Mit dem dritten Heft schließt sich die Sammlung Op. 67, die Max Reger zwischen 1900 und 1902 schrieb. Die Nummern 36 bis 52 versammeln viel gesungene Lieder wie „Vater unser im Himmelreich“, „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Ähnlich wie Bach prägt Reger jedes Vorspiel durch eine charakteristische Figur: extreme Pedalsprünge, verminderte Septimen und Tritoni, in „Valet will ich dir geben“, kanonische Führung des cantus firmus in „Jesus ist kommen“. Zweimal hintereinander steht „Wer nun den lieben Gott läßt walten“, einmal zu ernsten Liedern, einmal zu Liedern freudigen Inhalts – die Sammlung war für den alltäglichen Gebrauch im Gottesdienst bestimmt.
Die Suite in g-Moll für Orgel Op. 92, Regers zweite Orgelsuite, führt in seinem Orgelwerk ein merkwürdiges Schattendasein; auch der Komponist selbst berichtet kaum Näheres über Entstehung oder Hintergrund. Sie beendet vorerst seine äußerst produktive Schaffensperiode für die Orgel, die erst mit op. 127 wieder einsetzte. Zeitlich fällt das Werk in eine Phase großer Anstrengungen: Reisen, Ärger in der Akademie der Tonkunst in München, aus der er schließlich austrat, und immer häufigere Krankheiten. Hinzu kam der Tod seines Vaters am 28. September 1906 – vielleicht eine Erklärung für die melancholische Grundstimmung des Werks.
Dass op. 92 sowohl als Gesamtband wie in sieben Einzelausgaben erschien, zeigt, dass Reger das Werk als Einheit dachte, seine Sätze aber wie die früheren Sammlungen von Charakterstücken auch einzeln gespielt werden konnten. Auf Präludium und Fuge folgen Intermezzo, Basso ostinato, Romanze, Toccata und eine zweite Fuge. Die Rezensionen fielen spärlich aus und reichten von der Einschätzung als Ziel des künstlerischen Ringens bis zum Vorwurf unzusammenhängender Bruchstücke von gesucht-hässlicher Harmonik; beides hält Martin Schmeding im Begleitheft für maßlose Übertreibungen. In ihrer formal und spieltechnisch geläuterten Schreibweise rundet die Suite die zahlreichen Zyklen der Münchner Zeit ab und weist bereits auf die Miniaturen von op. 129 voraus.
Am 11. Januar 1901 entdeckte Reger im Weidener Anzeiger einen Aufruf zur Errichtung einer Stiftung zum 80. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold – möglicherweise der Anlass für die Variationen und Fuge über „Heil, unserm König Heil!“ für Orgel WoO IV/7 über dessen inoffizielle Hymne. Fünf Tage nach Regers Schlussvermerk starb Königin Victoria von England; sein früherer Lehrer Adalbert Lindner brachte das Stück später mit dem englischen Königshaus in Verbindung, und Reger selbst verbreitete es mit dem Hinweis, es tauge zur Verwendung bei Königsfesten. Mit der Variationsform hatte er sich schon öfter beschäftigt, hier verband er sie zum ersten Mal mit einer Fuge – eine Pioniertat, deren er sich durchaus bewusst war.
Aufgenommen wurde der achte Band vom 8. bis 10. Mai 2015 in der Evangelischen Kirche Essen-Werden, häufig nachts, weil tagsüber Außengeräusche die Arbeit gestört hätten. Einmal fühlte sich ein Anwohner um drei Uhr morgens von den immer gleichen, endlos wiederholten Passagen nicht nur gestört, sondern bedroht und rief die Polizei; Hans Winking, ehemaliger WDR-Redakteur und Begleiter der Essener Aufnahmen, öffnete den Beamten und erklärte ihnen, wie eine Musikaufnahme entsteht. Für Martin Schmeding hat das nächtliche Arbeiten bei allen Widrigkeiten auch seinen Reiz: Man habe die Kirchräume, die man sonst mit vielen anderen erlebe, einmal für sich allein. Zu den Eigenheiten, um derentwillen er dieses Instrument für Reger wählte, zählen die durchschlagenden Zungen der Walcker-Orgel, Clarinette und Cor anglais.
