Graham Waterhouse wurde 1962 in London geboren und stammt aus einer Londoner Musikerfamilie. Er studierte an der Highgate School in London, an der Cambridge University und an den Musikhochschulen in Essen und Köln, Komposition bei Hugh Wood und Robin Holloway, Violoncello bei Maria Kliegel, Young-Chang Cho und Eldar Issakadze; besondere Anregungen erhielt er von Sergiu Celibidache und Siegfried Palm. Seit 1992 lebt er als freischaffender Komponist und Cellist in München. Er konzertierte mit dem Philharmonia Orchestra London und dem Ensemble Modern und spielte in Weimar, Baden-Baden, Mexico-City und Gorkij den Solopart seines Cellokonzerts Op. 27. Sein Schaffen umfasst vor allem Kammermusik und Instrumentalkonzerte, darunter Auftragswerke für die Münchener Biennale, die International Double Reed Society und das Schleswig-Holstein Festival.
Die Kammermusik steht, so Hans Krieger im Begleitheft, im Zentrum von Waterhouses Schaffen: Die Intimität kleiner Besetzungen und die Wechselrede weniger Instrumente kommen seinem musikantischen Naturell entgegen, und nicht wenige Stücke sind Auftragsarbeiten, bestimmten Musikerkollegen gleichsam auf den Leib geschrieben. Am unmittelbarsten wird ihr Ausdruck, wenn Waterhouse für sein eigenes Instrument schreibt. Die Three Pieces Op. 28 für Violoncello solo von 1996, Siegfried Palm gewidmet, erreichen in ihrem rhapsodischen Gestus eine meditative Versenkung. Einen Kontrast von vertrackter Heiterkeit setzt Vezza, Limerick für Cello und Sprechstimme; „Vezza“ ist, wie der englische Heft-Text erklärt, die deutsche Aussprache des englischen „weather“. Beide Stücke spielt Waterhouse selbst.
In Contraventings Op. 46a durchmisst die Klarinette, frei von strengem Takt und tonalen Bindungen, grenzenlose Klangräume; im dreisätzigen bow n’ blow duo tritt sie mit dem Cello in einen Dialog schmelzender Klangfarben, kontrapunktischer Verschränkungen und Spiegelungen. Le Charmeur de Serpents Op. 39, für Agnès Marc geschrieben, lässt die Spielerin zwischen Alt- und Sopraninoblockflöte wechseln und beide phasenweise sogar gleichzeitig polyphon spielen, eine Schlangenbeschwörung in ganz unkonventionellem Sinn. Das Praeludium Op. 32 von 1992 entfaltet eine toccatenhafte Motorik mit komplizierten Akkordschichtungen und Vorhalten, in deren explosiver Rasanz bei aller Schärfe der Dissonanzen eine Traditionslinie über Liszt bis zu Bach durchklingt.
Am raffiniertesten gearbeitet sind, so Krieger, die Gestural Variations Op. 43a, Charaktervariationen, in denen sich der Gestus vom Schroffen zum Gravitätischen, vom Atemlosen zum Nachdenklichen, vom Bedrohlichen zum überschwänglich Sprudelnden wandelt, während das motivische Material im polyphonen Wechselspiel immer neue Umformungen durchläuft. Waterhouse schrieb sie für den Fagottisten Henry Skolnick, den Oboisten John Dee und den Pianisten Jose Lopez, die sie 1997 in Chicago uraufführten, und arbeitete sie 1998 für Klarinette, Violoncello und Klavier um. Für dieselbe Besetzung ist die Toccatina Precipitando komponiert, die Gegenrhythmen über einen Ostinatobass im 7/8-Takt legt.
Mit Waterhouse spielen Markus Schön (Klarinette), der regelmäßig als Soloklarinettist bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem Scottish Chamber Orchestra tätig ist, Michael Wendeberg (Klavier), seit September 2000 Mitglied des Ensemble InterContemporain, und Agnès Marc (Blockflöten), die an der Ludwig-Maximilians-Universität München Blockflöte und Kammermusik unterrichtet. Die Aufnahmen entstanden im Juli 2000 und im Februar 2001 im Erholungshaus der Bayer AG in Leverkusen.
