Ein Klaviermeister war Froberger im Sinne seiner Zeit, die darunter die Beherrschung von Orgel und Cembalo verstand; seine Werke kursierten in zahlreichen Abschriften und wurden größtenteils erst lange nach seinem Tod gedruckt. Johann Gottfried Walthers „Musicalisches Lexikon“ von 1732 berichtet, er sei als Fünfzehnjähriger wegen seiner schönen Diskantstimme von einem schwedischen Gesandten nach Wien mitgenommen und vom Kaiser zu Frescobaldi nach Rom geschickt worden; dass er in Stuttgart getauft wurde, stellte sich erst 1925 heraus. Seine letzten Jahre verbrachte er bei Herzogin Sibylla von Württemberg und Montbéliard, seiner Cembaloschülerin.
Gerd Zacher gliedert das Programm in neun Teile; die ersten vier stehen in C-Dur. Die Toccata (III) in C-Dur FbWV 109 dient als Einleitung, in der der Organist wie in ungebundener Rede zu fantasieren scheint. Die Fantasia (I) sopra VT-RE-MI-FA-SOL-LA FbWV 201 über das Hexachord, dessen sechs Töne damals als Grundlage aller Musik galten, war Frobergers erste Veröffentlichung überhaupt: Athanasius Kircher druckte sie 1650 in seiner „Musurgia universalis“. Das Capriccio (VI) in C-Dur FbWV 506 folgt Frescobaldis Anregungen zu mehrgliedrigen Stücken über ein ständig verändertes Thema. Mit der Toccata (V da sonarsi alla leuatione) FbWV 111, einem Stück zur Wandlung, beginnt der zweite Teil auf anderen Grundtönen; den Schluss bildet das Ricercar (VI) in fis-Moll FbWV 412, dessen entlegene Tonart Frobergers harmonische Spannweite lange vor dem „Wohltemperierten Clavier“ zeigt.
Vier Partiten, wie man Suiten damals nannte, zeigen die Vielfalt von Frobergers Stil; in der verbreiteten Satzfolge mit ihren Reverenzen vor den Nationen sieht Zacher einen Beleg für die kulturelle Einheit Europas. Die Partita I in e-Moll FbWV 607 ist eine reine Tanzsuite. In der Partita auff Die Mayerin FbWV 606 tritt an die Stelle der Allemande ein Variationenzyklus über das Volkslied „Schweiget mir vom Weibernehmen“, der nach der chromatischen „Grammatica“ in Courante, Double und Sarabande mündet. Zwei Partiten beginnen mit einer Klage: Auf das Lamento der Partita VI FbWV 612 über den Tod Ferdinands IV. folgt ein lebhafter Reigen, den Zacher auf Dantes Paradies bezieht. Die Lamentation sur ce que j’ay été volé FbWV 614 versteht er nicht als Schilderung eines Überfalls, sondern als Musik, mit der Froberger sich selbst tröstete; ihre Gigue steht in einem ermutigenden punktierten Rhythmus, „fast wie ein Geschwindmarsch“.
Die Orgel der alten Prämonstratenserkirche St. Leodegar in Niederehe baute der in Bad Münstereifel ansässige Balthasar König 1714 als sein erstes Instrument. Hubert Fasen restaurierte sie 1998 mit der Landesdenkmalpflege: Wiedergefundene Registerschilder ergaben die ursprüngliche Disposition, die drei erhaltenen Originalregister die mitteltönige Stimmung, die im Ricercar in fis-Moll an den Schlüssen der drei Abschnitte besonders kühn hervortritt. Das Pedal mit 13 Tasten zieht Zacher nur in Fantasia und Capriccio heran; in der Toccata alla levatione kommt der Wind aus dem Tretbalg, bedient von Klaus Kemp, auf dessen Initiative die Restaurierung zurückging.
