Cybele 161403 2016

5.1 Surround DSD Stereo Klassik Neue Musik Klassische Moderne 1:05:03

Zur Beschreibung

Klavierwerke um den Russischen Futurismus (Vol. 3)

Mitwirkende

Thomas GüntherKlavier

Komponist:in

Alexander Mosolov

Kurzbeschreibung

Vier Klaviersonaten und zwei Nocturnes von Alexander Mosolov (1900–1973), sämtlich zwischen 1923 und 1926 entstanden — in den Jahren, in denen er am Moskauer Konservatorium studierte und als „enfant terrible“ der jungen sowjetischen Musik galt. Die dritte Sonate, die er 1924 bei einem Konzert der Assoziation für zeitgenössische Musik spielte, ist verschollen. Thomas Günther – Steinway-D-Konzertflügel.

Details

Trägerformat
Hybrid-SACD

Auflösung
DSD64 / 2.8224 MHz 1 bit

Gesamtspielzeit
65:05

Kanäle
Stereo, 5.1 Surround

Instrument
Steinway-D-Konzertflügel

Aufnahme
1.–5. März 2012, Kammermusiksaal des Deutschlandfunks, Köln

Begleitheft
Deutsch und Englisch, 60 Seiten

Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas

Auszeichnungen

ECHO Klassik 2017 — Solistische Einspielung des 20./21. Jahrhunderts

Preis der deutschen Schallplattenkritik — Jahrespreis 2016 – Nominierung (Reihe)

klassik.com — Empfohlen von klassik.com

CLASSICA — Choc, November 2016 (Box, Vol. 1–4)

opushd.net — Opus d’Or Award, Juli 2018 (Box, Vol. 1–4)

Preis der deutschen Schallplattenkritik — Longlist 3/2016

Pressestimmen

PianoNews, 7/2016

Kölner Stadt-Anzeiger, 8/2016

Rheinische Post, 9/2016

TRIANGEL, 9/2016

Diapason, 9/2016

MusicWeb-International.com, 10/2016

FonoForum, 10/2016

nmz – neue musikzeitung, 10/2016

CLASSICA, 11/2016

Amadeus, 2/2017

CLASS aktuell, 3/2017

klassik.com, 5/2018

Opus Haute Définition, 7/2018

Der entschleunigte Blick

Angaben

Katalognummer
Cybele 161403
Erscheinungsjahr
2016
Genre
Klassik, Neue Musik
Epoche
Klassische Moderne
Besetzung
Klavier
Label
Cybele Records
Barcode
809548014926
GTIN
4068992489209
Booklet (Seiten)
60

Tracklisting

11 Titel · 1:05:03

  1. 01 Sonate Nr. 2 in h-Moll Op. 4 (1923/1924) – I. Sonata: Andante non troppo Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 8:38
  2. 02 Sonate Nr. 2 in h-Moll Op. 4 (1923/1924) – II. Adagio: Espressivo, sostenuto e severo (Allegretto) Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 6:19
  3. 03 Sonate Nr. 2 in h-Moll Op. 4 (1923/1924) – III. Final: Allegro tumultuoso, infernale Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 5:49
  4. 04 Sonate Nr. 1 in c-Moll Op. 3 (1924) – Lento lugubre e sostenuto, Lugubre. Allegro non troppo, Lento sostenuto Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 9:46
  5. 05 Zwei Nocturnes für Klavier Op. 15 (1926) – I. Elegiaco, poco stentato Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 2:44
  6. 06 Zwei Nocturnes für Klavier Op. 15 (1926) – II. Adagio Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 2:58
  7. 07 Sonate Nr. 4 Op. 11 (1925) – Presto, Lento. Elevato Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 8:36
  8. 08 Sonate Nr. 5 in d-Moll Op. 12 (1925) – I. Lento grave, Andante liberamente Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 4:46
  9. 09 Sonate Nr. 5 in d-Moll Op. 12 (1925) – II. Elegia: Lento, Andante Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 4:45
  10. 10 Sonate Nr. 5 in d-Moll Op. 12 (1925) – III. Scherzo marciale: Presto, con fuoco Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 2:43
  11. 11 Sonate Nr. 5 in d-Moll Op. 12 (1925) – IV. Adagio languente e patetico: Lento Komponist:in: Alexander Mosolov (1900-1973) Interpret:in: Thomas Günther 7:59

