Ignaz Joseph Pleyel, 1757 in Ruppersthal in Niederösterreich geboren, gehört wie Fiorillo zu den Zeitgenossen Mozarts und Haydns. Seinen ersten Unterricht erhielt er bei Johann Baptist Vanhal in Wien; mit fünfzehn wurde er, vermittelt durch Graf Erdody, der auch die Kosten übernahm, Schüler Joseph Haydns in Eisenstadt. Bei Haydn, dem anerkannten Meister des Streichquartetts, entwickelte sich seine starke Hinwendung zur Kammermusik. 1777 berief ihn Erdody zum Kapellmeister seines kleinen Virtuosenensembles, 1789 übernahm er in Straßburg das Amt des Münster-Kapellmeisters, und 1795 übersiedelte er nach Paris, wo er zwei Jahre später seine Existenz mit der Gründung eines Musikverlags und einer Klavierfirma sicherte, die noch heute existiert. Mozart schrieb 1784 an seinen Vater über Pleyels Quartette, sie seien sehr gut geschrieben und sehr angenehm, und hoffte, Pleyel werde dereinst Haydn ersetzen können.
Im Duett in c-Moll op. 30 Nr. 3 ist der italienische Einfluss unverkennbar. Der galante Stil des Andante äußert sich in zahlreichen Arpeggiaturen und abphrasierten melodischen Wendungen; die häufigen Doppelgriffe in beiden Instrumenten heben den Charakter der Zweistimmigkeit bisweilen auf. Das folgende Allegro espressivo lässt Pleyels Neigung zur Ausschmückung mit Passagenwerk spüren, Themenzitate und Figurationen sind gleichmäßig auf beide Instrumente verteilt, und eine abwechslungsreiche Dynamik von zartem Piano bis zu schroffen Akkordfolgen stellt den Satz in ein Spannungsfeld lyrischer und dramatischer Elemente. Das Tempo di Minuetto ist klar dreiteilig angelegt, der A-Teil liedhaft im Gegensatz zur virtuosen Ausführung des B-Teils; die Coda mit aufsteigenden Sechzehntelfiguren sorgt für einen wirkungsvollen Schluss.
Über das Leben Federigo Fiorillos ist nur sehr wenig bekannt. Als Sohn des aus Neapel stammenden Dirigenten und Komponisten Ignazio Fiorillo machte er sich rasch als Virtuose auf Mandoline und Violine einen Namen und erlangte internationale Anerkennung. Nach einer Tätigkeit als Dirigent am Theater von Riga schloss er sich 1788 in London dem Salomon-Quartett als Bratschist an und wurde dort ansässig, bis er 1815 das Leben eines reisenden Virtuosen wieder aufnahm; 1823 kehrte er nach London zurück, sein Todesjahr ist nicht bekannt. Sein Duett in C-Dur op. 31 Nr. 1 zeigt einen eleganten Stil und eine kompositorische Meisterschaft, die sich an den Vorgaben purer Zweistimmigkeit verwandter Instrumente über ein verhältnismäßig langes Stück hin messen lässt. Auf erfüllte Harmonik durch Doppelgriffe verzichtet er; die Spannung bezieht das Werk aus der meisterlichen Behandlung seines eigenen Instruments, und das oft wörtliche Übertragen der Ideen von der Violine auf das Violoncello verschafft diesem eine ebenso virtuose Rolle.
Jean Sibelius, am 8. Dezember 1865 in Hämeenlinna in Südfinnland geboren, erhielt erst mit vierzehn Jahren Violinunterricht; 1885 schrieb er sich zum Jurastudium an der Universität Helsinki ein und wechselte ein Jahr später zur Musikhochschule. Von seinen Jugendwerken gab er nach langem Zögern nur ein Streichquartett frei; 1982 schenkte die Familie die noch in ihrem Besitz befindlichen Manuskripte der Universität Helsinki, wo man erkannte, welche Schätze die Sammlung enthielt und welches Bild sie von der Entwicklung des jungen Komponisten gibt. Nach Angabe des Autographs entstand der Canon am 13. Juni 1889 — ein kurzes Tempo di Minuetto, das er vermutlich für sich und seinen Bruder Christian schrieb, der Cellist war, und das als konsequent durchgeführter Kanon in zweitaktigem Einsatzabstand angelegt ist. Selbst wenn Sibelius es nur als kompositorische Fingerübung betrachtet haben sollte, ist ihm ein bezauberndes Stück gelungen, das die klanglichen Möglichkeiten des Violoncellos ausnutzt.
Die Acht Duette op. 39 von Reinhold Glière entstanden 1909 und stellen die Besetzung in einen spätromantischen Zusammenhang: Prelude, Gavotte, Cradle Song, Canzonetta, Intermezzo, Impromptu, Scherzo und Etude — acht knappe Charakterstücke von je einer bis drei Minuten, die den Bogen des Programms schließen. Aufgenommen wurde vom 26. bis 28. Dezember 2000 in der Stadthalle Rheinberg; die CD spielt 47:34, das Begleitheft umfasst 32 Seiten in Deutsch und Englisch.
