Choralgebundene Miniaturen und freie Charakterstücke bestimmen die fünfte Folge der Max Reger Edition. Sie verbindet die 13 Choralvorspiele op. 79b mit den beiden vollständigen Heften der Zwölf Stücke op. 59. Martin Schmeding spielt die 25 Stücke an der Wilhelm-Sauer-Orgel von 1908 in der Erlöserkirche Bad Homburg. In der Abfolge wechseln liturgische Bezüge, kontrapunktische Arbeit und Formen, die auch in der romantischen Klaviermusik zu Hause sind.
Die Kompositionen für Orgel op. 79b entstanden zwischen 1901 und 1904. Die Sammlung führt überwiegend Choralvorspiele zusammen, die zuvor einzeln für kirchliche Gebrauchssammlungen geschrieben worden waren. Ihr Ausgangspunkt sind Melodien des vertrauten Kirchenliedrepertoires. Reger behandelt sie in unterschiedlichen Satzarten: Kurze Fugati und kanonische Verflechtungen stehen neben Durchführungen der Melodie im Sopran, Tenor oder Bass. An barocke Vorbilder anknüpfend, rückt er die Beziehungen zwischen einer führenden Chorallinie und ihren Begleitstimmen in den Mittelpunkt.
Ach Gott, verlass mich nicht eröffnet die Folge, Warum sollt ich mich denn grämen beschließt sie. Dazwischen finden sich Ein‘ feste Burg ist unser Gott, Morgenglanz der Ewigkeit und Nun danket alle Gott ebenso wie Choräle über Tod und Auferstehung. Zwei Melodien begegnen sogar jeweils zweimal: Mit Fried und Freud ich fahr dahin und Herr, nun selbst den Wagen halt. Der geringe Umfang der einzelnen Stücke macht Unterschiede in Stimmführung und Anlage besonders gut vergleichbar.
Die Zwölf Stücke op. 59 von 1901 öffnen ein weiteres Feld. Im ersten Heft rahmen Präludium und Fuge eine Folge aus Pastorale, Intermezzo, Canon und Toccata. Historische Formen und romantische Charaktere wechseln einander ab. Auf die Toccata in d-Moll folgt die Fuge in D-Dur, deren Verlauf auf eine Steigerung von Dynamik und Tempo zielt. Das zweite Heft beginnt mit Kyrie eleison, Gloria in excelsis und Benedictus; nach Capriccio und Melodia steht das Te Deum am Schluss. Die liturgischen Titel verbinden sich so mit einem breiten Spektrum freier Orgelstücke.
Wiederkehrend ist in diesen kleineren Formen die dreiteilige Anlage: Ein kontrastierender Mittelteil verändert den musikalischen Blickwinkel, bevor der Beginn in abgewandelter Gestalt zurückkehrt. Innerhalb der überschaubaren Dimensionen bleibt Raum für verschiedene Bewegungsarten, kantable Linien und ausgearbeitete Mehrstimmigkeit. Pastorale, Intermezzo, Capriccio und Melodia stehen dem romantischen Klaviercharakterstück auch in ihrer Anlage nahe.
Die Sauer-Orgel bietet dafür Register wie Konzertflöte, Aeoline und Oboe sowie zahlreiche weitere Flöten-, Streicher- und Zungenfarben. Eine Besonderheit ist ihr Fernwerk: Über einen langen Schallkanal gelangt dessen Klang von oberhalb der Orgel bis in den Altarraum. Die DSD-Aufnahme hält das Instrument in seinem Kirchenraum in Stereo, 5.1-Surround und 3D-Binaural-Stereo fest; die Kunstkopfversion ist für Kopfhörer bestimmt.
