Cybele 060801 2008

DSD Stereo Surround Neue Musik Zeitgenössische Musik 1:12:20

Zur Beschreibung

Tilo Medek: Orgelwerke

Mitwirkende

Martin SchmedingOrgel

Komponist:in

Tilo Medek

Kurzbeschreibung

Sechs Orgelwerke von Tilo Medek (1940–2006) aus drei Jahrzehnten: die frühen, für die Merseburger Domorgel geschriebenen Stücke Verschüttete Bauernflöte (1969) und B-A-C-H, Vier Töne für Orgel (1973), die Gebrochenen Flügel von 1975, die Rückläufige Passacaglia von 1979, der vierteilige Zyklus Quatemberfeste von 1989 und die Wandlungs-Passacaglia von 2001. Martin Schmeding spielt die Sauer-Orgel der Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel.

Details

Trägerformat
Hybrid-SACD

Auflösung
DSD64 / 2.8224 MHz 1 bit

Gesamtspielzeit
72:21

Kanäle
Stereo, 5.0 Surround

Orgel
Sauer-Orgel (2004), Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel

Aufnahme
25.–27. März 2008

Begleitheft
Deutsch und Englisch, 44 Seiten

Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas

Auszeichnungen

Preis der deutschen Schallplattenkritik — Bestenliste 2/2009, Kategorie Orgelmusik

MusicWeb International — Recording of the Month, Januar 2009

Organ – Journal für die Orgel — Referenz-Einspielung

Pressestimmen

MusicWeb-International.com, 1/2009

organ – Journal für die Orgel, 1/2009

OpusKlassiek.nl, 2/2009

musica sacra, 3/2009

International Record Review, 6/2009

Musik und Kirche, 6/2009

The Organ, 6/2009

Opus Haute Définition, 9/2009

Westfälische Nachrichten, 10/2009

His Voice, 1/2010

Angaben

Katalognummer
Cybele 060801
Erscheinungsjahr
2008
Genre
Neue Musik
Epoche
Zeitgenössische Musik
Besetzung
Orgel
Label
Cybele Records
Barcode
809548012625
GTIN
4068992489476
Booklet (Seiten)
44

Tracklisting

9 Titel · 1:12:20

  1. 01 Wandlungs-Passacaglia (2001) Komponist:in: Tilo Medek (1940-2006) Interpret:in: Martin Schmeding 5:09
  2. 02 B-A-C-H, Vier Töne für Orgel (1973) Komponist:in: Tilo Medek (1940-2006) Interpret:in: Martin Schmeding 7:45
  3. 03 Verschüttete Bauernflöte (1969) Komponist:in: Tilo Medek (1940-2006) Interpret:in: Martin Schmeding 11:23
  4. 04 Quatemberfeste für Orgel – 1. Lambertussingen (1989) Komponist:in: Tilo Medek (1940-2006) Interpret:in: Martin Schmeding 6:59
  5. 05 Quatemberfeste für Orgel – 2. Der Turmbläser (1989) Komponist:in: Tilo Medek (1940-2006) Interpret:in: Martin Schmeding 6:37
  6. 06 Quatemberfeste für Orgel – 3. Engelsecho (1989) Komponist:in: Tilo Medek (1940-2006) Interpret:in: Martin Schmeding 6:21
  7. 07 Quatemberfeste für Orgel – 4. Schnurrpfeifereien (1989) Komponist:in: Tilo Medek (1940-2006) Interpret:in: Martin Schmeding 9:20
  8. 08 Gebrochene Flügel (1975) Komponist:in: Tilo Medek (1940-2006) Interpret:in: Martin Schmeding 7:43
  9. 09 Rückläufige Passacaglia (1979) Komponist:in: Tilo Medek (1940-2006) Interpret:in: Martin Schmeding 11:03

Beschreibung

Tilo Medek wurde am 22. Januar 1940 in Jena in einem Musikerhaushalt geboren und komponierte vom elften Lebensjahr an. 1957 besuchte er die Darmstädter Ferienkurse und hörte dort Nono, Scherchen und Stockhausen; ab 1959 studierte er Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität und Komposition bei Rudolf Wagner-Régeny, dessen Meisterschüler er von 1964 an drei Jahre lang war. Seit 1968 wurde ihm die Arbeit in der DDR erschwert, ausgelöst unter anderem durch „Das Dekret über den Frieden“ nach Lenin; 1977 folgte, nachdem er den Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterschrieben hatte, die „Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR“. Mit seiner Familie übersiedelte er ins Rheinland und gründete dort 1982 den Musikverlag Edition Tilo Medek in Remagen.

