Nach Antonio de Cabezon und Francisco Correa de Arauxo erreichte die spanische Orgelkomposition, so Martin Schmeding, mit Sebastian Aguilera de Heredia, dem der vierte Band gilt, und Pablo Bruna einen weiteren Höhepunkt. Von Aguilera, dem Organisten der Kathedrale von Zaragoza, ging eine aragonesische Orgelschule aus; manche Musikwissenschaftler rechnen Bruna zu seinem Schülerkreis. Mit Bruna stand rund hundert Jahre nach dem von Kindheit an blinden Cabezon wieder ein blinder Organist im Dienst des spanischen Königs.
Die Werke beider Komponisten weisen zahlreiche Parallelen auf. Brunas besonderes Verdienst sieht Schmeding darin, die häufig kleinteiligen Formen zu Tientos mit klaren Proportionen, formaler Größe und vielseitiger motivischer Arbeit geführt zu haben. Ein typisches Beispiel ist das Tiento de 5° tono de mano izquierda: Ein absteigendes Tetrachord-Thema wird in der Begleitung imitierend eingeführt und im Bass-Solo figurativ entwickelt. Im Mittelteil begleitet die rechte Hand fast nur akkordisch die virtuose Bassstimme; der Schlussteil spielt im Echo mit der Diskant-Bass-Teilung der spanischen Orgel, führt den Bass zweistimmig und flicht das Tetrachord-Thema teils synkopiert in einen vierstimmigen Satz ein.
Das Tiento de 1er tono de mano derecha y al medio a dos tiples enthält eine der längsten Diskant-Diminutionen der spanischen Orgelliteratur. Im Tiento de 2° tono por Ge sol re ut „Sobre la letania de la Virgen“ variiert Bruna eine populäre Marienlitanei über einem Gerüst, das an die Folia- und Passamezzo-Ostinati der Zeit erinnert; das Tiento lleno de 6° tono sobre Ut re mi fa sol la verarbeitet das aufsteigende Hexachord. Im Registro alto de clarin de 8° tono nutzt Bruna als einer der ersten die spanischen Trompetenregister, die hier wohl noch im Gehäuse standen; ihre Fanfarenmotivik kehrt in der Batalla de 6° tono wieder. Das Tiento de falsas de 2° tono kann sich nach Schmeding mit seiner Dissonanzbehandlung und seinen überraschenden harmonischen Wendungen mit Werken Girolamo Frescobaldis oder Johann Jakob Frobergers messen.
Mateu Bosch (1709–1751), Vater des Orgelbauers Jordi Bosch, errichtete um 1746 die Orgeln in Sencelles und im Kloster Sant Jeroni in Palma. Nach Gerhard Grenzing spiegelten Mallorcas Instrumente noch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts eher den Geist der Renaissance als den der Orgeln des Festlands. Die einmanualige Orgel von Sant Pere mit geteilten Registern und angekoppeltem Pedal restaurierte die Firma A&K orgues de vent im Jahr 2000; ihre beiden Zungenstimmen stammen laut Disposition von Antoni Portell (1852). Trotz weniger Register erlaubt sie laut Grenzing erstaunlich vielfältige Registrierungen; nicht nur iberische Musik, auch Werke aus den Niederlanden oder Deutschland klingen auf ihr „wie zu Hause“.
Martin Schmeding spielte Brunas Werke im September 2011 ein, nach den Aufnahmen in Santanyi und Campos. Die Zeitschrift Diapason zeichnete die Mallorca Edition Historische Orgeln mit „5 Diapason“ aus.
