Cybele 960309 2011

16bit 44.1kHz Stereo Elektroakustische Musik Neue Musik Elektroakustische Musik Zeitgenössische Musik 1:03:17

Zur Beschreibung

Feedback Studio Köln Vol. 9 – Johannes Fritsch: Frühe Kammermusik

Mitwirkende

Verschiedene Interpreten

Komponist:in

Johannes Fritsch

Kurzbeschreibung

Der neunte Band der Reihe Feedback Studio Köln erschien 2011, ein Jahr nach dem Tod von Johannes Fritsch, und gilt seiner frühen Kammermusik aus den Jahren 1962 bis 1972. Die Aufnahmen reichen vom Mitschnitt der Uraufführung von „Bestandteile des Vorüber“ auf Texte von Max Bense, bei der 1963 einige Professoren türeknallend die Alte Aula der Kölner Musikhochschule verließen, über Probenmitschnitte von „Ikonen“ mit Alfons, Aloys und Bernhard Kontarsky und von „Modulation I“ mit Siegfried Palm und Fritsch selbst an der Viola bis zu „Sul B“, 1973 bei den Kasseler Musiktagen von Palm und Aloys Kontarsky uraufgeführt.

Details

Trägerformat
CD

Auflösung
PCM 44,1 kHz / 16 bit

Gesamtspielzeit
63:20

Kanäle
Stereo

Aufnahme
1963, Mitschnitt der Uraufführung, Alte Aula der Musikhochschule Köln (Bestandteile des Vorüber); 1965, Probenmitschnitt (Ikonen); 1967, Probenmitschnitt (Modulation I); 1973, Uraufführung bei den Kasseler Musiktagen, Stadthalle (Sul B); 1980, Aulakonzert der Musikhochschule Köln (Nachtmusik); 1996, Musikhochschule Köln (Sul G)

Begleitheft
Deutsch und Englisch, 36 Seiten, Digipak

Gefördert von der Kunststiftung NRW

Pressestimmen

Angaben

Katalognummer
Cybele 960309
Erscheinungsjahr
2011
Genre
Elektroakustische Musik, Neue Musik
Epoche
Elektroakustische Musik, Zeitgenössische Musik
Besetzung
Elektroakustische Musik, Kammermusik
Label
Cybele Records
Barcode
809548013523
GTIN
4068992495262
Booklet (Seiten)
36

Tracklisting

6 Titel · 1:03:17

  1. 01 Bestandteile des Vorüber (1962) für Sopran, tiefe Blasinstrumente und drei Kontrabässe Komponist:in: Johannes Fritsch (1941-2010) Interpreten: Marlies Giesen, Studenten der Kölner Musikhochschule, Oskar Gottlieb Blarr 8:57
  2. 02 Nachtmusik (1963) für Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass Komponist:in: Johannes Fritsch (1941-2010) Interpret:in: Studenten der Kölner Musikhochschule 10:10
  3. 03 Ikonen (1964) für drei Klaviere Komponist:in: Johannes Fritsch (1941-2010) Interpreten: Alfons Kontarsky, Aloys Kontarsky, Bernhard Kontarsky 9:23
  4. 04 Modulation I (1966) für Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass und Klavier Komponist:in: Johannes Fritsch (1941-2010) Interpreten: Franz Josef Maier, Johannes Fritsch, Siegfried Palm, Paul Breuer, Bernhard Kontarsky 13:17
  5. 05 Sul G (1970) für Flöte und Klavier Komponist:in: Johannes Fritsch (1941-2010) Interpreten: Lesley Olson, Susanne Achilles 10:06
  6. 06 Sul B (1972) für Violoncello und Klavier Komponist:in: Johannes Fritsch (1941-2010) Interpreten: Siegfried Palm, Aloys Kontarsky 11:24

Beschreibung

Nach monatelanger Zusammenarbeit mit Karlheinz Stockhausen auf der Weltausstellung in Osaka gründeten Johannes Fritsch, Rolf Gehlhaar und David Johnson 1970 in einem Hinterhaus im Kölner Belgischen Viertel das Feedback Studio; Studio und Verlag verstanden sich als Künstlerkooperative und alternatives Zentrum für Musik. Die Werke dieser CD entstanden größtenteils noch vor der Gründung des Studios und sind zugleich Zeitdokumente der 1960er Jahre.

