Eine Choralmelodie kann aus vorbereitenden Stimmen hervortreten, reich verziert erklingen oder in zeitversetzten kanonischen Einsätzen erscheinen. Vol. 7 der Max Reger Edition widmet sich diesen unterschiedlichen Möglichkeiten, Melodie und Mehrstimmigkeit miteinander zu verbinden. Auf die 15 Choralvorspiele des ersten Hefts von op. 67 folgen die Vier Präludien und Fugen op. 85 sowie das Postludium in d-Moll WoO IV/12. Martin Schmeding spielt an der Walcker-Orgel von 1900 in der Evangelischen Kirche Essen-Werden.
Die Choralvorspiele knüpfen an Modelle aus Bachs Orgelbüchlein und seinen Leipziger Chorälen an. In Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr!, Aus meines Herzens Grunde und Herzlich thut mich verlangen bereiten imitierende Stimmen mit Motiven der jeweiligen Choralzeile den Einsatz der Melodie vor. Christus, der ist mein Leben gestaltet die Oberstimme mit ausdrucksvollen Verzierungen über einem harmonisch bewegten Unterstimmensatz. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend führt die Choralmelodie kanonisch. Die vertrauten Kirchenlieder erhalten so jeweils eine eigene satztechnische und klangliche Gestalt.
Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Ein‘ feste Burg ist unser Gott und Freu‘ dich sehr, o meine Seele gehören ebenfalls zu diesem ersten Heft, das mit Jauchz, Erd, und Himmel, juble! endet. Für den gottesdienstlichen Gebrauch bestimmt, verlangen die Stücke zugleich eine sorgfältige Führung der einzelnen Stimmen. Die Bezeichnung als leicht ausführbare Vorspiele beschreibt eine geringere technische Schwelle gegenüber den großen Choralphantasien; auch in diesen kürzeren Formen bleibt die Ausarbeitung anspruchsvoll.
Die Vier Präludien und Fugen op. 85 von 1904 verlagern den Schwerpunkt zur freien kontrapunktischen Gestaltung. Die Werkpaare stehen in cis-Moll, G-Dur, F-Dur und e-Moll. Ihre Charaktere unterscheiden sich deutlich: Der chromatisch geprägten ersten Fuge folgt als zweite ein scherzohaftes Stück mit kleinteiliger Artikulation. Die dritte und vierte Fuge orientieren sich an einer ebenmäßig geführten Mehrstimmigkeit nach älteren Vorbildern. Auch die Präludien reichen vom romantisch ausdrucksvollen Charakterstück bis zur pastoralen Miniatur. Die Abfolge entfaltet ein Spektrum, in dem strenge Stimmenarbeit sehr verschiedene Bewegungsformen annehmen kann.
Das kurze Postludium in d-Moll von 1904 beschließt das Programm mit einer nochmals verdichteten Form. Auf eine Einleitung aus gebrochenen Akkorden folgt ein Fugato, das gegen Ende die Motive des Beginns wieder aufnimmt. Die Rückbindung schafft einen geschlossenen Verlauf innerhalb weniger Minuten.
Die Essener Walcker-Orgel besitzt eine Disposition im Stil der deutschen Spätromantik. Unter ihren Einzelfarben fallen die beiden durchschlagenden Zungen Clarinette und Cor anglais auf, verteilt auf das zweite und dritte Manual. Sie stehen sowohl für solistische Linien als auch für Mischungen mit anderen Registern zur Verfügung. Die DSD-Produktion dokumentiert das Instrument in Stereo und 5.1-Surround sowie in einer 3D-Binaural-Version für Kopfhörer.
