Johannes Fritsch, 1941 in Bensheim-Auerbach geboren, studierte in Köln unter anderem Viola und Komposition bei Bernd Alois Zimmermann, war von 1964 bis 1970 Mitglied des Stockhausen-Ensembles und gründete 1970 mit David Johnson und Rolf Gehlhaar das Feedback Studio, 1971 den Feedback Studio Verlag. Er veranstaltete die Hinterhausmusiken und die Weltmusik-Kongresse in Vlotho, gab die Feedback Papers und die CD-Reihe des Feedback Studios heraus, leitete von 1971 bis 1984 die Kompositionsklasse und das Seminar für Neue Musik an der Darmstädter Akademie für Tonkunst und war ab 1984 Professor für Komposition an der Kölner Musikhochschule. Die Werkauswahl für diese CD traf er selbst.
„Hochtöner“ (1974) wurde im Mai 1974 beim Festival Pro Musica Nova in Bremen uraufgeführt; die Besetzung mit den drei Musikern des Studios und die Live-Elektronik machen das Stück, so das Heft, zu einem typischen Beispiel der Arbeit des Feedback Studios in den siebziger Jahren. Obertönige Klänge wie Naturflageoletts und Whistle-Tones der Flöte stehen neben „Untertönen“, die ein von David Johnson gebauter Frequenzteiler aus einem hoch liegenden Grundton hörbar macht; die Ringmodulation zwischen Flöte und Viola liefert Summen- und Differenztöne. Hinzu kommen Selbstzitate, Zitate und Anklänge an die Musikgeschichte und an außereuropäische Musik. Da alle Instrumente verstärkt werden und sich mit Tonband und Synthesizer mischen, ist oft nicht zu erkennen, was live erklingt; die Figuren erscheinen wie im Traum als Fragmente in einem weiten, sich verwandelnden Klangraum. Die Aufnahme entstand 1975 im Feedback Studio.
Das „Trio 1977“ schrieb Fritsch im September 1977 in Alpbach in Tirol; noch im selben Jahr wurde es mit Jon English und Kevin Volans in Darmstadt uraufgeführt und danach auf Tourneen des Feedback Studios mehrfach gespielt. Über Mikrofone werden die Klänge von Viola und Posaune im VCS 3-Synthesizer miteinander ringmoduliert und dem Originalklang beigemischt; wenige charakteristische Gestalten verschränken sich mit einfachen, liedhaften Melodien. Die Aufnahme entstand 1977 im Feedback Studio. „RM ’96“ spielte das Wolpe-Trio am 30. September 1996 im Jubiläumskonzert des Feedback Studios in der Kölner Musikhochschule zum ersten Mal. Auch hier bestimmt die Ringmodulation, von Flöte und Cello, die Harmonik ruhiger, vielfach wiederholter und variierter melodischer Fragmente, die wie im „Trio 1977“ von wenigen expressiven Klanggestalten unterbrochen werden.
Die drei Trios umspannen zweiundzwanzig Jahre und zeigen dieselbe Arbeitsweise in drei Stadien: verstärkte Instrumente, Ringmodulation und eine Elektronik, die nicht als Effekt, sondern als Instrument mitspielt. Die CD spielt 45:24; das Begleitheft umfasst zwölf Seiten in Deutsch und Englisch, die Produktion wurde von der Kunststiftung NRW gefördert.
