Die Produktion ist ein Experiment im Sinne von „etwas Neues wagen“: Statt auf einer Traversflöte, wie die Komponisten es vorsahen, sind die Sonaten Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bachs hier auf einer Blockflöte eingespielt. Zwar war das Instrument zur Entstehungszeit dieser Werke in Gebrauch, doch spielte es nie eine so bedeutende solistische Rolle, dass Bach eine anspruchsvolle Sonate dafür geschrieben hätte — obgleich in seinen Kantaten teilweise recht schwierige Blockflötenpassagen vorkommen. Mit der Zeit erhielt die Traversflöte immer mehr den Vorzug vor der als ausdrucksärmer geltenden Blockflöte, und bis auf ein Gelegenheitswerk für Bassblockflöte, Viola und Basso continuo scheint sich C. Ph. E. Bach überhaupt nicht mehr für sie interessiert zu haben.
Seine Flötensonaten seien für heutige Blockflötenspieler dennoch hochinteressant, schreibt Jeremias Schwarzer: wundervolle Musik, die den ganzen Ausdrucksreichtum des Instruments heraufbeschwören möchte, auf dem sie zum Klingen — oder eher zum Singen — gebracht wird. Mit einer solchen Einspielung begibt man sich auf eine Gratwanderung zwischen der Besetzungsvorschrift der Komponisten und dem Wunsch, sich mit diesen Werken auf dem eigenen Instrument auseinanderzusetzen. Seine Erfahrung: Das Wesentliche dieser Musik — ihr Energieverlauf, ihre Struktur und die Beziehung zwischen den Musizierenden und dem Klang ihrer Instrumente — ist auch auf der Blockflöte mit einem Cembalo darstellbar, und umgekehrt erlebt der Spieler sein Instrument beim Versuch, diesen Forderungen zu genügen, als weit weniger begrenzt, als er selbst bis dahin angenommen hatte.
Den Gegenpol bilden im Konzept dieser CD die beiden Sonaten Händels, die Sonate in F-Dur HWV 369 und die Sonate in B-Dur HWV 377: typische Blockflötensonaten, in einem technischen Schwierigkeitsgrad komponiert, der kaum über den Standard des damaligen — und heutigen — Normalblockflötenspielers hinausgeht. Dennoch sind beide ein typisches Beispiel für Händels Phantasie und Ideenreichtum. Von Johann Sebastian Bach stehen die Sonate in e-Moll BWV 1034 und die große Sonate BWV 1030 auf dem Programm, letztere aus h-Moll nach c-Moll transponiert; von Carl Philipp Emanuel die Sonate in e-Moll Wq 124 mit ihrem Menuett und zwei Variationen und die dreisätzige Sonate in D-Dur Wq 83.
Aufgenommen wurde vom 19. bis 22. Juli 1997 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, an dessen historischen Tasteninstrumenten — darunter ein Querspinett — Egon Mihajlovic spielt. Die Instrumente klangen im Laufe der Produktionstage immer wieder anders, berichtet Schwarzer, und es sei beglückend gewesen zu erleben, wie sie ein Eigenleben entwickelten, das die Wahrnehmung der Musik vertiefte und bereicherte. Die CD spielt 72:29; das Begleitheft umfasst 32 Seiten in Deutsch, Englisch und Französisch.
