Die DEGEM wurde am 26. April 1991 als „DecimE“, deutsche Sektion der Confédération Internationale de Musique Electroacoustique (CIME), gegründet und ist Mitglied im Deutschen Musikrat und in der Gesellschaft für Neue Musik. Sie veranstaltet Fachtagungen, Kurse und Konzerte, fördert den internationalen Austausch und gibt Publikationen und Tonträger heraus. Werkauswahl und Produktion dieser CD lagen bei Andre Bartetzki.
Friedhelm H. Hartmanns „Sirenes“ (1995) gehört zu seinem siebenteiligen Zyklus „Portraits of a woman“, der fast ganz auf wenigen Samples einer Frauenstimme beruht, Sprechen, Schreien, Murmeln, Lachen. Ein dreistimmiges Stimmgewebe schweift mit verführerischer Quintharmonik zu sirenenhafter Gesanglichkeit aus; der elektronische Rahmen bildet den sachlichen Gegenpol, bis das anfängliche Studio-Feedback am Schluss zum bekannten Sirenenton wird. Zu Ralf R. Ollertz’ „Unacrès“ (1996) gibt das Heft ein Gedicht von Toula Limnaios wieder. Jutta Ravennas „LeiseLaute“ (1994) ist ein interaktives Klangobjekt: Extrem leise, hochfrequente Insektenlaute sind in einem Baumstamm versteckt, und ein Sensor setzt den Abstand der Besucher in Klang um; nähert man sich, verdichten sich die Laute, um kurz vor der Berührung zu verstummen.
Das Zuspielband von Helmut Zapfs „Canto del Aria“ (1996) besteht ausschließlich aus Oboenklängen, die mit Csound gefiltert, verzögert, ringmoduliert und verhallt wurden; der Bogen reicht vom bloßen Luftgeräusch über zarte Melodiefloskeln bis zum aggressiven Fortissimo und zurück. Zapf schrieb das Stück für Kai Rapsch, dessen Part auf klangliche Mitverantwortung setzt. Harry-Ed Roland komponierte „Prayer Meeting: EO“ (1995), „essentially orchestrated“, im Herbst 1995 am EMS in Stockholm, fast ausschließlich aus veränderten Samples eigener analoger Aufnahmen; das Stück handelt vom beständigen Abtragen von Schichten und ist dem Andenken des Tänzers Keith Glancy gewidmet.
Martin Supper entwickelte das Konzept von „DH2“ (1985) bei einem Sommerkurs von Iannis Xenakis in Delphi; der Titel verweist auf den Mathematiker David Hilbert. Da einzelne Parameter variabel sind, entstehen Fassungen zwischen 12 und 18 Minuten; die 1988 im Berliner Studio CUE aufgenommene Realisation wurde für die Weltmusiktage 1990 in Oslo ausgewählt und für diese CD gekürzt. Günter Heinz verband in „Changes“ (1996), entstanden im Studio der Akademie der Künste Berlin im Projekt VORTEX, Klänge aus Berlin mit denen seiner Posaune. Gerhard Behles stellt „Silicea“ (1994) Zeilen aus einer „Materia Medica“ über überreizte Sinne voran. Für „Südlich von Alexandreia“ (1995) nahm Lutz Glandien Klänge von Sistrum und Rabab und fremdartige Stimmen auf; zum Tonband spielt der Berliner Klarinettist Jürgen Kupke.
