Parallel zu den Choralphantasien wandte sich Reger zu Beginn seiner Weidener Jahre einer weiteren überlieferten Form zu: der Sonate. Die Schwierigkeit war ihm bewusst. Adalbert Lindner gegenüber nannte er die Übertragung der alten Klaviersonatenform auf die Orgel unmöglich, und seinem frühen Interpreten Arthur Egidi schrieb er: Erschrecken Sie nicht über den Titel „Sonate“; es ist keine Sonatenform. Der Titel ist hier nur Kollektivtitel. Wie Josef Rheinberger unterbricht Reger die Phantasie-Fugen-Anlage durch ein Intermezzo, das im Stil eines Liedes ohne Worte beginnt, sich in der Mitte zu gewaltigen Ausbrüchen steigert und zum Lied zurückkehrt; die Sätze sind motivisch verknüpft, das Seitenthema des Kopfsatzes kehrt als Bass dieses Ausbruchs wieder.
Den Schlusssatz bildet, wie schon in der ersten Suite in e-Moll op. 16, eine Passacaglia. Die Stichvorlage trägt den Vermerk Weiden, 3. März 1899; gewidmet ist die Sonate dem Liszt-Schüler Alexander Wilhelm Gottschalg. Ein Exemplar ging an Rheinberger, mit der Bitte um gütige Durchsicht dieses meines neuesten Verbrechens gegen Harmonie und Kontrapunkt. Dass das Werk schwer zugänglich sei, räumte Reger selbst ein: Das Werk ist sehr schwer richtig „genießbar“ zu machen. Nach der Uraufführung am 8. April 1899 komponierte er für Karl Straube fünf weitere Passacaglia-Variationen, die nicht in den Druck gelangten, die Form aber abrunden — diese Einspielung berücksichtigt sie.
Die Monologe, zwölf Stücke für Orgel op. 63 von 1902, entstanden in einer besonderen Zeit: Reger hatte Elsa von Bagenski nach langem Werben von einer Heirat überzeugt. Sie schrieb ihm, um seinen labilen Zustand wissend: Aber Max, werde ich denn wirklich und auf die Dauer die trüben Stimmungen aus Deiner Seele scheuchen können? Anders als die gleichzeitigen Sammlungen von Charakterstücken tragen diese zwölf Stücke einen gemeinsamen Titel — Abbilder seines bewegten inneren Lebens. Der Verlag warb mit der Behauptung, die Werke stellten an die Technik des Spielers keine Anforderungen; tatsächlich gehen sie in Länge, Anspruch und Komplexität weit darüber hinaus.
Vol. 14 versammelt die ersten beiden Hefte: Präludium, Fuge, Canzone und Capriccio, dann Introduction, Passacaglia, Ave Maria und Fantasie. Introduction und Passacaglia wurden von Spielern und Publikum begeistert aufgenommen; Karl Straube setzte sie auf das Programm eines seiner Antrittskonzerte in der Leipziger Thomaskirche. Über die Heidelberger Aufführung schrieb Fritz Stein: Ein Stück, dessen Wucht erschüttert, dessen tiefe Tragik Schrecken und Zittern erregt.
Aufgenommen wurde im Januar 2016 an der Wilhelm-Sauer-Orgel des Berliner Doms, einem Instrument aus Regers eigener Zeit. Die Gesamtedition wurde für die International Classical Music Awards nominiert.
