Johannes Fritsch und Rolf Gehlhaar gehörten bis 1970 dem Stockhausen-Ensemble an; wie David Johnson waren beide 1970 bei der Weltausstellung in Osaka. Im selben Jahr gründeten die drei das Feedback Studio Köln, 1971 den Feedback Studio Verlag, laut Begleitheft der erste deutsche Komponistenverlag. Die Feedback-Komponisten spielten in Museen, Galerien und auf Festivals, mit Klanginstallationen, Kompositionen und Improvisationen, die zumeist in den Feedback Papers dokumentiert sind; Fritsch veranstaltete zudem die Hinterhausmusiken. Alle Komponisten des Samplers werden vom Feedback Studio Verlag verlegt. Premastering und Gestaltung lagen bei Fritsch und Herbert A. Mitschke vom Kölner Studio HerMit; die Ausschnitte stammen meist aus deutlich längeren Werken.
Die Anfänge dokumentiert eine Improvisation der drei Gründer, 1972 ohne Publikum für eine Selbstporträtsendung von Radio Zürich aufgenommen: Johnson spielt Flöte und Synthesizer, Fritsch Viola mit Kontaktmikrofon, Gehlhaar Superstring und Schlagzeug. Michael von Biel, der später bei Joseph Beuys studierte und seither vorwiegend bildnerisch arbeitet, spielte sein „Cellokonzert“ (1971) im März 1971 selbst im Feedback Studio ein. Peter Eötvös verarbeitete in „Feuermusik“ (1972) Drehleierklänge, Silvio Foretic schrieb „Interludium“ (1971) als Synthesizerkomposition in barocker Technik, und David Johnsons „Ton – Antiton“ (1968) zeugt von der Öffnung der elektronischen Musik für „fremde“ und historische Materialien. In „Pulse Music I“ (1975-76) übertrug John McGuire erstmals seine minimalistische Technik auf elektronische Klänge: Spannungsgesteuerte Synthesizer stellen Muster exakt dar, die in früheren Werken noch Musiker spielen mussten.
Von Johannes Fritsch erklingt „Violectra“ (1971) für Viola d’amore und Synthesizer in der zweiten Version, die er nach der Uraufführung beim Saarländischen Rundfunk mit Johnson im Feedback Studio aufnahm; ab 1973 spielte Fritsch das Stück immer wieder solistisch, in Westeuropa, der UdSSR, Japan und den USA. „Hochtöner“ (1974), ein Auftrag von Radio Bremen, stammt aus einer Hinterhausmusik mit den drei Gründern. Nach dem Weggang von Johnson und Gehlhaar arbeitete Fritsch mit vielen Musikern der Kölner Szene; das „Trio“ (1977) für Viola, Posaune und Klavier mit Ringmodulator mit Jon English und Kevin Volans nahm der Hessische Rundfunk bei einem Gastkonzert in der Darmstädter Orangerie auf.
Rolf Gehlhaars „Swallowtails“ (1992) ist der Mittelteil einer Performance mit verstärkten Becken im KLANG=RAUM, seinem 1984 entwickelten interaktiven, computergesteuerten Environment. Das „Trio“ (1993) für Stahlsaite, Baumstamm und Motorsirenen spielten Volker Staub und Fritsch zur Eröffnung einer Francis-Bacon-Ausstellung in der Kölner Kunststation St. Peter. Clarence Barlows „Pandora“ (1989) für Klavier, ursprünglich Schlusssatz eines Orchesterstücks, führt nach „simplistischem“ Beginn über Tangorhythmen in einen von Kontrasten geprägten Kern; realisiert hat es Michael Manion mit dem Sampler. Siegfried Koepfs „Ohne Titel“ (1992) für Orgel ist der Mitschnitt der Uraufführung in der Kölner Musikhochschule, Manions „Music for Cello and Electronic Sound“ (1991) ein Konzertmitschnitt mit Stephen Harrison. Herbert A. Mitschke gestaltet in „Vaterkomm“ (1991) Ernst Jandls Gedicht „vater komm“ als Kammertheater; für „Pendulum“ (1996) mit Sabine Kallhammer (Sopran) und Bruno Tendera (Sprecher) nahm er zerbrechendes Glas auf und verwandelte die Klänge am Computer.
