Die vier Stücke, die das Album eröffnen, fasst Blarr als Vier Tänze zusammen. Holy Tango III „An Himmelfahrt“ ist als Erinnerung an die Teschemacher-Orgel von 1763 gedacht, die im Zweiten Weltkrieg in der Lutherischen Kirche an der Bergerstraße in Düsseldorf verbrannte; im Pedal jenes Instruments fehlte das große Cis. Die Rahmenteile beruhen auf dem reformatorischen Choral Christ fuhr gen Himmel, der Mittelteil bringt eine arabische Melodie, die Blarr am 8. August 2008 in der Altstadt von Jerusalem hörte — die Kantillation eines Muezzins, die einem polnischen Volkslied aus den Beskiden verblüffend ähnelt. Später ging das Stück als Orgelsolo in sein Himmelfahrtsoratorium ein, das am 5. September 2010 in Saalfeld uraufgeführt wurde.
Dem Intendanten GG — Mephistowalzer mit Ave Maria ist eine Hommage an Gustav Gründgens, der nach dem Krieg das Düsseldorfer Schauspielhaus leitete und das kulturelle Klima der Stadt prägte. Auslöser war Gründgens’ rhythmische Interpretation des Liedes in Auerbachs Keller, sein Scat-Gesang „jam pa pa pa pa pam“ im schnellen Walzertempo; als Kontrapunkt dazu erklingt das Ave Maria von Jacques Arcadelt, überlagert von sich beschleunigenden Glockenklängen, bis der Walzer ins „delirante“ steigert. Die ursprüngliche Orgelfassung spielte Martin Schmeding 2007 an der Felix-Mendelssohn-Europa-Orgel in Düsseldorf-Oberkassel; für diese Aufnahme schrieb Blarr eine neue, vorläufig endgültige Fassung. Es folgen Something like a blues — remembering George Maycock und die Estampie II als Pedalsolo, die auf einem Organum-Fragment aus dem Robertsbridge Codex beruht und einen Vers aus Psalm 122 im Titel führt.
Die Drei Albumblätter sind gewidmet: das erste Helmut Schmidt, das zweite als Quasi una Tarantella dem Organisten und Musikforscher Luigi Ferdinando Tagliavini in Bologna, das dritte als Quasi una Sardana Gregori Estrada in Montserrat. Die Fünf Intonationen von 2014 sind kurze Stücke von je ein bis zweieinhalb Minuten, die auf Nummern eines größeren Zyklus Bezug nehmen — Exodus, Trostlied, Der siebte Engel, Kaddish.
Den Schluss bildet Der Bachpokal, eine Introduktion, Passacaglia und Choral „als Orgelprobe in honorem Zacharias Hildebrandt“ von 2007. Die Passacaglia ist mit fast zwölf Minuten der längste Satz des Albums; der Titel spielt auf den Orgelbauer an, dessen Instrumente Bach zu prüfen hatte, und auf den Pokal, mit dem eine bestandene Orgelprobe begossen wurde.
Martin Schmeding spielt die Rieger-Orgel von 1965 und das Orgelpositiv, das Lukas Fischer 1992 für die Neanderkirche baute; an einigen Stücken wirkt der Komponist selbst mit. Aufgenommen wurde vom 2. bis 4. März 2017 in der Neanderkirche Düsseldorf, in Stereo, 5.1 Surround und 3D-Binaural-Stereo. Die Gesamtspielzeit beträgt 66:45; das Begleitheft von 44 Seiten enthält Blarrs eigene Erläuterungen zu jedem Stück.
