Sergej Protopopov

Komponist / Musiktheoretiker

1893 in Moskau geboren und dort am 14. Dezember 1954 gestorben; Sergej Protopopov studierte von 1913 bis 1917 Medizin an der Moskauer Universität und von 1918 bis 1921 Komposition bei Boleslaw Jaworski am Kiewer Konservatorium. Er arbeitete als Chorleiter und lehrte von 1938 bis 1943 am Moskauer Konservatorium. Jaworskis Theorie des modalen Rhythmus prägte seine theoretischen Überlegungen und seine Kompositionen; 1930 erschien seine Schrift über die Elemente der musikalischen Sprache. In den 1920er Jahren stand er der ASM nahe, die ab 1923 als sowjetische Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik wirkte; diese Verbindung begünstigte den Druck seiner Werke bei der Wiener Universal Edition. Von 1934 bis 1936 war er in Arbeitslagern interniert; danach komponierte er kaum noch. Nach Jaworskis Tod 1942 wurde ihm dessen Nachlass anvertraut. Im Zentrum seines schmalen Werks stehen die drei Klaviersonaten der 1920er Jahre, daneben schrieb er Lieder, Cellosonaten, Orchesterstücke und eine Oper. Im Cybele-Katalog ist seine Musik auf drei Alben vertreten, die alle zur Reihe Klavierwerke um den Russischen Futurismus gehören: Thomas Günther spielte sie am Steinway-D-Konzertflügel ein. Vol. 1 (2009) entstand im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks in Köln als Co-Produktion mit dem Sender und stellt ihn neben Obuchov und Wyschnegradsky. Vol. 2 (2014) verbindet ihn mit Arthur Vincent Lourié, Vol. 4 (2016) mit Skrjabin, Strawinsky, Roslavets und Obuchov. Die Reihe erhielt den ECHO Klassik 2017 für die solistische Einspielung des 20./21. Jahrhunderts und war 2016 für den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik nominiert.