Die Meditations for a lent sind das Ergebnis einer Untersuchung, die Willem Tanke von 2004 bis 2006 für die World Music Research Group von Codarts, University of Professional Arts Education, durchführte. Sie hing mit seiner Arbeit als Leiter der Abteilung für Theorie und Professor für Improvisation am Rotterdamer Konservatorium zusammen; die zwölf Stücke entstanden mit Blick auf das Seminar „Orgelmusik des 21. Jahrhunderts“, das Codarts 2007 organisierte.
Ausgangspunkt war das Orgelspiel Johann Sebastian Bachs, der nach der Beschreibung eines Zeitgenossen mit sehr sparsam eingesetzten Bewegungen der Hände und Füße einen außerordentlich kraftvollen musikalischen Ausdruck erreichte. Daraus entwarf Tanke ein Bild vom idealen Orgelspiel und eine Haltung zum Musikersein, die er später The Art of Doing Nothing nannte — die Kunst, nichts zu tun. Mit einem Seitenblick auf die großen Komponisten, die auch als Improvisatoren an der Orgel bekannt waren, neben Bach also Sweelinck und Messiaen, zielt sie darauf, die mentalen und physischen Bedingungen des Musikerseins zu verbessern, indem Aufführung, Improvisation und Komposition ins Gleichgewicht kommen.
Zur Einführung diente den Studenten ein Text, der zugleich die Entstehung dieser zwölf Stücke beschreibt: Am Anfang ist Stille. Sie verhilft zu einer guten Aufführungshaltung — einem ruhigen, konzentrierten Verstand, einem entspannten Körper und einem stetigen Atem aus dem tiefen Bauchraum. Dieser Haltung entspringt aus der Improvisation eine verwendbare musikalische Idee, eine „Erfindung“; eine zweite kann hinzukommen, um Kontrast herzustellen oder die Struktur zu stärken. Über das mehrfache Spiel der Skizzen kristallisiert sich die Improvisation zu einer Komposition — ein Prozess, der Tage, Wochen, Monate oder Jahre dauern kann und an dessen Ende ein Stück vollständig auskomponiert sein oder weiterhin Improvisation zulassen mag.
Die Orgel der St. Willibrorduskerk ist ziemlich klein, hat aber einen feinen und zugleich sehr intensiven Klang; alle Stücke sind so angelegt, dass sie ohne Registrant zu spielen sind. In der ersten Meditation blockieren Gewichte auf dem Positiv zwei Tasten und das halb geöffnete Salicional 8’ erzeugt einen tiefen Bass, während die linke Hand die Flûte Harmonique 4’ als variables Ostinato führt und die rechte eine Rubato-Melodie spielt, die im tiefen Register beginnt, im Diskant aufblüht und in abwärtslaufenden Melodien verebbt. Die vierte Meditation nimmt den melodischen Umriss des gregorianischen Gesangs Justus es Domine zum Ausgangspunkt dreier Variationen; die kleine Sexte des Liedes ist zur großen erweitert, was ihm eine archaischere Note gibt. In zwei der zwölf Stücke spielt Tanke zusätzlich Schlaginstrumente.
Aufgenommen wurde am 6. und 7. Juli 2002 in der St. Willibrorduskerk in Berkel-Enschot, in 24 bit und 44,1 kHz. Die Hybrid-SACD spielt 54:55 und enthält neben der Stereo- eine 5.1-Surround-Ebene; das Begleitheft umfasst 24 Seiten in Deutsch und Englisch.
