„Kyoto Bells“ (1994) entstand als Auftrag zur 1200-Jahr-Feier der Stadt Kyoto und wurde dort im Dezember 1994 uraufgeführt. Vier gesampelte Glöckchen, mit Sound Designer und Turbosynth weiterverarbeitet, liefern das Material; einzelne Impulse verdichten sich bis zu einem statischen Geräuschklang. Raumbewegungen gehören zur Komposition: Die acht Kanäle der mehrkanaligen Fassung bilden zwei unabhängige Bewegungsebenen mit Pendelbewegungen, Dopplereffekten und Rotationen. Wilfried Jentzsch, Schüler von Iannis Xenakis und Gründungsmitglied der DEGEM, leitet seit 1993 das Elektronische Studio der Dresdner Musikhochschule, in dem das Stück realisiert wurde. André Ruschkowskis „Nasoma“ (1996) beruht auf den Formteilen seines „Salzburgtrum“, einer sechzigminütigen Komposition aus Originalaufnahmen aus Salzburg, deren elektronischer Bearbeitung und Instrumentalklängen; zeitlich komprimiert und neu kombiniert, wurden sie im Computer analysiert und mit veränderten Eigenschaften wieder zusammengesetzt.
Heinz-Josef Florians „Hannah’s Tapesession IIa“ (1995) ist eine von mehreren Tapesessions nach Aufnahmen der Stimme seiner Tochter. Mit Csound und eigener Software, durch Resynthese und Stimmsynthese mit dem FOF-Algorithmus, wird die Stimme aus ihren Hüllkurven neu aufgebaut; im Original erklingt sie nur ganz am Schluss als kurzer Ausruf, und gerade die gesanglichsten Stellen sind rein synthetisch. Christian Banasik schrieb „Begegnung VI“ (1996) für Edwin Alexander Buchholz: Gesampelte Atemgeräusche und Klänge des Akkordeons werden während der Aufführung von einem Rechner vierkanalig gesteuert, die Tonhöhenmuster berechnete Banasik mit einem eigenen Programm aus abstrakten Formeln.
Für „XIX MIKADO 2“ (1998), den zweiten Teil eines radiophonen Hörstücks, reiste Johannes S. Sistermanns auf einer Konzerttournee rund 37 000 Kilometer nach Singapur, Australien und Japan. Den einen Satz, den er überall sprechen wollte, fand er nicht; stattdessen zählte und sang er Ziffern und Buchstaben in einem Taxi in Singapur, am Indischen Ozean und in einem Flugzeug über Nordindien, nahm Holzschläge im Tempel Tenryu-ji in Kyoto auf und ließ unterwegs Mikadostäbchen auf die verschiedensten Materialien fallen. Die Aufnahme entstand beim Saarländischen Rundfunk.
Matthias Kirschke formte „Masae“ (1995) auf dem Macintosh mit Sound Designer II und ProTools III aus Klängen von Küchengeräten und Papier, die er stark verfremdete. Hans Tutschkus „extrémités lointaines“ (1998), ein Auftrag des französischen Kulturministeriums und der INA/GRM, verarbeitet Aufnahmen einer vierwöchigen Konzertreise des Goethe-Instituts im Sommer 1997 durch Singapur, Indonesien, die Philippinen und Thailand: Klänge der Großstädte, Musik aus Kirchen und Tempeln, Straßenmusik und Kindergesang. Die 15 Teile beschreiben unterschiedliche Orte und Atmosphären; die CD enthält eine gekürzte Fassung.