Die beiden frühen Werke sind für die große Orgel des Merseburger Doms geschrieben und von deren Klang inspiriert. Das Instrument, 1853 bis 1855 von Friedrich Ladegast errichtet, war 1963 von der Firma Kühn stark umgebaut worden: Durchschlagende Zungen und Streicher wichen neobarocken Stimmen, darunter die hohe Bauernflöte im Pedal — genau jene Mischung aus skurrilen Obertonfarben und grundtönigen Streichern, die Medeks frühe Stücke prägt. Die Verschüttete Bauernflöte entstand im Sommer 1969 und wurde am 19. April 1970 vom Domorganisten Hans-Günther Wauer uraufgeführt; sie erhielt eine Auszeichnung bei der Internationalen Komponistentribüne der UNESCO. Medek schrieb, die unendlich scheinenden Registermischungen hätten ihn zunächst überwältigt; er beschränkte sich dann auf wenige Linien und extreme Lagen. Am Ende kommt das 1’-Pedalregister in seiner einsamen Höhe zum Blühen — rückwirkend versteht man, warum er es zuvor unter rastlosen Cluster-Eruptionen verschüttet hatte.

B-A-C-H, Vier Töne für Orgel stellt sich bewusst außerhalb des Bach-Kults, der über dieselbe Tonfolge hochkomplexe Werke hervorgebracht hat — Liszts Präludium und Fuge, ebenfalls für Merseburg geschrieben, und Regers Fantasie und Fuge op. 46. Medek beschränkt sich auf die vier Töne und leuchtet sie aus, erweitert um Glissandi aus halb gezogenen Registern. Er selbst nennt die Formen, in denen er das Motiv verarbeitet: Trauermarsch, Morsezeichen, Anklänge an Mozarts g-Moll-Sinfonie, Cantus firmus, Toccata, ein wenig Salonmusik und die obligatorische Finalüberhöhung — diese allerdings auf dem wankenden Untergrund der halb gezogenen B-A-C-H-Töne. Das Experimentieren mit Klängen und Notationsformen verbindet beide Stücke: An- und Ausschalten des Motors und halb gezogene Registerschleifen erzeugen mikrotonale Verfremdungen, und neben Takten und Notenwerten stehen freie Notation, grafische Symbole und Cluster-Schrift.

In den Gebrochenen Flügeln, kurz vor der Übersiedlung in die Bundesrepublik geschrieben, geht Medek am konsequentesten vor: Nahezu alle Klänge werden durch halb gezogene Register verfremdet, sodass die Notation eher einer Griff- als einer Klangschrift ähnelt. Das Ausschalten des Motors, das ihm bis dahin „kunstunwürdig“ erschienen war, wird hier zum Prinzip — der ganze Verlauf zielt auf diese „schöne“ Katastrophe hin. Die Rückläufige Passacaglia entstand 1979 im Auftrag der Kantorei an St. Martin in Kassel, einem Zentrum neuer geistlicher Musik, für die 8. Woche für geistliche Musik; uraufgeführt wurde sie auf einer von Helmut Bornefeld disponierten Bosch-Orgel. Eine ausführliche Erläuterung gibt es diesmal nicht, nur den Nachsatz: eine Passacaglia, die rückwärts läuft.

Nach acht Jahren Pause gab der Auftrag der Pfarrkirche St. Lamberti zur Einweihung ihrer neuen Karl-Schuke-Orgel im September 1989 den Anlass zu den Quatemberfesten. Die Quatember sind die Fasten- und Gebetstage, mit denen die vier Jahreszeiten in das liturgische Jahr eingebunden wurden; die vier Sätze — Lambertussingen, Der Turmbläser, Engelsecho und Schnurrpfeifereien — schildern jedoch weniger Jahreszeiten als typische Situationen im Umfeld der Kirche und die Möglichkeiten einer neuen Orgel. Die Wandlungs-Passacaglia schließlich stammt aus der Pfingstmusik von 2000/2001 auf Texte von Andreas Gryphius; ihr Titel bezieht sich auf die Wandlung von Brot und Wein. Das zweitaktige Thema wandert im ersten Teil alle zwölf Takte vom Bass über die Mittelstimme in die Oberstimme, im zweiten Teil in Umkehrung und auf sechs Takte verkürzt, im dritten in doppelter und dreifacher Engführung. Aufgenommen wurde vom 25. bis 27. März 2008; die Einspielung stand auf der Bestenliste 2/2009 des Preises der deutschen Schallplattenkritik und wurde von MusicWeb International zur Recording of the Month gewählt.

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