Die Batalla ist das Schlachtenstück der spanischen Orgelmusik: Mit fanfarenartigen Signalen und Tonrepetitionen ahmt sie ein Gefecht nach. Sandro R. Müller stellt den Tiento de Batalla 5° tono Punto Baxo des valencianischen Domorganisten Juan Bautista Cabanilles (1644–1712) an den Anfang des dritten Buchs seines vierteiligen Zyklus.
Danach wechseln Tanzvariationen und Tientos einander ab: zwei Pasacalles im vierten und ersten Ton, Gallardas im achten Ton, zwei Tientos de falsas im achten und zweiten Ton – ihr Name verweist auf die gehäuften Dissonanzen, die „falsas“ – und zwei Tientos auf geteilter Klaviatur, bei denen die Solostimme einmal in der rechten, einmal in der linken Hand liegt. Den Abschluss bildet der Tiento de 8° tono, lleno, mit 14:36 Minuten das längste Stück des Albums. Die Zusätze „Punto Baxo“ und „punto alto“, die zwei der Stücke im Titel tragen, bezeichnen in der iberischen Orgelpraxis die tiefere beziehungsweise höhere Transposition eines Tons.
Müller hat den Zyklus selbst zusammengestellt und jedem der vier Bücher eine der vier Symbolfiguren der Evangelisten als Motto gegeben. Weil Cabanilles’ Werke fast ohne Angaben zu Registrierung und Artikulation überliefert sind, übertrug er die religiös-mystische Bildwelt der spanischen Kunst des 16. bis 18. Jahrhunderts auf die Klangfarben der Orgel. Als Instrument wählte er mit dem Produzenten Ingo Schmidt-Lucas die große Rieger-Orgel (1969/70) der Zisterzienserabtei Marienstatt im Westerwald; sie besitzt eine historische spanische Trompeteria mit Pfeifen aus dem Jahr 1732. Die neun Stücke des Buchs stehen in sieben verschiedenen Tönen.
Cabanilles, am 6. September 1644 in Algemesi bei Valencia getauft, wurde 1665 zweiter, bald darauf alleiniger Organist der Kathedrale von Valencia und blieb es bis zu seinem Tod am 29. April 1712; 1668 empfing er die Priesterweihe. Von den rund 800 Werken, die ihm zugeschrieben werden, ist heute etwa ein Drittel bekannt. Der Tiento, den er von Antonio de Cabezon, Correa de Arauxo und Rodrigues Coelho übernahm, bleibt auch in diesem Buch die Hauptgattung: drei- bis fünfstimmig, kontrapunktisch über ein oder mehrere Themen gebaut, in der Anlage so frei wie eine Fantasie.
Die Trompeteria der Marienstatter Rieger-Orgel ist nach Angabe des Begleithefts die einzige historische spanische außerhalb der Iberischen Halbinsel; ihre Pfeifen stammen aus dem Jahr 1732. Sie gibt dem Batalla-Stück am Anfang seinen Ton. Jedem Stück des Zyklus hat Müller einen Text zugeordnet, meist aus der Bibel. Aufgenommen wurde am 10. und 11. Juli sowie am 13. und 14. November 1995; das dritte Buch dauert 71:26.
