Sebastian Aguilera de Heredia gehört zur zweiten Generation jener Organisten, die die Orgelmusik des Siglo de Oro prägten, der Blütezeit Spaniens zwischen 1550 und 1700. Die Generation um Antonio de Cabezon hatte die zentralen Formen des Repertoires ausgebildet, allen voran das Tiento, in dem imitierende Abschnitte mit virtuosen Passagen über liegenden Akkorden und tänzerischen Dreiertakt-Teilen wechseln. Aguilera und Francisco Correa de Arauxo übertrugen dieses Erbe auf die moderne spanische Orgel, deren in Bass und Diskant geteilte Windladen eine Fülle von Klangkombinationen erlaubten. Als Organist der Kathedrale La Seo in Zaragoza begründete Aguilera eine aragonesische Orgelschule.
Das erhaltene Orgelwerk Aguileras umfasst laut Martin Schmeding achtzehn Kompositionen und eine ihm zugeschriebene, anonym überlieferte Batalla. Die meisten heißen Tiento, Obra oder Vajo; vier gelten dem Bass-Solo, darunter der Registro baixo de 1° tom und die Dos vajos de 8° tono. Ein typisches Tiento Aguileras beginnt mit einem oder mehreren fugierten Abschnitten, deren Figurationen sich allmählich verdichten; der zweite Teil steht in Dreierproportion dazu und greift oft das Hauptthema auf. Kennzeichnend sind ungewöhnliche rhythmische Proportionen und synkopierte Passagen. In den Falsas wie dem Tiento de 4° tono de falsas herrschen, ähnlich den italienischen Durezze e ligature, übergebundene Dissonanzen vor; leise registriert, waren sie für die Kommunion („sub communione“) prädestiniert.
Zu den konventionelleren Stücken zählen die strenge Motettenintabulierung Discurso sobre los saeculorum und je zwei Versetten über die Hymnen Salve Regina und Pange lingua. Als eine der erfindungsreichsten und skurrilsten Kompositionen der spanischen Orgelrenaissance hebt Schmeding die Obra de 8° tono alto. Ensalada hervor: Dem kulinarischen Wortsinn entsprechend mischt Aguilera polyphone Motettenpassagen, virtuose Tänze im Dreiertakt, Echopartien, Canzonen und Batalla-Fanfaren. Als Bonustrack, nur auf SACD-Spielern zu hören, folgt das Tiento de Batalla. 8° tono.
Gabriel Thomàs (1762–1836) baute die Orgel 1823 für die Klosterkirche. Die Herkunft des mallorquinischen Meisters ist ungeklärt; seine Handschrift, besonders bei Bau und Intonation der Zungenregister, ähnelt nach Gerhard Grenzing stark der Praxis von Jordi Bosch. Um die Horizontaltrompeten zu stimmen, werden Füllungen herausgenommen, und der Stimmer lehnt sich aus dem Instrument; die Stimmung liegt etwa eine kleine Terz unter 440 Hz. Wohl aus Geldmangel, während die Klosterorden aufgelöst wurden, blieb die Orgel unvollendet: Im oberen Manual fehlten Quinzena, Dinovena und Simbalet, das Unterwerk war nur mechanisch vorbereitet. Grenzing, der den Bestand 1981 restaurierte, ergänzte diese Register 1983 und passte sie dem Original klanglich an.
Die Aufnahmen entstanden im April und Mai 2011 für eine Edition von sechs SACDs, die außerdem Werke von Padre Antonio Soler, Domenico Scarlatti und José Lidon an der großen Jordi-Bosch-Orgel in Santanyi und von Pablo Bruna, den manche Musikwissenschaftler zu Aguileras Schülern rechnen, an der Mateu-Bosch-Orgel in Sencelles vereint.
