Michael von Biel, 1937 in Hamburg geboren, begann 1956 sein Musikstudium in Toronto, Wien und New York, wo er bei Morton Feldman lernte und mit John Cage in Kontakt kam, hielt sich in London auf, wo er Cornelius Cardew begegnete, und besuchte 1961 bis 1963 die Darmstädter Ferienkurse. Er gehörte zur Fluxus-Bewegung, spielte im Atelier von Mary Bauermeister, realisierte 1964 im Auftrag des WDR im elektronischen Studio „Fassung“ und studierte 1968/69 bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1970 hatte er seine erste Einzelausstellung, suchte den Kontakt zu Musikern der Gruppe CAN und nahm im Feedback Studio seine Cellomusiken auf; 1977 war er an der documenta VI beteiligt. Die Werkauswahl der CD lag bei Johannes Fritsch und dem Feedback Studio Verlag, der von Biels Kompositionen verlegt.
Das Gespräch im Begleitheft fand am 28. Februar 1971 im Feedback Studio statt, während man auf das Cello wartete. Von Biel spricht über verlorene Stücke und die verwirrende Zählung seiner Quartette, über rund zweihundert Zeichnungen, von denen er dreißig veröffentlicht habe, und über den Weg von als Kind gezeichneten Stadtplänen und Landkarten zur Landschaft. „Deutsche Landschaften“ sei keine Programmmusik, sondern „Konzeptkunst vielleicht“, eine ästhetische Vorstellung, wie sie hinter der Zeichnung einer Landschaft am Bodensee stehen könnte: Die Musik sei ein gedankliches, die Zeichnung ein ausgeführtes Konzept. Einen Fortschritt in der Musik gebe es nicht; für ihn persönlich wäre es einer, von der Musik wegzukommen.
„Deutsche Landschaften“ (1970) nahm Rolf Dammers im Sommer 1970 auf. Die erste Aufnahme des „Cellokonzerts“ (1971) am 28. Februar gelang nicht; gültig wurde erst die nächste, in der Nacht vom 4. zum 5. März 1971 von Johannes Fritsch aufgenommen. Dass ein Stück in zwei Aufführungen gleich klingt, schloss von Biel aus: Spiele er ein Stück vom 7. Februar erneut, werde er manches ändern, denn es sei nicht mehr die Gegenwart jenes Tages. Er lasse sich vom Moment der Aufführung stark beeinflussen und mache sich nie so viele Regeln, dass er nicht von Dingen profitieren könne, die von außen kommen.
Die Aufnahmen entstanden im Feedback Studio in Köln, dem unabhängigen, privaten elektronischen Studio, das Johannes Fritsch, Rolf Gehlhaar und David Johnson 1970 gegründet hatten. Die CD spielt 78:47; das Begleitheft umfasst 16 Seiten in Deutsch und Englisch, die Produktion wurde von der Kunststiftung NRW gefördert. Von Biels Kompositionen verlegt bis heute der Feedback Studio Verlag, der auch die Werkauswahl dieser Folge mitbestimmte.
