Johannes Fritsch, 1941 in Bensheim-Auerbach geboren, gehörte von 1964 bis 1970 dem Stockhausen-Ensemble an, leitete von 1971 bis 1984 das Seminar für Neue Musik an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt und lehrte ab 1984 Komposition an der Kölner Musikhochschule. Er gründete das Feedback Studio und den gleichnamigen Verlag, veranstaltete die Hinterhausmusiken und gab die Feedback Papers heraus. Die vier Flötenstücke dieser CD sind im Feedback Studio Verlag erschienen; aufgenommen wurden sie 1997/98 im Feedback Studio mit dem Tonmeister Wolfgang Ellers.
„Flute Klang“ (1981) für Altflöte mit Delaysystem wurde in Darmstadt von Robert Dick uraufgeführt. Ursprünglich sah Fritsch ein Vierspurtonbandgerät vor, das den Klang der Altflöte während der Aufführung dreifach verzögert; heute übernimmt ein programmierbares digitales Delaysystem diese Aufgabe. „Kyo-Mu“ (1982) für Shakuhachi und Tonband spielte Hitomi Endo bei der Uraufführung auf dem zweiten Weltmusik-Kongress in Vlotho; das Tonband ist eine Produktion des Feedback Studios. Außer mit der japanischen Bambusflöte, mit der das Stück in Europa und mehrfach in Japan erklang, lässt es sich auch mit Tenorblockflöte oder Altflöte aufführen. Der Komposition liegt ein Text von Hisamatsu Fuyo aus dem Jahr 1823 bei, der mit den Worten „kein Stück wird Atem, der Atem wird das leere Nichts“ endet.
„Noël für drei Flöten“ (1990) für große Flöte, Altflöte in G und Bassflöte entstand in der Weihnachtszeit 1990 und wurde 1991 in Köln mit Camilla Hoitenga uraufgeführt; die CD bringt die Playbackversion. Das Stück für Altflöte und Tempelglocke komponierte Fritsch im August 1994 in der Villa Massimo in Rom für Natalja Psenitsnikova, die es im selben Jahr in Berlin uraufführte. Die Flötistin absolvierte in Moskau die Zentrale Musikschule und das Tschaikowskij-Konservatorium, widmete sich der Barockmusik auf historischen Instrumenten ebenso wie zeitgenössischer Musik und Improvisation und machte sich auch als Vokalistin im experimentellen Bereich einen Namen. Für sie schrieben unter anderem Gia Kancheli, Bernhard Lang, Peter Ablinger, Klaus Lang und Sergej Nevskij.
Die CD eröffnet die Reihe, in der das Feedback Studio Köln seine eigene Geschichte dokumentiert: das unabhängige, private elektronische Studio, das Johannes Fritsch 1970 mit Rolf Gehlhaar und David Johnson gegründet hatte und das sich als Künstlerkooperative und alternatives Zentrum für Musik verstand. Die Aufnahmen entstanden 1997/98 im Studio selbst; die CD spielt 44:33, das Begleitheft umfasst vier Seiten.
