Gerhard Grenzing, 1942 in Insterburg geboren, lernte den Orgelbau bei Rudolf von Beckerath in Hamburg. Von 1967 bis 1972 restaurierte er historische Orgeln auf Mallorca, 1972 gründete er seine Werkstatt in El Papiol nahe Barcelona, die mehr als 220 Orgeln in Kathedralen, Kirchen, Palästen, Musiksälen und Konservatorien neu gebaut oder restauriert hat. Von 2006 bis 2010 war er Präsident der International Society of Organ Builders (ISO); er veröffentlichte mehrere Studien über Jordi Bosch und schrieb für das Begleitheft der Edition die Texte über die spanische Orgel und die drei Instrumente.
Das erste Gespräch entstand am 1. August 2011 in der Werkstatt. Grenzing erzählt, wie er Rudolf von Beckerath bat, bei ihm lernen zu dürfen, von langsamen Lehrjahren und der Demut vor den alten Meistern und von den Gründen, die ihn aus Norddeutschland nach Spanien führten. Er spricht über die historischen Orgeln Mallorcas – sie zu restaurieren heiße, mit ihnen zu leben –, über die Restaurierung in Campos und über die Stimmung der Orgel von Santanyi mit der größten Mixtur der Welt. Weitere Kapitel gelten der Frage, warum die Orgel in jedem Land anders klingt, den Auftraggebern früher und heute, dem Orgelpublikum in Barcelona und der heilenden Wirkung, die er Instrumenten und Kunstwerken zuschreibt.
Das zweite Gespräch führte Mirjam Wiesemann am 29. April 2011 mit Martin Schmeding am Spieltisch der Jordi-Bosch-Orgel in Sant Andreu, Santanyi. Schmeding berichtet von Entstehung und Vorbereitung der Edition, beschreibt die Charaktere der drei Orgeln und erklärt, warum das Stimmen so aufwendig ist. Er spricht über die Komponisten des Siglo de Oro, den Orgelbauer Jordi Bosch und die Wechselwirkung zwischen der Persönlichkeit einer Orgel und dem Charakter der Kompositionen, aber auch über seine eigenen Anfänge: Mit elf Jahren waren die Beine endlich lang genug. Klangbeispiele an der Orgel ergänzen das Gespräch.
Mirjam Wiesemann, künstlerische Leiterin der Hörbuchreihe Wort&Musik und der Edition Künstler im Gespräch bei Cybele Records, schnitt die Gespräche gemeinsam mit Ingo Schmidt-Lucas. Im Vorwort schreibt sie, sie habe im Austausch mit Grenzing und bei der Nachbearbeitung ein ganz neues Verhältnis zur Orgel gewonnen. Grenzing restaurierte die Orgel von Santanyi erstmals 1982 und stimmt ihre 2472 Pfeifen, davon 1128 allein in der Mixtur, gemeinsam mit seinem Sohn Daniel. Reinigung und Stimmung sowie die Rekonstruktion der großen Pedalpfeifen ermöglichte Irmgard Schörghuber durch ihre Großzügigkeit; ohne diese Arbeiten, schreibt Grenzing, wäre die Edition nicht möglich gewesen.
