Cybele 360401 1999

16bit 44.1kHz Stereo Neue Musik Klassische Moderne Zeitgenössische Musik 1:02:25

Zur Beschreibung

Harmonies and Counterpoints between Germany and America

Mitwirkende

Wolpe-TrioEnsemble (Trio)Lesley OlsonFlöteScott RollerVioloncelloSusanne AchillesKlavier

Komponisten

Dietrich Hahne · Erik Lund · Manfred Stahnke · Scott Roller · Stefan Wolpe

Kurzbeschreibung

Das Wolpe-Trio — Lesley Olson (Flöte), Scott Roller (Violoncello) und Susanne Achilles (Klavier) — verfolgt die musikalischen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika: im Zentrum Stefan Wolpes Trio in two parts von 1963/64, dazu Dietrich Hahnes Fourtunes, Erik Lunds Raccontini, Scott Rollers viersätziges Trio Set für Altflöte, Violoncello und Klavier und Manfred Stahnkes fünfteiliges Ritus.

Details

Trägerformat
CD

Auflösung
PCM 44,1 kHz / 16 bit

Gesamtspielzeit
62:25

Kanäle
Stereo

Aufnahme
3.–5. April und 29. April bis 1. Mai 1998, Erholungshaus der BAYER AG, Leverkusen

Begleitheft
Deutsch, Englisch und Französisch, 32 Seiten

Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas

Angaben

Katalognummer
Cybele 360401
Erscheinungsjahr
1999
Genre
Neue Musik
Epoche
Klassische Moderne, Zeitgenössische Musik
Besetzung
Flöte, Kammermusik, Klavier, Violoncello
Label
Cybele Records
Barcode
809548003821
GTIN
4068992494470
Booklet (Seiten)
32

Tracklisting

14 Titel · 1:02:25

  1. 01 Fourtunes (1992) – I Komponist:in: Dietrich Hahne (* 1961) Interpret:in: Wolpe-Trio 6:13
  2. 02 Fourtunes (1992) – II Komponist:in: Dietrich Hahne (* 1961) Interpret:in: Wolpe-Trio 3:08
  3. 03 Raccontini (1996) Komponist:in: Erik Lund (* 1958) Interpret:in: Wolpe-Trio 11:28
  4. 04 Trio in two parts (1963-64) for Flute, Cello and Piano – I Komponist:in: Stefan Wolpe (1902-1972) Interpret:in: Wolpe-Trio 13:01
  5. 05 Trio in two parts (1963-64) for Flute, Cello and Piano – II Komponist:in: Stefan Wolpe (1902-1972) Interpret:in: Wolpe-Trio 5:39
  6. 06 Trio Set (1993) für Altflöte, Violoncello und Klavier – I. Gazes Komponist:in: Scott Roller (1959-2024) Interpret:in: Wolpe-Trio 3:37
  7. 07 Trio Set (1993) für Altflöte, Violoncello und Klavier – II. Metabop Komponist:in: Scott Roller (1959-2024) Interpret:in: Wolpe-Trio 2:34
  8. 08 Trio Set (1993) für Altflöte, Violoncello und Klavier – III. Warlocks Komponist:in: Scott Roller (1959-2024) Interpret:in: Wolpe-Trio 2:46
  9. 09 Trio Set (1993) für Altflöte, Violoncello und Klavier – IV. Stages Komponist:in: Scott Roller (1959-2024) Interpret:in: Wolpe-Trio 2:49
  10. 10 Ritus (1979) – I Komponist:in: Manfred Stahnke (* 1951) Interpret:in: Wolpe-Trio 3:19
  11. 11 Ritus (1979) – II Komponist:in: Manfred Stahnke (* 1951) Interpret:in: Wolpe-Trio 1:20
  12. 12 Ritus (1979) – III Komponist:in: Manfred Stahnke (* 1951) Interpret:in: Wolpe-Trio 3:08
  13. 13 Ritus (1979) – IV Komponist:in: Manfred Stahnke (* 1951) Interpret:in: Wolpe-Trio 1:56
  14. 14 Ritus (1979) – V Komponist:in: Manfred Stahnke (* 1951) Interpret:in: Wolpe-Trio 1:27

