in der vierten und Gavotten in der fünften und sechsten Suite.
Die beiden letzten Suiten stellen dem Violoncello besondere Aufgaben. BWV 1011 verlangt eine Skordatur: Die höchste Saite wird um einen Ganzton heruntergestimmt, was den Griff verändert und dem Satz eine dunklere Färbung gibt. BWV 1012 ist für ein fünfsaitiges Instrument mit zusätzlicher hoher Saite geschrieben, dessen Umfang das gewöhnliche Violoncello nicht besitzt. Auf der Marimba entfallen beide Bedingungen; die Lagen liegen offen, und was dort als Griffproblem erscheint, wird hier zur Frage der Stimmführung und der Registerwahl.
Christian Roderburg hält auch in diesem Teil an der Dramaturgie der Suite fest. Die Préludes bleiben Eröffnungen mit weitem Bogen — das der sechsten Suite ist mit über vier Minuten der längste Satz des Albums —, die Sarabanden behalten ihre Ruhe, die Gigues ihren Zug. Die Bassnoten stehen als Fundament, die Register des Instruments trennen die Stimmen, und der Wirbel wird dort eingesetzt, wo die Vorlage einen gehaltenen Ton verlangt.
Das Begleitheft enthält denselben Essay von Stefan Fricke wie der erste Teil: eine Auseinandersetzung mit den Repertoirestücken und mit der Frage, was Bearbeitungen für ein anderes Instrument ihnen zurückgeben können. Die Aufnahmen entstanden am 4. November 1996 sowie am 30. Januar und 24. März 1997 in der Evangelischen Kirche Honrath, wo Roderburg zwei Jahre zuvor schon die ersten drei Suiten eingespielt hatte.
Auf dieser Einspielung dauert die Suite BWV 1010 22:51, BWV 1011 21:43 und BWV 1012 28:25 — die sechste ist die umfangreichste des Zyklus. Für die fünfte Suite hat Bach selbst ein Beispiel der Bearbeitung gegeben: Er schrieb sie als BWV 995 für Laute aus, und dieses Autograph ist erhalten, während das der Cellosuiten verloren ist. Stefan Fricke sieht gerade in Bearbeitungen eine Chance: Das Gewohnte, so gern man es habe, müsse nicht das Gewohnte bleiben, und es lohne sich, Bekanntes anders zu hören, zu sehen und zu denken.
Die CD spielt 72:59; das Begleitheft umfasst Texte in Deutsch und Englisch. Mit diesem zweiten Teil liegt Bachs Zyklus der sechs Suiten vollständig auf der Marimba vor. Christian Roderburg, 1954 geboren, ist seit 1978 freiberuflich als Marimba- und Schlagzeugsolist tätig und unterrichtet an der Musikhochschule Köln, Abteilung Wuppertal.
