„Ich wurde schon öfters gefragt, weshalb ich noch keine CDs aufgenommen hätte“, sagt Cécile Grüebler im Begleitheft. „Der Grund ist der, dass ich nicht einfach nur schöne Werke einspielen, sondern eine Geschichte erzählen möchte, ein Programm gestalten will, in dem es darum geht, Menschen und Generationen zu verbinden.“ Dieses Programm hat sie gefunden: Die drei Komponisten sind über Lehrer-Schüler-Verhältnisse miteinander verknüpft. Bernhard Heiden studierte bei Paul Hindemith — auf einem Foto vom 14. Juli 1934 steht er bei einem Ausflug in die Märkische Schweiz neben seinem Lehrer, zusammen mit Harald Genzmer, Franz Reizenstein und Konrad Noetel —, und Heiden wurde später zum wichtigsten Lehrer Walter Skolniks.
Die Entstehung des Albums verdankt sich einem Zufall. 2017 war die Schweizer Cellistin mit ihrer langjährigen Duopartnerin, der Pianistin Tamara Chitadze, für mehrere Monate in New York. „Als ich mit meinem Cello unterwegs war, bin ich auf der Straße von dem in Manhattan ansässigen, über 80-jährigen Komponisten Walter Skolnik in ein spannendes Gespräch verwickelt worden.“ Es folgten viele Stunden gemeinsamen Musizierens und Skolniks Erzählungen aus der Studienzeit — und damit die Entdeckung jener Linie, die bis zu Hindemith zurückführt.
Von Hindemith (1895–1963) stehen die Drei Stücke op. 8 von 1917 am Anfang: ein knappes Capriccio, ein ausgedehntes Phantasiestück und ein Scherzo, das mit über elf Minuten der längste Satz des Albums ist. Sie gehören zu den frühen Werken, über die Hindemith 1935 rückblickend bemerkte, er habe wohl immer geschrieben, aber erst nachdem er Berge von Notenpapier verbraucht habe und einige Versuche im Druck erschienen seien, mit etwa vierundzwanzig an sein Kompositionstalent zu glauben begonnen. Ganz anders die dreizehn Variationen über das alt-englische Kinderlied A frog he went a-courting von 1941, von denen die meisten nicht einmal eine halbe Minute dauern.
Bernhard Heiden (1910–2000) ist mit der Sonate von 1958 und dem einsätzigen Siena von 1961 vertreten, Walter Skolnik (* 1934) mit der viersätzigen Sonate von 2004 und den Four Bagatelles von 1998. Zwei der drei Komponisten sind in Europa so gut wie unbekannt und ihre Musik hier kaum je zu hören — für Grüebler ein Grund mehr, dieses Programm aufzunehmen; selbst die beiden Hindemith-Werke, die zu ihren Lieblingsstücken zählen, werden selten gespielt.
Aufgenommen wurde vom 16. bis 20. Oktober 2018 im Erholungshaus der BAYER AG in Leverkusen, in Stereo, 5.1 Surround und 3D-Binaural-Stereo; Tamara Chitadze spielt einen Steinway-D-Flügel. Die Gesamtspielzeit beträgt 72:08, das Begleitheft umfasst 32 Seiten in Deutsch und Englisch.
