Die Marimba hat ihren Ursprung in Afrika und Indonesien; ihr Hauptverbreitungsgebiet als Volksmusikinstrument ist Mittelamerika — Guatemala, Costa Rica, Mexiko. Bei der heutigen Konzertmarimba sind die Klangplatten aus Palisanderholz in der Art einer Klaviertastatur angeordnet, und unter jeder Platte dient eine nach unten geschlossene Metallröhre als Resonanzkörper. Unter allen Schlaginstrumenten fasziniert die Marimba in besonderer Weise durch den archaischen, warmen und unmittelbaren Klang des Holzes — Grund genug, ein breites Spektrum ihrer Literatur in Form einer Porträt-CD vorzustellen.
Rolf Hildebrand studierte bei Joachim Schacht an der Folkwang-Hochschule, wo er auch ein erfolgreiches Marimba-Vibraphon-Duo gründete; nach dem Examen folgte ein Marimbastudium bei Robert van Sice. Er tritt mit Christian Roderburg, im Düsseldorfer Schlagzeugensemble und im Duo mit dem Saxophonisten Hugo Read auf. Christian Roderburg, 1954 geboren, hat einen Lehrauftrag für Schlagzeug an der Kölner Musikhochschule, Abteilung Wuppertal, und erhielt 1982 den Förderpreis der Stadt Düsseldorf; seit 1978 tritt er als Solist und Ensemblemusiker auf, dazu kommen Rundfunk- und Schallplattenproduktionen sowie Bühnen- und Filmmusiken. Auf diesem Album spielt Roderburg mit Hildebrand Holzwege und Wooden Music; an seinem eigenen Miel de Provence wirkt Oskar Gottlieb Blarr mit.
Keiko Abe, die seit Jahrzehnten Solo- und Kammermusikwerke für die Marimba schreibt, erzählt zu Wind in the Bamboo Grove, wie sie im Morgendunst inmitten eines Bambuswaldes stand und von einem großartigen Rauschen eingehüllt wurde. Akira Yuyama, 1932 geboren, beendete sein Kompositionsstudium 1955 an der Tokioter Universität der Künste und erhielt zahlreiche nationale Kompositionspreise; sein Divertimento for Marimba and Alto Saxophone wurde 1968 fertiggestellt und als Rondo in Variationsform geschrieben — beide Instrumente zusammen zu spielen verlange eine besondere Technik, schreibt der Komponist. Hugo Read übernimmt hier den Saxophonpart.
Das Programm spannt sich von der Bearbeitung eines Klassikers — Albéniz’ Asturias (Leyenda) — über die amerikanische Perkussionstradition mit Paul Smadbecks Etüde und Rich O’Mearas Wooden Music bis zu Minoru Mikis Time for Marimba und Hildebrands eigenen Holzwegen. Den Schluss bildet Oskar Gottlieb Blarrs Miel de Provence, das in der Neanderkirche in Düsseldorf aufgenommen wurde, während die übrigen Stücke im März und April 1995 in der Kirche in Duisburg-Friemersdorf entstanden. Acht Stücke, acht Zugänge zu einem Instrument, das in der Kunstmusik erst im 20. Jahrhundert heimisch wurde. Die CD spielt 60:25; das Begleitheft umfasst 16 Seiten in Deutsch, Englisch und Französisch.
