Cybele H061805 2019

DSD Mono Neue Musik Zeitgenössische Musik 1:10:22

Zur Beschreibung

Wolfgang Rihm improvisiert an der Orgel

Mitwirkende

Wolfgang RihmKomponist / Orgel

Komponist:in

Wolfgang Rihm

Kurzbeschreibung

Als Jugendlicher ließ sich Wolfgang Rihm nachts in der Kirche einschließen und improvisierte stundenlang an der Orgel: „Die Orgel war auch mein Orchester, das man mir damals noch nicht geben wollte.“ Einige dieser Sitzungen an der Scherpf-Orgel von 1965 in St. Peter und Paul in Karlsruhe-Durlach nahm er um 1970 selbst auf Tonband auf. Neun Improvisationen daraus, restauriert von den Bändern im Archiv der Paul Sacher Stiftung, eröffnen die Reihe Cybele Historic Audio: meist freie Fantasien, dazu die Toccata über B-A-C-H, die Variationen über ein Barock-Thema auf das Follia-Modell und O Du mein Volk, was tat ich Dir über ein Lied der Karfreitagsliturgie.

Details

Trägerformat
Hybrid-SACD

Auflösung
DSD64 / 2.8224 MHz 1 bit

Gesamtspielzeit
70:22

Kanäle
Mono

Orgel
Wolfgang-Scherpf-Orgel (1965; 3 Manuale und Pedal), Pfarrkirche St. Peter und Paul, Karlsruhe-Durlach

Aufnahme
um 1970, Pfarrkirche St. Peter und Paul, Karlsruhe-Durlach (19 cm/s-Analogband, mono); digitalisiert und restauriert 2019, Cybele Studios

Begleitheft
Deutsch und Englisch, 32 Seiten, Digipak

Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas

Mit freundlicher Unterstützung der Kunststiftung NRW und der Universal Edition

Pressestimmen

Angaben

Katalognummer
Cybele H061805
Erscheinungsjahr
2019
Genre
Neue Musik
Epoche
Zeitgenössische Musik
Besetzung
Improvisation, Orgel, Soloinstrument
Label
Cybele Records
Barcode
809548018924
GTIN
4068992489858
Booklet (Seiten)
32

Tracklisting

9 Titel · 1:10:22

  1. 01 Improvisation IV (ohne Titel) Komponist:in: Wolfgang Rihm (1952-2024) Interpret:in: Wolfgang Rihm 3:49
  2. 02 Präludium und Fuge Nr. 2 Komponist:in: Wolfgang Rihm (1952-2024) Interpret:in: Wolfgang Rihm 14:51
  3. 03 Improvisation II (ohne Titel) Komponist:in: Wolfgang Rihm (1952-2024) Interpret:in: Wolfgang Rihm 12:44
  4. 04 O Du mein Volk, was tat ich Dir Komponist:in: Wolfgang Rihm (1952-2024) Interpret:in: Wolfgang Rihm 4:24
  5. 05 Improvisation V (ohne Titel) Komponist:in: Wolfgang Rihm (1952-2024) Interpret:in: Wolfgang Rihm 5:15
  6. 06 Improvisation III (ohne Titel) Komponist:in: Wolfgang Rihm (1952-2024) Interpret:in: Wolfgang Rihm 3:49
  7. 07 Variationen über ein Barock-Thema Komponist:in: Wolfgang Rihm (1952-2024) Interpret:in: Wolfgang Rihm 15:52
  8. 08 Improvisation VI (ohne Titel) Komponist:in: Wolfgang Rihm (1952-2024) Interpret:in: Wolfgang Rihm 3:34
  9. 09 Toccata über B-A-C-H Komponist:in: Wolfgang Rihm (1952-2024) Interpret:in: Wolfgang Rihm 6:04

Beschreibung

„Ich habe früher viel Orgelmusik komponiert, so um die Zeit 1966 bis 1970“, erinnerte sich der 1952 in Karlsruhe geborene Wolfgang Rihm, „sehr viele Orgelstücke, wenig Frommes, meist dröhnend Freies, kinderhaft pompig.“ Gespielt habe er nie nach Noten; mit dem Kirchenschlüssel schlug er die halbe Nacht die Orgel, mit Visionen „etwa als Wiedergeburt Regers oder als Fortsetzung der französischen Orgelsymphonik“. Die Orgel war für ihn das Instrument des „großen Klangs“, denn wer wollte schon das Orchesterwerk eines 15-Jährigen aufführen. Martin Schmeding, Autor des Begleithefts, sieht in diesen Sitzungen eine Wurzel späterer Grundzüge seines Schaffens: das „Abbiegen ins Andere“ am Ende von Abschnitten, die Abneigung gegen jedes System, die Vorliebe für Extreme.

Schmeding stellt Rihm in die lange Tradition der Improvisation, die bis weit ins 19. Jahrhundert selbstverständlich zur Ausbildung eines Musikers gehörte, und zitiert dazu Johann Matthesons „Vollkommenen Capellmeister“ von 1739. Einige seiner nächtlichen „Orgelsitzungen“ nahm Rihm selbst mit einem Tonbandgerät auf, um 1970 an der Orgel, die Wolfgang Scherpf aus Speyer 1965 für die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Karlsruhe-Durlach gebaut hatte. Fast zwei Stunden sind überliefert; die Mono-Bänder liegen im Archiv der Paul Sacher Stiftung in Basel. Ingo Schmidt-Lucas digitalisierte sie in DSD-Qualität und restaurierte sie für diese SACD, den ersten Band der Reihe Cybele Historic Audio. Weitere Improvisationen enthält die Edition „Wolfgang Rihm und die Orgel“ der Reihe Künstler im Gespräch.

Die meisten der neun ausgewählten Improvisationen sind freie Fantasien; manche Titel sagt Rihm auf dem Band selbst an. Drei gehen von einem konkreten Anlass aus: Die virtuose Toccata über B-A-C-H nimmt den Begriff „toccare“ (schlagen, berühren) wörtlich und deutet das Motiv melodisch wie harmonisch in alle Richtungen, O Du mein Volk, was tat ich Dir improvisiert über ein Lied der katholischen Karfreitagsliturgie, und in den Variationen über ein Barock-Thema, dem Ostinato-Modell La Follia, scheinen hinter Rihms eigener Sprache Vorbilder wie Arcangelo Corelli durch.

Rihm nutzt alle Möglichkeiten der Orgel und „orchestriert“ den Klang: leiseste Flöten- und Gedacktfarben für Klangflächen, Streicherimitationen aus Grundstimmen, mit Zungen eingefärbt wie in der französisch-symphonischen Orgel, Steigerungen über die Walze bis zum Tutti und ungewöhnliche Mischungen wie tiefe Zungen mit hohen Mixturen. Harmonisch reicht das Spektrum von barocken und romantischen Satzimitationen über spätromantische Chromatik im Stil Regers bis zu frei atonalen Clustern; fast stehende Klangflächen wechseln mit pulsierenden Ostinati und rasanten Akkordfolgen über alle Manuale. Oft stellt Rihm eine klare Grundidee auf, zerlegt oder erweitert sie – und biegt am Ende unvermittelt in einen ganz anderen Gedanken ab.