Nach dem eher improvisierten „Duett für Bratsche“ ist „Bestandteile des Vorüber“ (1962) für Sopran, tiefe Blasinstrumente und drei Kontrabässe das erste Stück, mit dem der junge Fritsch seine Laufbahn begann. Die Texte stammen aus Max Benses gleichnamiger Sammlung von 1961; der Philosoph generierte als einer der ersten in Deutschland Texte mit dem Computer, und in seiner Poesie löst sich die Bedeutung vom Klang, die Syntax von der Grammatik. Ähnliche Konstruktionsprinzipien übertrug Fritsch auf seine sieben Sätze, in denen genau notierte und improvisatorische Passagen einander gegenüberstehen; der erste ist nach Fritschs Worten „fast seriell“. Im Zentrum steht das Beckett-Solo der Sängerin, ppp bis auf einen Schrei auf dem Wort „für“; im letzten Satz, dessen Notation an die musikalische Grafik Sylvano Bussottis erinnert, werden die Musiker auch zu Sprechern. Bei der Uraufführung 1963, gesungen von der blinden Sopranistin Marlies Giesen unter der Leitung von Oskar Gottlieb Blarr in einem Konzert der Kompositionsklasse von Bernd Alois Zimmermann, verließen einige Professoren türeknallend den Saal.

Die „Nachtmusik“ (1963) entstand unter dem Eindruck der Musik Gustav Mahlers: Melodien der ersten Nachtmusik aus seiner 7. Sinfonie sind ihr Anlass, und eine serielle Variationenfolge im Mittelteil führt vor, wogegen Mahler anging, nämlich den Gesetzen einer Konvention mehr zu vertrauen als der produktiven Fantasie. Studenten der Kölner Musikhochschule spielen sie in einem Aulakonzert von 1980. „Ikonen“ (1964) komponierte Fritsch für Alfons, Aloys und Bernhard Kontarsky. Der Titel verweist auf die Zeichentheorie von Charles Sanders Peirce, nach der Ikonen Zeichen sind, die nur sich selbst bedeuten; die mehr oder weniger versteckten Zitate von Bach, Beethoven, Mozart und Mahler verweisen als Erinnerungen jedoch auf eine Musikgeschichte, in der sie anderes bedeuteten. Neue Klänge, Flageoletts und Pizzicati verwandeln die Fragmente in Gegenwärtiges, eine frühe postmoderne Praxis.

„Modulation I“ (1966), in der Besetzung des Forellenquintetts, begann Fritsch noch als Student von Bernd Alois Zimmermann, dessen Idee der Kugelgestalt der Zeit den Charakter des Stücks mitbestimmt. Modulation meint hier allgemein die Veränderung einer Musik durch eine andere: Am Anfang stehen transponierte Zitate von Alban Berg („Lyrische Suite“), Arnold Schönberg (2. Streichquartett op. 10), Johannes Brahms (Klavierquartett op. 60) und Ludwig van Beethoven (15. Streichquartett op. 132); später erklingt auch eine Passage aus Mahlers 9. Sinfonie. Den Probenmitschnitt von 1967 spielen Franz Josef Maier, Fritsch selbst an der Viola, Siegfried Palm, Paul Breuer und Bernhard Kontarsky. „Sul G“ (1970), angeregt von Aloys Kontarsky und Karlheinz Zöller für eine Electrola-Schallplatte, und „Sul B“ (1972) gehören in den Umkreis von Fritschs Allgemeiner Harmonik: Sie arbeiten mit Obertönen eines Grundtons, deren Frequenzen von der temperierten Stimmung des Klaviers abweichen, sodass eine Art Obertonfarbmelodie entsteht; in „Sul B“ unterstreicht die Skordatur des Violoncellos die Grundtönigkeit. Die Abfolge der kleinen Teile bestimmen die Interpreten; „Sul G“ spielen Lesley Olson und Susanne Achilles in einer Aufnahme von 1996.