Nach Stationen in Montserrat und Lérida kam Soler 1752 an den spanischen Hof nach El Escorial, trat in den Hieronymitenorden ein, legte 1753 das Gelübde ab und wurde 1757 Kapellmeister und Organist des Klosters. Dort begegnete er Domenico Scarlatti, dessen mehr als 550 Cembalosonaten er 144 eigene an die Seite stellte. Sein Stil ist dem Scarlattis eng verwandt: in der Wiederkehr musikalischer Elemente, in der durch Wiederholungen gegliederten Form und im Rückgriff auf spanische Volksmusik, die auch in den Conciertos hier und da anklingt.
Einzige Quelle ist eine Abschrift im Archiv von El Escorial mit dem Titel „Seis Conciertos de dos Organos Obligados … para la diversion del SSmo. Infante de Espana Dn. Gabriel de Bourbon“; ein zweites Heft für den anderen Spieler, vielleicht Solers eigenes, ist verloren. Außer dem dreisätzigen Concierto Nr. 2 in a-Moll haben alle Conciertos zwei Sätze: Auf ein Andante oder Allegro folgt ein Minué mit Variationen in der spanischen Tradition der Diferencias, und ein festlicher Satz in D-Dur beschließt den Zyklus. Form und Inhalt sprechen für Unterhaltungsmusik in einem Saal des Klosters; der Tonumfang ließe an zwei große Cembali denken, die wenigen Registrierangaben dagegen an eine Doppelorgel oder zwei Kabinettorgeln.
Da solche Instrumente nicht erhalten sind, wählten die beiden Organisten die Zwillingsorgeln der Catedral Metropolitana, nach Jürgen Essl die größten erhaltenen Barockorgeln Mexikos. Jorge de Sesma erlebte die Fertigstellung seiner Epistel-Orgel 1695 nicht mehr; Joseph Francisco Nassarre Cimorra, der aus Zaragoza stammte und dort wohl in der Werkstatt von Sesmas Halbbruder Francisco gearbeitet hatte, reparierte sie um 1734, errichtete 1735 die Evangelien-Orgel und baute die ältere 1736 zur Zwillingsorgel um. Echowerke mit kleinen originalen Schwellern, in den Chorraum ragende Rückpositive, eine Fülle horizontaler Zungen und eine modifizierte mitteltönige Stimmung prägen den Klang; durch Kombination von Registern entstehen an jeder Orgel sechs Cornets.
Wegen der großen Entfernung zwischen den Instrumenten gingen Essl und Joseph pragmatisch mit der Partitur um: Sie spielten nicht alle synchron notierten Stellen zu zweit und fügten auch in Tutti-Abschnitten Wechsel ein, damit der Dialog hörbar wird. Die Aufnahmen entstanden vom 6. bis 8. Mai 2018 in abendlichen Sitzungen; aus demselben Aufenthalt gingen auch ihre Improvisationen für zwei Orgeln hervor. Jürgen Essl wurde 2003 Professor an der Stuttgarter Musikhochschule, wo Jeremy Joseph bei ihm studierte; Joseph, 1999 Gewinner des Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbs, ist Organist der Wiener Hofburgkapelle.
