Das Duo Halsdorf–Hänschke entstand 1991 eher zufällig: Jean Halsdorf suchte einen Begleiter für ein Konzert, und man empfahl ihm den Pianisten Michael Hänschke. Aus der kurzen Zusammenarbeit wurde eine dauerhafte; 1994 gewannen die beiden in Finale Ligure den ersten Preis beim Internationalen Kammermusikwettbewerb „Palma d’Oro“. Halsdorf, 1969 in Luxemburg geboren, studierte bei Maria Kliegel in Köln, bei Franco Maggio Ormezowski an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom und bei Ivan Monighetti in Basel. Hänschke, im selben Jahr in Moers geboren, studierte von 1990 bis 1995 in der Meisterklasse von Pavel Gililov an der Kölner Musikhochschule und wurde 1990 Pianist des Henze-Kammerensembles.
Ludwig van Beethoven komponierte die Sonate in g-Moll Op. 5 Nr. 2 für Klavier und Violoncello 1796 als 26-Jähriger; im Sommer desselben Jahres erklang sie erstmals am Berliner Hof. Zusammen mit ihrer gleichzeitig entstandenen Schwester in F-Dur befreit sie das Violoncello aus seiner traditionellen Rolle als harmonietragendes Instrument und stellt es dem Klavier als gleichberechtigten Partner zur Seite. Beide Sonaten sind dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. gewidmet; als Beethoven sie ihm mit dem Cellisten Jean Louis Duport vorspielte, erhielt er eine mit goldenen Louisdors gefüllte Tabakdose. Für den letzten Satz der Sonate in g-Moll forderte Adolph Bernhard Marx einen Spieler „mit kräftigem Arm“.
Dmitri Schostakowitsch schrieb seine Sonate in d-Moll Op. 40 für Violoncello und Klavier 1934, mit 28 Jahren, in einer glücklichen Zeit: frisch verheiratet, nach dem erfolgreichen Start seiner Oper „Lady Macbeth“ in Leningrad und noch vor den Anfeindungen und politischen Stürmen der folgenden Jahre. Die Sonate, seinem Freund, dem Cellisten Viktor Kubatzki gewidmet, ist sein erstes größeres Kammermusikwerk. Erstaunlich ist ihre klassische Grundhaltung, die in scharfem Gegensatz zu Werken aus derselben Zeit steht, einer Suite für Jazzorchester und dem Ballett „Der helle Bach“.
Bernd Hänschke, 1948 in Duisburg geboren, studierte in Köln Schulmusik und Komposition und von 1980 bis 1983 in der Meisterklasse von Hans Werner Henze; auf ihn gehen das Henze-Kammerensemble (1989) und die Moerser Tage Neuer Musik (1993) zurück. „Changeant II“ (1993) für Violoncello und Klavier ist sein erstes Werk für eine klassische Kammermusikbesetzung. Der Titel verweist auf die Form: Das eingangs vorgestellte Material durchläuft eine Reihe von Zuständen, gleichsam imaginären Szenen. Das Stück bezieht sich auf Pablo Nerudas Gedicht „Joaquins Weggang“, ohne seinem Ablauf zu folgen; der Hörer ist eingeladen, eine eigene Geschichte zu erleben. Die Aufnahmen entstanden im April 1995 im Kammermusiksaal des Martinstifts in Moers.
