Die Musik des französischen 18. Jahrhunderts war nicht bloße Untermalung, sondern wichtiger Bestandteil der glanzvollen Feste und Aufführungen und ebenso der intimen Zusammenkünfte. Die Komponisten und Musiker gehörten nicht zur Gesellschaft, gestalteten aber deren Atmosphäre wesentlich mit. So begegnet man in dieser Musik auch ihrer Umgebung: kunstvoll, elegant, preziös, zum Teil hinter prachtvollen Verzierungen schwer fassbar, sinnlich unter der hochkultivierten Oberfläche und manchmal, trotz aller geschmackvollen Leichtigkeit, voller Wehmut.
Dass mehrere Stücke von der Liebe handeln, ist kein Zufall — sie war das Gesellschaftsspiel par excellence, reizvoll im Tändeln und Verführen, vor dem Hintergrund einer Verletzbarkeit, die niemand zeigte. Das Programm stellt die persönliche Auseinandersetzung der beiden Interpreten mit dieser Welt vor.
Jacques Martin Hotteterre „le Romain“ stammte aus einer berühmten Familie von Komponisten und Instrumentenbauern; bekannt ist vor allem sein um 1707 erschienenes Schulwerk Principes de la flûte, das die Spielweise von Traversflöte, Blockflöte und Oboe erläutert und wichtige Hinweise zur Verzierungskunst gibt. In seiner Suite in G-Dur trägt jeder Satz einen zusätzlichen Namen: La cascade de St. Cloud meint einen berühmten Treppenbrunnen, an dem die feine Gesellschaft spazieren ging, La Guimon vielleicht den Namen einer berühmten Schönheit.
Von François Couperin stehen Le Rossignol en amour, Le Petit Rien, die beiden Musetten de Choisi und de Taverni und das titelgebende Il Ritratto dell’amore auf dem Programm, von Jean-Philippe Rameau die Musette en rondeau und der Tambourin. Ihnen antworten das zwanzigste Jahrhundert und die Gegenwart: Albert Roussels Pipe in D Major, Francis Poulencs Villanelle, Darius Milhauds Exercice Musical und die Raga du Prince von Majoie Hajary aus dem Jahr 1996.
Die Aufnahme entstand im November 1998 im Meistersaal am Potsdamer Platz in Berlin, gefördert von der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die CD spielt 66:05; das Begleitheft umfasst Texte in Deutsch, Englisch und Französisch. Jeremias Schwarzer spielt mehrere Blockflöten, Egon Mihajlovic Cembalo und Harmonium — eine Kombination, die dem Programm zwischen historischer Aufführungspraxis und freierem Klangdenken seinen besonderen Reiz gibt. Den Rahmen bilden François Couperins Il Ritratto dell’amore mit seinen acht Charakterbildern und die Suite in G-Dur von Jacques Martin Hotteterre; dazwischen stehen Rameaus Musette und Tambourin und, als Brücke ins 20. Jahrhundert, Stücke von Albert Roussel, Francis Poulenc, Darius Milhaud und Majoie Hajarys Raga du Prince von 1996.
