Philip Glass’ Concerto for Saxophone Quartet entstand im Auftrag des Raschèr Saxophone Quartet und des Schleswig-Holstein Musik Festivals und wurde am 1. September 1995 in Stockholm uraufgeführt. Auf Wunsch der Auftraggeber schrieb Glass eine Fassung mit Orchester und eine für die vier Saxophone allein; die Quartettfassung hielt er für die weitaus schwierigere, weil die vier Spieler jede Note selbst übernehmen müssen, auch jene, die sonst das Orchester spielt. Jeder der vier Sätze rückt ein Instrument mit seinem Klangspektrum in den Mittelpunkt, und in der dichten Kammerfassung sind Anklänge an Bachs Brandenburgische Konzerte unüberhörbar. Lyrische, kontrapunktische und rhythmische Schreibweisen verbindet Glass dabei mit seinen minimalistischen Patterns.
Frank Reinshagen, Saxophonist und Jazzkomponist aus dem Saarland, erhielt 2004 den erstmals vergebenen WDR Jazz Preis; zur Zeit der Veröffentlichung leitete er das Cologne Contemporary Jazz Orchestra und lehrte an der Kölner Musikhochschule. „The Invitation“ (2002), eigens für Tetraphonics komponiert, geht auf das gleichnamige Gedicht der kanadischen Autorin Oriah Mountain Dreamer zurück, 1999 als Teil eines größeren Essays erschienen: eine Folge von Fragen, die mit „Ich will wissen …“ beginnen und nach Schmerz, Freude und Scheitern fragen. Über das Anliegen seines Stücks schweigt Reinshagen lieber und verweist auf weitere Texte der Autorin.
Barbara Thompson, britische Jazzsaxophonistin, gründete 1977 die Gruppe Paraphernalia und wirkte an Andrew Lloyd Webbers „Cats“ und „Starlight Express“ mit. Als sie sich 2001 aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend vom Konzertleben zurückziehen musste, entstanden drei Saxophonquartette für das Apollo Saxophone Quartet. Im Saxophone Quartet No. 2 „From darkness into light“, 2002 in London uraufgeführt, gibt es keine improvisatorischen Freiheiten: Sechs nach Farben benannte Sätze führen von Schwarz zu Weiß, vom Dunkel ins Licht. Im zweiten Satz verlangt Thompson „urtümliche Aufschreie“, der Schluss ist ein ruhiger Choral für vier Sopransaxophone, der wie Frauenstimmen klingen soll.
Zdenek Lukas widmete sein Rondo per 4 sassofoni 1970 dem Saxophonisten Sigurd Raschèr. Das getragene, nachdenkliche Stück verrät mit seinen melodischen Wendungen und harmonischen Färbungen den Einfluss der Volksmusik; Lukas leitete zwanzig Jahre lang einen Chor in Pilsen. Als Zugabe folgt die Fuge Nr. 20 in a-Moll à 4 voci BWV 865 aus dem Wohltemperierten Klavier Band I. Tetraphonics wurde 1994 gegründet und hat zahlreiche ihm gewidmete Werke uraufgeführt, unter anderem von Michael Denhoff und Stefan Thomas; im Jahr 2000 wurde das Quartett geschlossen in das neu gegründete Raschèr Saxophone Orchestra berufen. Es spielen Steffen Haß (Sopransaxophon), Elmar Frey (Altsaxophon), Volker Ax (Tenorsaxophon) und Richmond Mays (Baritonsaxophon); die Aufnahmen entstanden im Herbst 2005 im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks in Köln.
