Anfang 2009 stieß das Team der Hörbuchreihe Wort&Musik auf den österreichischen Schriftsteller Gert Jonke und seine Erzählung „Der Kopf des Georg Friedrich Händel“ (1988). Jonke hatte einige seiner schönsten Texte über Komponisten geschrieben, und viele seiner Arbeiten tragen Titel von Musikstücken, von „Schule der Geläufigkeit“ bis „Chorfantasie“. Es lag nahe, ihn als Sprecher seines eigenen Textes zu gewinnen. Erst am 19. Januar 2009 erfuhr man von seinem Salzburger Verlag Jung und Jung, dass Jonke am 4. Januar im Alter von 62 Jahren gestorben war. Aus dem geplanten Hörbuch mit Jonke wurde eines zu seinen Ehren, erschienen im 250. Todesjahr Händels.
Die Erzählung setzt an einem 13. April ein und springt zweiundzwanzig Jahre zurück zu dem Schlaganfall, nach dem Händel monatelang nur in der linken Hälfte seines Körpers lebte. Von dort aus folgt sie dem Leben des Komponisten und Opernunternehmers in London – den Mäzenen und den Kastraten, der „Beggar’s Opera“ von John Gay, die Händels Opernstil parodierte, und schließlich dem Messiah, der am 13. April 1742 in Dublin erstmals erklang. Jonke erzählt in langen, kunstvoll verschachtelten Sätzen, in denen die Sprache selbst zu Musik wird.
Die Musik wurde größtenteils eigens für diese Produktion aufgenommen. Jörg Waschinski singt, teils a cappella, teils mit Martin Schmeding an der Orgel, Arien wie „I know that my Redeemer liveth“ aus dem Messiah und die Sterbearie des Aci „Verso gia l’alma col sangue“. Schmeding spielt an der großen Gottfried-Silbermann-Orgel von 1755 in der Kathedrale Dresden Ausschnitte aus Israel in Egypt, der Suite Nr. 7 in g-Moll und den Orgelkonzerten in F-Dur HWV 292 und 293 sowie das Choralvorspiel „Jesu, meine Freude“. Das Ensemble Concert Royal Köln spielt auf historischen Instrumenten Sätze aus der Feuerwerks- und der Wassermusik; hinzu kommen Arien und Chöre aus dem Pasticcio Giove in Argo mit Benoît Haller, Raimonds Spogis und dem Kammerchor Würzburg.
Ulrich Tukur, Schauspieler und Musiker, sprach die Erzählung am 5. August 2009 in Montepiano in den toskanischen Bergen, abseits aller Nebengeräusche. Die Wortregie lag bei Mirjam Wiesemann und Ingo Schmidt-Lucas. Das Hörbuch erschien 2009 in der Hörbuchreihe Wort&Musik; das Projekt wurde von der Kunststiftung NRW gefördert. Gelesen wird die ungekürzte Fassung der 2006 bei Jung und Jung erschienenen Erzählung; die Musik entstand in der Kathedrale Dresden, in der Neanderkirche Düsseldorf und in St. Pantaleon in Köln. Die Hybrid-SACD spielt 50:53 und enthält neben der Stereo- eine 5.0-Surround-Ebene; das Begleitheft umfasst 44 Seiten.
