Die Catedral Metropolitana steht am Zocalo, dem offiziell Plaza de la Constitucion genannten Platz im Herzen von Mexiko-Stadt, zusammen mit dem Palacio Nacional, dem Amtssitz des Präsidenten, und dem Palacio Municipal. Es ist einer der größten Stadtplätze der Welt und zugleich das Zentrum der nationalen Identität des Landes. In ihr stehen zwei historische Zwillingsorgeln einander gegenüber: die Evangelien-Orgel, die Joseph Francisco Nassarre Cimorra 1735 baute, und die Epistel-Orgel, die 1695 von Jorge de Sesma stammt und 1736 von Nassarre umgebaut wurde. Jürgen Essl spielt die eine, Jeremy Joseph die andere.
„Kunst ist keine hermetische Angelegenheit“, heißt es im Begleitheft, „schon gar nicht in der Catedral Metropolitana.“ Die beiden Organisten waren vom 30. April bis zum 9. Mai 2018 in der Stadt und erlebten den Tag der Arbeit ebenso wie den 5. Mai, an dem die Schlacht bei Puebla von 1862 gefeiert wird. Nachts spielte ein Saxophonist am Rand des Platzes; tanzende Trommler mit Rasseln an den Knöcheln füllten die Umgebung so durchdringend mit Klang, dass im Inneren der Kirche nicht aufgenommen werden konnte; verstimmte Drehorgeln, einst aus Berlin eingeführt, leierten ihre europäischen Walzer — glücklicherweise nur tagsüber, vor den abendlichen Sessions. Und als es während der beiden Orgelkonzerte am 3. und 4. Mai einmal still war, hörte man das Miauen eines Kätzchens, das hinter dem Chorgestühl eingeschlossen war; der Orgelstimmer José Luis Acevedo befreite es.
Das Programm ist vollständig improvisiert. Isang Yuns Satz, Musik sei nicht zu komponieren, sondern zu gebären, steht als Motto über der Produktion. Die elf Stücke entstanden im Wechselspiel der beiden Instrumente, die durch das ganze Kirchenschiff voneinander getrennt sind — ein Abstand, der Einsätze verzögert und aus der Verzögerung selbst ein musikalisches Mittel macht. Crossing the Unknown und Pasaje sind mit über acht beziehungsweise zehn Minuten die ausgedehntesten Stücke, Torrent und Voladores die kürzesten; Voladores spielt auf die Flieger von Papantla an, die sich kopfüber von einem Mast abseilen.
Aufgenommen wurde am 3. und 4. Mai 2018 während zweier Konzerte sowie am 5., 6. und 9. Mai 2018 in der Kathedrale, in Stereo, 5.1 Surround und 3D-Binaural-Stereo. Gerade diese Produktion lebt von der räumlichen Aufnahme: Die beiden Orgeln stehen weit auseinander, und über Kopfhörer wird hörbar, von welcher Seite welcher Einsatz kommt. Die Gesamtspielzeit beträgt 60:08; das Begleitheft erscheint dreisprachig in Deutsch, Englisch und Spanisch.
