Fritsch schrieb das Triptychon „Damals“ 1992; es besteht aus drei Kompositionen. „Das bittersüsse Büchlein“ für die seltene Besetzung Oboe, Akkordeon und Kontrabass bezieht sich im Titel auf die Geschichte vom bittersüßen Büchlein aus der Apokalypse und führt in einer eigenartigen Klangwelt aus Flageoletts und hohen Tönen in das Motiv des Todes ein. Es spielt das Trio Akkobasso mit Amy K. Goeser, Heike Storm und Eberhard Maldfeld.
„Damals“ für Sprecher (Tonband) und Orgel beruht auf dem gleichnamigen Theaterstück von Samuel Beckett, das um die Erinnerungen eines sterbenden Ichs an verschiedene Lebensabschnitte und Identitäten kreist. Wie von Beckett vorgesehen, erklingt die Stimme des Sprechers in drei Versionen, im Stereobild links, in der Mitte und rechts. Fritsch verbindet den Text Silbe für Silbe mit bestimmten Tonhöhen, die die Orgel synchron zu den Worten spielt; die Musik ordnet sich dem Text unter. Sprecher ist Dieter Wernecke, an der Orgel sitzt Bernhard Haas. Das Begleitheft druckt Becketts Text in der deutschen Übersetzung von Elmar Tophoven ab.
Das „Trio vom Ende“ für Bariton, Altflöte und Schlagzeug ist auf Ausschnitte aus „Damals“ komponiert; seine Melodie folgt weitgehend der ruhigen Sprachmelodie. Hier wird die Musik zum gleichberechtigten Partner des Textes, nach Fritsch „im Bestreben, mit Worten und Tönen den ruhigen Frieden des Endes zu empfinden“. Es singt Stephen Grant, begleitet von Camilla Hoitenga und Jonny Axelsson. Das Triptychon steht für eine wichtige Facette von Fritschs Spätwerk seit den 1990er Jahren: die Reduktion des Materials auf das Wesentliche.
Fritsch, 1941 in Bensheim-Auerbach geboren, war von 1964 bis 1970 Mitglied des Stockhausen-Ensembles, gründete 1970 mit Rolf Gehlhaar und David Johnson das Feedback Studio in Köln und 1971 mit Gehlhaar den Feedback Studio Verlag, den ersten deutschen Komponistenverlag; von 1984 bis 2006 lehrte er Komposition an der Kölner Musikhochschule. Die Aufnahme ist ein Mitschnitt der Uraufführung 1992 in der Kunst-Station Sankt Peter in Köln, die Werkauswahl traf Fritsch mit dem Feedback Studio Verlag. Mit dem „Trio vom Ende“ schließt die Reihe der Feedback-CDs, deren letzte Folgen nach Fritschs Tod erschienen; ob es ein „Ende“ oder einen „Übergang“ markiert, lässt das Begleitheft offen – Becketts Text verstand Fritsch als „Übergangstext“. Studio und Verlag verstanden sich nicht als kommerzielles Unternehmen, sondern als Künstlerkooperative und alternatives Zentrum für Musik; der Verlag vertrat bis zu 300 Kompositionen von 20 Komponisten, und die 46 Hefte der Schriftenreihe Feedback Papers geben einen eigenen Blick auf die Geschichte der Neuen Musik abseits der etablierten Festivals. Nach Fritschs Tod 2010 wurde der Verlag aufgelöst.
