Cybele 160401 2003

DSD Stereo Surround Klassik Neue Musik Klassische Moderne Zeitgenössische Musik 32:55

Zur Beschreibung

Die Klaviermusik von Juan Allende-Blin

Mitwirkende

Thomas GüntherKlavier

Komponist:in

Juan Allende-Blin

Kurzbeschreibung

Thomas Günther spielt die Klaviermusik von Juan Allende-Blin (* 1928): die bis dahin unveröffentlichte Sonatine von 1949/50, die der Komponist selbst als Jugendarbeit bezeichnet, das knappe Transformations IV von 1960, die siebzehnminütige Zeitspanne von 1974 und, gemeinsam mit dem Komponisten, das Dialogue für zwei Spieler von 1983 — ein Zwiegespräch zwischen Tastatur und Saiten. Thomas Günther – Steinway-D-Konzertflügel; Juan Allende-Blin – Klaviersaiten.

Details

Trägerformat
Hybrid-SACD

Auflösung
DSD64 / 2.8224 MHz 1 bit

Gesamtspielzeit
56:58

Kanäle
Stereo, 5.1 Surround

Instrumente
Steinway-D-Konzertflügel, Klaviersaiten (Dialogue)

Aufnahme
5. und 6. Mai 2003, Sendesaal des Funkhauses Köln

Begleitheft
Deutsch und Englisch, 36 Seiten

Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas

Eine Koproduktion mit dem DeutschlandRadio, gefördert durch die Kunststiftung NRW

Pressestimmen

Angaben

Katalognummer
Cybele 160401
Erscheinungsjahr
2003
Genre
Klassik, Neue Musik
Epoche
Klassische Moderne, Zeitgenössische Musik
Besetzung
Klavier
Label
Cybele Records
Barcode
809548008628
GTIN
4068992489414
Booklet (Seiten)
36

Tracklisting

6 Titel · 32:55

  1. 01 Transformations IV (1960) Komponist:in: Juan Allende-Blin (* 1928) Interpret:in: Thomas Günther 2:04
  2. 02 Sonatine (1949-50) – 1. Satz Komponist:in: Juan Allende-Blin (* 1928) Interpret:in: Thomas Günther 2:27
  3. 03 Sonatine (1949-50) – 2. Satz Komponist:in: Juan Allende-Blin (* 1928) Interpret:in: Thomas Günther 2:32
  4. 04 Sonatine (1949-50) – 3. Satz Komponist:in: Juan Allende-Blin (* 1928) Interpret:in: Thomas Günther 2:19
  5. 05 Zeitspanne (1974) Komponist:in: Juan Allende-Blin (* 1928) Interpret:in: Thomas Günther 17:51
  6. 06 Dialogue (1983) für 2 Spieler Komponist:in: Juan Allende-Blin (* 1928) Interpreten: Thomas Günther, Juan Allende-Blin 5:42

Beschreibung

Thomas Günther lernte Juan Allende-Blin zunächst als Vermittler kennen: als jemanden, der ihm großartige, teils vergessene und nie gespielte Werke nahebrachte — nicht nur die der russischen Futuristen. Erst später kam ihm der Komponist Allende-Blin zu Bewusstsein. Zu dessen 60. Geburtstag spielte er in Essen Transformations IV neben Widmungskompositionen von John Cage und Dieter Schnebel; im selben Jahr schenkte ihm Allende-Blin die Partitur der Zeitspanne.

Wie stark dessen Affinität zum Klavier ist, wurde Günther klar, als er ihn Ende der 1980er Jahre als Interpreten seines eigenen Trios Silences interrompus für Klarinette, Kontrabass und Klavier erlebte: auffallend die scheinbare Mühelosigkeit des Zugangs, zarte und perkussive Tonfolgen, Cluster, Glissandi und Glockenklänge, die sich glitzernd und schwerelos von den beiden anderen Instrumenten abhoben. Allende-Blin versteht sich nicht als Pianist, hat aber eine solide Ausbildung genossen, unter anderem bei dem Busoni-Schüler Theodor Kaufmann in Hamburg. Seine Klavierstimmen zeugen von profunder Kenntnis des Instruments, seiner Technik und besonders seiner klanglichen Möglichkeiten: Grenzen werden respektiert, ausgelotet, gelegentlich überschritten.

Das Programm spannt einen weiten Bogen. Die Sonatine von 1949/50, die der Komponist selbst als Jugendarbeit bezeichnet, erscheint hier erstmals; Transformations IV von 1960 steht am Beginn seiner eigenen Sprache. Die Zeitspanne von 1974 ist mit fast achtzehn Minuten das große Stück des Albums, und im Dialogue von 1983 für zwei Spieler tritt der Komponist selbst hinzu: Er bearbeitet die Saiten des Flügels, während Thomas Günther an der Klaviatur sitzt.

Die dreisätzige Sonatine — schnell, langsam, schnell — greift mit Titel und Satzfolge bewusst eine Tradition auf; Günther denkt an die Sonatinen Regers, Busonis und besonders Ravels. Beim Aufschlagen der Partitur fühlte er sich an späte Stücke Skrjabins erinnert, etwa die Préludes op. 74: Wie bei dessen „Technik des Klangzentrums“ ist das Tonmaterial durch wenige rhythmische und intervallische Zellen determiniert. Allende-Blin beruft sich dabei auf César Francks „forme cyclique“, die er — auch unter dem Eindruck von René Leibowitz’ Introduction à la musique de douze sons — zum chromatischen Total erweiterte. Das Streben geht auf Nichtwiederholung von Intervallen, ähnlich der Nichtwiederholung von Tönen in der Zwölftontechnik.

In der Zeitspanne bekommen Pausen, Stille und Klangereignisse am Rande der Stille großes Gewicht: Zwanzig, vierundzwanzig, zweiunddreißig, manchmal vierzig Sekunden lang lässt sich das Schicksal eines Klanges verfolgen, seine Veränderung und sein Ersterben. Hinzu kommen die durch stumm gedrückte Tasten erzeugten Resonanzen, Flageoletts und geräuschhaften Cluster — eine sphärische Klanglichkeit, die der Komponist an anderer Stelle sons brisés nennt. Im Dialogue steigert sich dieses Ausweiten des Klavierklangs weiter. Statt den Flügel zu präparieren oder den Pianisten selbst im Inneren agieren zu lassen, zog Allende-Blin einen zweiten Spieler hinzu: Aus dem Nebeneinander zweier Formen der Tonerzeugung wird ein Miteinander, auch zweier Individualitäten. Eine Tempovorschrift fehlt; auffallend ist, dass Töne, Akkorde und arpeggierte Klänge oft wiederholt werden, bis zu elf Mal hintereinander — ein Insistieren, das große Spannung erzeugt.

Die Aufnahme entstand am 5. und 6. Mai 2003 im Sendesaal des Funkhauses Köln, produziert von Wolf Werth für das DeutschlandRadio, mit Unterstützung der Kunststiftung NRW.