Beschreibung

Das Begleitheft beginnt bei Francis Bacon. In seiner Utopie Neu-Atlantis von 1624 beschreibt er „Häuser für Akustik, in denen wir die Töne und ihre Entstehung erforschen“, Harmonien aus Vierteltönen und noch geringeren Tonverschiebungen, unbekannte Instrumente. Knapp dreihundert Jahre später wurden in dem von revolutionären Umstürzen geschüttelten Russland Experimente unternommen, die dieser Vision verblüffend nahe kommen. Bacons Wissenschaftsgesellschaft beruhte auf einer zentralen Behörde; im postrevolutionären Sowjetrussland formierten sich dagegen mehrere, oft kurzlebige Organisationen, die die gesellschaftliche Umwälzung mit den modernsten Mitteln beschleunigen wollten.

Eine davon war die Assoziation für zeitgenössische Musik (ASM). Arthur Vincent Lourié hatte sie schon 1918 vorgeschlagen; gegründet wurde sie 1923, ein Jahr nach seiner Emigration. Ihre Mitglieder verstanden sie nicht als politische Organisation, sondern als Interessenvertretung der zeitgenössischen Komponisten. 1924 wurde Mosolov eingeladen, seine — heute verschollene — dritte Klaviersonate bei einem ASM-Konzert in Moskau zu spielen; 1926 wurde er offiziell aufgenommen und fortan intensiv gefördert. In diesem Umfeld lernte er die Musik Hindemiths und Honeggers kennen, die seine weitere Entwicklung prägen sollte.

Mosolov wurde am 11. August 1900 in Kiew geboren; 1904 zog die Familie nach Moskau, wo die Mutter zeitweilig als Sängerin am Bolschoi-Theater arbeitete. Ihr Freundeskreis aus der liberalen Intelligenzija und die gemeinsamen Auslandsreisen prägten früh seine Offenheit für zeitgenössische Kunst. Ersten Klavierunterricht erhielt er bei Alexander Schenschin, 1920/21 spielte er zu Stummfilmen, von 1921 bis 1925 studierte er am Moskauer Konservatorium bei Reinhold Glière und Nikolaj Mjaskowski und besuchte die Klavierklassen von Grigorij Prokofjew und Konstantin Igumnow. Zugleich zeigte sich früh seine Kompromisslosigkeit: Wegen derber Späße mehrfach vom Gymnasium beurlaubt, riss er 1916 von zu Hause aus, um an die Front zu gehen; den Umbruch von 1917 begrüßte er begeistert, diente bis 1921 freiwillig in der Roten Armee, wurde zweimal verwundet und zweimal für Tapferkeit ausgezeichnet. Dreimal begegnete er Lenin.

Genau diese Biografie macht verständlich, wie ratlos er später den kulturpolitischen Angriffen gegenüberstand. Sein Eisengießerei-Satz aus Zavod hatte 1927 sensationellen Erfolg, und Mosolov galt kurzzeitig als Kulturexport der jungen sowjetischen Musikszene; bis Anfang der 1930er Jahre arbeitete er als Rundfunkredakteur. Im März 1932 beklagte er sich in einem persönlichen Brief an Stalin bitter über die fortwährenden Denunziationen.

Die Sonaten dieses Albums stammen alle aus den Studienjahren: die zweite in h-Moll op. 4 (1923/24) in drei Sätzen, deren letzter Allegro tumultuoso, infernale überschrieben ist; die einsätzige erste in c-Moll op. 3 (1924); die vierte op. 11 (1925), ebenfalls in einem Satz; und die fünfte in d-Moll op. 12 (1925) in vier Sätzen, die mit einem Adagio languente e patetico von fast acht Minuten schließt. Dazwischen stehen die Zwei Nocturnes op. 15 von 1926. Thomas Günther spielte sie vom 1. bis 5. März 2012 im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks in Köln ein, auf einem Steinway-D-Konzertflügel; das Begleitheft umfasst 60 Seiten.