In der dritten Folge der Mallorca Edition Historische Orgeln widmet sich Martin Schmeding dem spanischen Komponisten José Lidon. Er spielt an der großen Jordi-Bosch-Orgel von 1762 in Sant Andreu, Santanyi. Lidon wurde 1787 erster Organist der königlichen Kapelle in Madrid, wo ihm eine spätere Orgel desselben Baumeisters zur Verfügung stand. Das Instrument auf Mallorca vermittelt so einen besonderen Zugang zu den vorgesehenen Klangfarben seiner Musik.
Die Seis Piezas o Sonatas sueltas entstanden als liturgische Versetten im achten Psalmton. In den Cuatro Piezas para la Misa nennt Lidon konkrete Orte im Messablauf, darunter Offertorium und Elevation. Neben diesen geistlichen Stücken zeigen die weiteren Sonaten spanische Tradition und klassische Formbildung. Die Sonate in F für Trompeta Real verbindet Fanfaren mit motivischer Arbeit.
Besonders weit gespannt ist die Sonate im sechsten Ton: Ihr Mittelsatz nutzt die Teilung der spanischen Orgel für Echoeffekte, bevor das Finale das volle Werk erklingen lässt. Auch Capricho und Varios juegos zeigen klassische Miniaturformen in spanischem Klanggewand. Schmedings Aufnahme macht Lidons Übergang vom Spätbarock zur Klassik in seinen kontrastierenden Registern hörbar.
