Für die sechste CD der DEGEM wählte Johannes Fritsch Werke aus dem Umkreis des Feedback Studios Köln aus, das er 1970/71 mit Rolf Gehlhaar und David Johnson gegründet hatte; die Werkkommentare im Heft stammen vom Feedback Studio Verlag. Michael von Biel, der unter anderem bei Morton Feldman und Karlheinz Stockhausen studierte und nach einem Studium bei Joseph Beuys vorwiegend bildnerisch arbeitet, schrieb „Book for three“ (1961) für drei Klaviere und widmete es David Tudor; 1962 wurde es in Darmstadt mit von Biel, Harald Bojé und Egon Mayer uraufgeführt. Die Partitur schreibt genau vor, mit welchen Gerätschaften die Klaviere zum Klingen gebracht werden, etwa mit Becken, Gongs oder den Metallfüßen amerikanischer Mikrofonständer. Die Aufnahme spielte von Biel 1963 bei Radio Kopenhagen im Playbackverfahren selbst ein.
Rolf Gehlhaars „Beckenstück“ (1969), 1970 von Christoph Caskel in Darmstadt uraufgeführt, verstärkt den Klang von sechs Becken mit drei Mikrofonen über ein kleines Uher-Mischpult und bewegt ihn im Raum; die nur zehn Millimeter entfernten Mikrofone erschließen eine sonst unhörbare Klangwelt. Die Partitur besteht aus mehreren grafisch notierten Strukturen, die der Interpret nach Regeln zu einer Version ordnet. Aufgenommen wurde das Stück am 28. Februar 1971 im Feedback Studio, mit Gehlhaar an den Becken und Fritsch an den Reglern. In Siegfried Koepfs „Bassmaschine“ (1994) bilden ein Fender-Jazzbass und ein Tonbandgerät ein mechanisches System: Das Gerät zieht einen Zwirn an den Saiten vorbei und streicht sie unablässig. Die tiefste Saite ist auf eine hörbare Eigenfrequenz des Raums gestimmt, und durch die Kopplung der verstärkten Maschine an den Raum entsteht eine fein balancierte Feedbackschleife. Bei der hier erstmals veröffentlichten Uraufführung 1994 in einer Kölner Ausstellung liefen zwei annähernd gleich gestimmte Bassmaschinen gleichzeitig.
Johannes Fritsch schrieb „Nachthelle“ (1996) für das Ensemble Natrium mit Tim Jones (Violine, Viola), Georg Börgers (Violoncello), Martin Ingenhütt (Kontrabass) und Thomas Lehn (Synthesizer); die Aufnahme entstand 1997 in der Alten Feuerwache in Köln. Die äußeren Saiten von Viola, Cello und Kontrabass werden weit über eine Oktave heruntergestimmt, sodass sie ohne Spannung nur noch Geräusche von wenig bestimmter Tonhöhe hervorbringen; über Mikrofone verstärkt, werden die Streicherklänge mit den Aktionen des Analog-Synthesizers moduliert. Für dessen Notation verwendete Fritsch Ausschnitte einer Landkartenskizze Leonardo da Vincis, Titel und einige Melodiefragmente verweisen auf Schubert und Schumann. In Harald Muenz’ „Writing“ (1998) bearbeiten Armin Sommer und Ulrich Ludat vom duo:archaeopteryx, denen das Stück gewidmet ist, vierhändig eine flach liegende, mit Kontaktmikrofonen präparierte große Trommel; das verstärkte Signal wird mit dem um 20 Sekunden verzögerten Mitschnitt der vorangegangenen Aufführung gemischt. So schreibt das Stück beständig an seiner eigenen Aufführungsgeschichte; die CD bringt einen Ausschnitt aus der siebten Aufführung beim Schreyahner Herbst 2001.
Den Schluss bildet ein Ausschnitt aus Harald Muenz’ Writing für zwei Spieler an einer großen Trommel, aufgenommen am 29. September 2001 beim Schreyahner Herbst. Die CD ist zugleich der dritte Band der Reihe Feedback Studio Köln und die sechste der DEGEM; sie spielt 77:28, das Begleitheft umfasst 20 Seiten in Deutsch und Englisch.
