Zu seinem 72. Geburtstag bekam Arnold Schönberg 1946 einen Webster Wire Recorder geschenkt, einen Draht-Rekorder, den er als Diktiergerät nutzte. Auf Anregung seiner Frau Gertrud nahm er damit die Geschichten auf, die er seinen Kindern bei Tisch erzählte – so lange, wie sie weiteraßen. Die Drahtspulen mit „Die Prinzessin“ und „Afrika“ werden heute im Arnold Schönberg Center in Wien aufbewahrt. Für dieses Hörbuch wurden sie mit einem aus einem Museum geliehenen Rekorder neu überspielt und in den Cybele Studios restauriert, sodass Schönbergs Stimme wieder gut zu verstehen ist, ohne dass der Klang der alten Aufnahmen verloren geht.
„Die Prinzessin“ erzählt von einem hochmütigen, ungeduldigen Mädchen, dessen liebste Beschäftigung das Tennisspielen ist, und von ihrem Diener Wolf, der immer wieder ohne die verlangte Wärmflasche zurückkehrt. Neben Schönbergs Originalaufnahme steht eine neue Fassung, in der Tara Wiesemann als Prinzessin, Romeo Merz als Wolf und Lorenzo Liebetanz als Rotfuchs und Großmutter die Geschichte nachspielen; auch „Afrika“ ist historisch und neu erzählt zu hören.
Nuria Schoenberg Nono, Ronald und Lawrence Schoenberg, im Mai 2007 in Wien aufgenommen, erzählen von ihrer Kindheit mit dem Vater: von seinen Geschichten, den Weltkriegen, von Schönberg als Autodidakt und als Lehrer, von seinem Tod und seinem Vermächtnis. Die drei haben unter anderem das Arnold Schönberg Center in Wien mitbegründet, das seinen Nachlass betreut. Mirjam Wiesemann verbindet die Teile mit Zwischentexten; am Schluss lesen Tara Wiesemann und Romeo Merz Zitate von und über Schönberg.
Die Musik verbindet neue Aufnahmen – „Verklärte Nacht“ op. 4, die Kammersinfonie Nr. 1 op. 9 mit Musikern des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck unter Roman Brogli-Sacher, „Die Eiserne Brigade“ für Klavierquintett, das Streichquartett Nr. 3 op. 30 und das Fragment „Nullele Pullele“ von 1934 mit dem DoelenKwartet – mit Schellack- und LP-Platten aus Schönbergs eigenem Besitz: der Suite op. 25, der Suite op. 29, dem Streichquartett Nr. 3 in der Aufnahme des Kolisch-Quartetts von 1936 und dem Trio op. 45. Das Hörbuch wurde 2009 mit dem ECHO Klassik in der Kategorie Klassik für Kinder und mit dem Medienpreis LEOPOLD 2009/2010 ausgezeichnet.
Die Wortregie lag bei Vera Forester, die Sprachaufnahmen entstanden im August 2007 und im April 2008 in den Cybele Studios, „Verklärte Nacht“ wurde im September 2005 live in De Doelen in Rotterdam mitgeschnitten und die Kammersinfonie im Oktober 2007 in der Musik- und Kongresshalle Lübeck. Die Hybrid-SACD spielt 61:58 in Stereo und 5.0 Surround; das Begleitheft umfasst 28 Seiten. Empfohlen wird das Hörbuch ab etwa zwölf Jahren.