Beschreibung

Harmonien und Kontrapunkte zwischen Deutschland und Amerika durchziehen die Musikgeschichte auf beiden Seiten des Atlantiks, schreibt Austin Clarkson, Leiter der Stefan Wolpe Archives, im Begleitheft. Im 19. Jahrhundert lag das Musikleben in den Vereinigten Staaten und Kanada oft in den Händen von Musikern und Dirigenten, die in Deutschland ausgebildet worden waren, und in Amerika geborene Musiker vollendeten ihre Ausbildung an den Musikhochschulen in Leipzig und Berlin. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchten viele nordamerikanische Komponisten, sich von der europäischen Tradition zu befreien — und das bedeutete, sich gegen die Hegemonie von Haydn, Mozart, Beethoven, Schumann, Brahms und Wagner aufzulehnen.

Gelungen ist das in unterschiedlichem Maß, und zwar dort, wo sie sich auf die amerikanische Klanglandschaft einließen. Die von Charles Ives begründete amerikanische Tradition des Experimentierens schuf eine Ästhetik, die sich grundlegend von der gängigen europäischen Musik unterschied; ein immer größer werdender Kreis folgte seinem Beispiel und weitete die Horizonte: Carl Ruggles, Edgard Varèse, Henry Cowell, Ruth Crawford Seeger, Harry Partch, Colin McPhee, John Cage, Henry Brant und Lou Harrison. Sie boten ein außerordentliches Spektrum an Alternativen zur vorherrschenden bürgerlichen Musikkultur, indem sie europäischen Grundsätzen von Form, Tonalität, Instrumentierung, melodischer und harmonischer Kohärenz und der kulturellen Funktion von Musik den Kampf ansagten.

Stefan Wolpe wuchs in Berlin auf, wo er mit Ferruccio Busoni, den Dadaisten, den linksgerichteten Expressionisten des Melos-Kreises um Hermann Scherchen und den Künstlern des Bauhauses in Weimar in Berührung kam. 1933 floh er aus Deutschland nach Palästina, wo er von 1934 bis 1938 mit der Pianistin Irma Schoenberg Wolpe lebte, bevor beide in die Vereinigten Staaten einwanderten und an mehreren Schulen in Philadelphia, New York und North Carolina unterrichteten. 1956 begleitete David Tudor — der 1943 nach Philadelphia gekommen war, um bei Irma Klavier und bei Stefan Komposition zu studieren — Wolpe nach Europa, wo sie bei den Darmstädter Ferienkursen auftraten und Wolpe über die aktuellen Entwicklungen in Amerika sprach.

Diese Vorlesung markierte die Rückkehr des deutschen Avantgardisten in sein Heimatland, wobei er gleichzeitig Neuigkeiten aus der Neuen Welt mitbrachte. Wolpes eigene Musik offenbarte seine Verbindung mit dem abstrakten Expressionismus der New Yorker Dichter- und Malerschule; durch die Rückkehr nach Europa aber wurde der im Exil lebende Komponist, vermittelt durch die jungen Komponisten dort, zu einem neuen Aufbruch innerhalb seines eigenen Werkes inspiriert. Aus dieser späten Phase stammt das Trio in two parts für Flöte, Violoncello und Klavier von 1963/64, das Herzstück dieses Programms.

Das Wolpe-Trio, selbst ein Produkt deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit, stellt daneben Werke, die die Wechselwirkung seit dem Zweiten Weltkrieg auf den Punkt bringen: Dietrich Hahnes zweiteilige Fourtunes von 1992, Erik Lunds elfminütige Raccontini von 1996, das Trio Set des Cellisten Scott Roller von 1993 mit den Sätzen Gazes, Metabop, Warlocks und Stages sowie Manfred Stahnkes Ritus von 1979 in fünf knappen Abschnitten. Dass die Musiker wichtige Komponisten anregen konnten, für ihr Ensemble zu schreiben, bezeugt ihre Verbundenheit mit dem avantgardistischen musikalischen Denken — die Kontrapunkte und Harmonien spielen weiter. Aufgenommen wurde im April und Mai 1998 im Erholungshaus der Bayer AG in Leverkusen; die CD spielt 62:25. Wolpes Nachlass liegt in der Paul Sacher Stiftung in Basel; die 1981 gegründete Stefan Wolpe Society fördert die Verbreitung seiner Musik.