„Mit dieser CD werden Sie in die Basilika der Abtei Marienstatt versetzt“, schreibt Abt Thomas Denter im Geleitwort. Die Mitschnitte aus dem Chorgebet der Mönche sollen an die Gründung des Mutterklosters Cîteaux im Jahr 1098 erinnern und den Besuchern der Gottesdienste eine Erinnerung mit nach Hause geben. Weil die Mönche im Lob Gottes und in der Fürbitte für die ganze Welt ihre vornehmste Aufgabe sehen, entschied sich die Abtei für „Live“- und nicht für „Kunst“-Aufnahmen. Sie entstanden am 14. und 15. sowie am 20. und 21. August 1997; die musikalische Konzeption lag bei Fr. Jakob Schwinde.
Gesänge und Texte der beiden Hochfeste stellen nach Denters Worten die zisterziensische Eigenart besonders gut dar: Maria ist die Schutzpatronin des Ordens und der Abtei, Bernhard von Clairvaux der geistige Vater des Ordens. Vom Fest des heiligen Bernhard erklingt nach dem Festläuten die I. Vesper vom Einzug über vier Antiphonen mit ihren Psalmen, Lesung und Großes Responsorium „Beatus Bernardus“, den Hymnus „Bernardus doctor inclytus“ und das Magnificat bis zur Prozession mit dem Salve regina; dazu kommt das Alleluja „Charitate vulneratus“ der Messe. Der Dichter des Bernhardshymnus wollte dem Ordensvater einen „Hymnus der Hymnen“ widmen: Die letzte Zeile jeder Strophe ist die Anfangszeile eines bekannten Hymnus des Kirchenjahres.
Vom Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel stammen das Invitatorium der Vigil mit Psalm 94, Alleluja und Communio der Messe sowie Teile der II. Vesper. Marienstatt ist zugleich Marienwallfahrtsort: Täglich ziehen die Mönche am Ende der Vesper in einer „kleinen Wallfahrt“ zum Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter Gottes, um dort das Salve regina zu singen, und in der Komplet beschließt die Gemeinschaft den Tag mit dem Salve regina im zisterziensischen Ton, bevor beim Angelus-Läuten der „Engel des Herrn“ gebetet wird. Drei Improvisationen für Flöte und Orgel von Fr. Jakob Schwinde und Fr. Gregor Brandt gelten dem Vesperhymnus und dem Alleluja des Bernhardsfestes, der Communio von Mariä Himmelfahrt und dem zisterziensischen Salve regina; die zweite will wie das Hochchorfenster der Basilika darstellen, wie sich die Hand Gottes herabsenkt und Maria zu sich emporholt.
Die Mönche singen aus den Choralbüchern, die die Trappisten am Ende des 19. Jahrhunderts auf der Grundlage des alten zisterziensischen „Normalkodex“ rekonstruierten und ab 1899 neu herausgaben. Dieser Kodex ging auf die Choralreform zurück, die Bernhard von Clairvaux 1134 veranlasste: Der Tonumfang einer Melodie sollte zehn Töne nicht überschreiten, ein Gesang nicht mehrere Modi vermischen, lange Tonfolgen über einer Silbe wurden gekürzt. Für die Orgelbegleitung nutzen die Mönche bisweilen, zum Teil auch auf dieser CD, Vorlagen von P. Dominikus Pamler (1868–1955) aus Marienstatt und P. Raymund van Husen (1908–1989) aus Himmerod. Die Abtei selbst wurde 1215 von Heisterbach aus gegründet und 1888 nach der Säkularisation von österreichischen Zisterziensern neu besiedelt.
