Die CD 9 der Feedback-CD-Reihe widmet sich Johannes Fritschs frühen Werken der Kammermusik, die größtenteils noch vor der Gründung des Feedback Studios entstanden. Die Werke markieren den Beginn von Fritschs künstlerischer Laufbahn, spiegeln den Facettenreichtum seiner Kompositionen wider und sind gleichzeitig Zeitdokumente der 1960er Jahre. So ist Bestandteile des Vorüber (1962) an surrealistische Zufallskompositionen angelehnt und Ikonen (1964) und Modulation I (1966) weisen postmodernen Symbiose-Techniken auf.
Das Feedback Studio
Nach monatelanger Zusammenarbeit mit Karlheinz Stockhausen auf der Weltausstellung 1970 in Osaka fassten die drei Komponisten Johannes Fritsch, Rolf Gehlhaar und David Johnson den Entschluss, sich selbständig zu machen. 1970 riefen sie das Feedback Studio ins Leben: ein unabhängiges, privates elektronisches Studio. Ein Jahr später gründeten Fritsch und Gehlhaar mit dem Feedback Studio Verlag den ersten deutschen Komponistenverlag. Studio und Verlag befanden sich im Belgischen Viertel in Köln in einem Hinterhaus, wo Fritsch sich 1967 unter dem Dach ein Privatstudio eingerichtet hatte. Sowohl Studio als auch Verlag verstanden sich nicht als ein kommerzielles Unternehmen, sondern vielmehr als eine Künstlerkooperative und ein alternatives Zentrum für Musik. Der Verlag vertrat bis zu 300 Kompositionen von 20 Komponisten. Sein Programm umfasste neben elektronischen und live-elektronischen Werken, Computerkompositionen und Werken für großes Orchester vor allem Kammermusik, etwa der Komponisten Klarenz Barlow, Michael von Biel, Peter Eötvös, Johannes Fritsch, Rolf Gehlhaar, Caspar Johannes Walter und vielen mehr. Die Schriftenreihe Feedback Papers, insgesamt 46 Hefte bzw. Bücher, dokumentieren in Nachrichten, Informationen, Projektbeschreibungen, Analysen und Aufsätzen nicht nur die Geschichte des Feedback Studios, sondern geben einen eigenen Blick auf die Geschichte der Neuen Musik, abseits der philharmonischen Hauptwege und etablierten Festivals.
Nach Fritschs Tod 2010 wurde der Feedback Studio Verlag aufgelöst. Noch vorrätige Feedback Papers und CDs sind in die edition johannes fritsch übergegangen (www.editionjohannesfritsch.de). Alle historischen Dokumente wie Materialbänder, Tonbandaufzeichnungen von Hinterhausmusiken, Korrespondenzen oder historische Apparate befinden sich im Musikarchiv der Akademie der Künste (www.adk.de) in Berlin.
