Wolfgang Hufschmidt wurde am 15. März 1934 in Mülheim an der Ruhr geboren und studierte von 1954 bis 1958 bei Siegfried Reda an der Folkwang-Hochschule in Essen Kirchenmusik und Komposition. Nach zehn Jahren als Kirchenmusiker in Essener Gemeinden wurde er 1968 Dozent für Musiktheorie an der Folkwang-Hochschule, die ihn 1971 zum Professor für Komposition berief und deren Rektor er von 1988 bis 1996 war. 1983/84 gründete er mit Schülern und Freunden die edition V als Verlag der Komponisten.
Trio II (1982) ist das Mittelstück der Werkgruppe „Trio-Logie“, deren Thema die dialektische Denkweise von These, Antithese und Synthese ist. Seine Sieben Inventionen über Farben und Bilder übertragen Farb- und Lichttheorien der bildenden Kunst auf musikalische Klangfarben, von Goethes „Farbenlehre“ über Paul Klee, Eckart Heimendahl, Philipp Otto Runge und Josef Albers bis zu Claude Monets „Impression aufgehende Sonne“ und Wolfgang Pilz’ Dia-Komposition „Eine Minute Dunkel“; zusammen bilden sie ein Triptychon mit zwei Flügeln und einem dreiteiligen Mittelbild. Pablo Nerudas Gedicht „Betrachtung über die Sierra Maestra“ hält die Inventionen zusammen: Das Tonband lässt daraus eine gesungene Zeile über den Spanischen Bürgerkrieg hören, und von Neruda stammt auch das Motto „das Licht, vom Dunkel geordnet“.
Die Lieder ohne Worte. 24 Klavierstücke für Tonband (1985/86) gehen auf die Friedensbewegung zurück. In Erinnerung an die Bonner Demonstration vom 10. Oktober 1981, an deren Ende „We shall overcome“ gesungen wurde, schrieb Hufschmidt 1983/84 „We shall overcome — texte über den frieden (2) von Bertolt Brecht“; parallel dazu schuf sein Freund Wolfgang Pilz die Lichtbildkomposition „Stumme Lieder gegen den Krieg“, 18 Bild-Lieder aus Motiven von Otto Dix’ Triptychon „Der Krieg“ und Montagen derselben Brecht-Gedichte. Die Klavierstücke übertragen die lyrischen Sprachstrukturen dieser Gedichte ins Musikalische und bilden, gemeinsam mit den Bildern aufgeführt, deren Interludien: „Der Lautlosigkeit der Bilder folgt die Wortlosigkeit der Musik“, schreibt Stefan Fricke im Begleitheft.
Engel der Geschichte (II) Flötentöne Nr. XVI (1994) für Flöte, Klarinette, Violoncello, Gitarre, Schlagzeug und Klavier/Celesta trägt das Motto „nicht vergessen“. Der Titel bezieht sich auf Paul Klees Bild „Angelus Novus“ (1920), das Walter Benjamin bis zu seinem Freitod 1940 begleitete und für ihn das Emblem seiner Geschichtsphilosophie war: der Engel, der in der Vergangenheit eine einzige Katastrophe sieht und doch in die Zukunft getrieben wird. In der Nr. XVI paraphrasiert Hufschmidt kurze Ausschnitte aus eigenen älteren Werken wie dem „Ricercar“ (1966), dem „Meissner Tedeum“ (1967/68) und den „texten über den frieden 1“ (1969), nicht nostalgisch, sondern als selbstkritische Prüfung ihrer heutigen Tauglichkeit.
Trio II und die Nr. XVI aus Engel der Geschichte (II) wurden im Oktober 1995 im Spiegelsaal des Museums Morsbroich in Leverkusen aufgenommen, die Lieder ohne Worte schon im Sommer 1989 an der Folkwang-Hochschule Essen. Es spielen Susanne Achilles (Klavier), Markus Hufschmidt, Jens Vetter, Michael Hamann, Rachel Gruber, Harald Lillmeyer, Martin Schulz, Thomas Neuhaus und der Komponist selbst. Unterstützt wurde die Produktion von der Leonard-Stinnes-Stiftung und der Sparkasse Essen.
