Im Heim, mit Büchern, Gemälden und Zeichnungen, das selbsterkletterte Edelweiß auf dem Tisch, daneben ein Totenschädel — das ist das richtige Ambiente für einen Künstler, sagte Hans Erich Apostel. Rainer Bischof deutet die beiden Gegenstände als Erbe seiner Lehrer: das Edelweiß in der Tradition Alban Bergs, der ebenfalls eine Blume auf dem Schreibtisch hatte, den Totenschädel in der Tradition Arnold Schönbergs als Sinnbild der Vergänglichkeit. Wer Apostel kennt, kennt ihn meist als Schüler Schönbergs und später Bergs, als Mitglied des Schönberg-Kreises und vielleicht als den begabtesten Lyriker unter den Schönberg-Schülern — einen, der sich später zur reinen Instrumentalität entwickelte.
Das DoelenKwartet mit Frank de Groot, Maartje Kraan, Karin Dolman und Hans Woudenberg spielt alle fünf Werke für Streichquartett, von denen vier erstmals auf Tonträger erscheinen: die 18 Variationen über ein eigenes Thema von 1925, das Streichquartett in d-Moll von 1926, das viersätzige Streichquartett op. 7 von 1935, das Streichquartett in einem Satz op. 26 von 1956 mit seiner in zwei Teile zerlegten Passacaglia und die Sechs Epigramme op. 33 von 1962.
Die historischen Tondokumente zeigen Apostel als Sprechenden. In einem Film des ORF-Schulfernsehens vom 15. Oktober 1968 ist er zu Gast; er spricht über das Streichquartett, über das neue Hören und die Zwölftonreihe und über das Überdauern von Musik. Mit dem Gitarristen Karl Scheit spricht er über seine Sechs Musiken für Gitarre, mit dem Schriftsteller Elias Canetti und dem Bildhauer Fritz Wotruba über die Arbeit des Künstlers. Im Frühjahr 1966 hielt er im Barocksaal des Musikverlags Doblinger in Wien eine Laudatio zum 50. Geburtstag seines Komponistenfreundes Karl Schiske — privat aufgenommen von Ivan Eröd.
Rainer Bischof, Apostels Schüler, erinnert im Gespräch mit Mirjam Wiesemann charakteristische Anekdoten, schildert die künstlerische und persönliche Entwicklung seines Lehrers und beschreibt ihn als den Mann zwischen Alban Berg und Arnold Schönberg: den Widersprüchlichen, den in sich gekehrten, einsamen Menschen, den Lyriker, der neue Wege ging.
Die Streichquartette wurden im Januar 2009 im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks in Köln aufgenommen, das Gespräch mit Rainer Bischof am 5. Januar 2010 in den Cybele Studios in Düsseldorf. Die Edition erhielt 2011 den Deutschen Hörbuchpreis für die beste verlegerische Leistung, wurde für die International Classical Music Awards nominiert und von MUSICA mit fünf Sternen bewertet. Die drei Hybrid-SACDs spielen zusammen 199:29; das Begleitheft umfasst 72 Seiten in Deutsch und Englisch.
