Cybele 960501 2003

DSD Stereo Elektroakustische Musik Neue Musik Elektroakustische Musik Zeitgenössische Musik 50:13

Zur Beschreibung

Rolf Riehm: Machandelboom – Hörstück nach dem Märchen der Gebrüder Grimm

Mitwirkende

Christoph AndersMultiinstrumentalist / SprecherKarin FrankeHarfeHeiner GoebbelsKomponist / Regisseur / Klangkünstler / MultiinstrumentalistAlfred HarthMultiinstrumentalist / Komponist / Multimedia-KünstlerKarl RiehmOrgelRolf RiehmKomponist / Multiinstrumentalist

Komponist:in

Rolf Riehm

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Kurzbeschreibung

Rolf Riehms „Machandelboom“ erzählt das Märchen der Gebrüder Grimm in 14 Szenen mit wechselnden Stimmen: Erzähler und Erzählerin, Frauen, Kinder, ein Chor, ein Mann mit gekünstelter Stimme, ein Erzähler auf Plattdeutsch. Riehm nahm junge und alte, laienhafte und professionelle Stimmen auf und stellt die Geschichte von der Stiefmutter, die ihren Stiefsohn tötet und dem Vater zu essen gibt, und vom Vogel, der den Mord rächt, in einen Klangraum aus Instrumenten und Alltagsgeräuschen. Es spielen Alfred Harth, Heiner Goebbels, Christoph Anders, Karin Franke, Karl Riehm und der Komponist selbst; das Hörstück entstand 1982 als Produktion des WDR.

Details

Trägerformat
Hybrid-SACD

Auflösung
DSD64 / 2.8224 MHz 1 bit

Gesamtspielzeit
50:14

Kanäle
Stereo

Stimmen
Rolf Riehm, Paulus Böhmer, Hilde Riehm, Hanne Riehm, Änne Otto, Elly Riehm, Gertrud Frey, Ann Marie Carlson, Dolores Carmona, Oberstufenschülerinnen der Ziehenschule Frankfurt am Main, Frauen des Kirchenchores St. Bernhard Frankfurt am Main, Annette Dimpl, Brunhilde Klein, Gundula Horn, Gisela Franke, Matteo Burioni, Martina Heine, Natalie Peikert, Christoph Anders, Bell Imhoff, Elisabeth Graf, Erik Roeder, Martin Busen, Chris Sackey, Nikolaus Riehm, Sara Klüsche, Jens Klüsche, Nina Danzeisen, Gisela Corves, Michael Hanemann

Aufnahme
Februar bis Oktober 1982, WDR-Studio, Köln (Analogband); Produktion des Westdeutschen Rundfunks Köln

Begleitheft
Deutsch und Englisch, 36 Seiten, Digipak

ISBN
978-3-937794-00-6

Eine Co-Produktion mit dem WDR

Pressestimmen

Angaben

Katalognummer
Cybele 960501
Erscheinungsjahr
2003
Genre
Elektroakustische Musik, Neue Musik
Epoche
Elektroakustische Musik, Zeitgenössische Musik
Besetzung
Elektroakustische Musik
Label
Cybele Records
Barcode
809548008727
GTIN
4099885254055
Booklet (Seiten)
36

Tracklisting

14 Titel · 50:13

  1. 01 Erzähler Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 0:59
  2. 02 Frauen Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 1:46
  3. 03 Chor, einzelne Frau Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 0:41
  4. 04 Frau, mit überdrehter Stimme Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 5:12
  5. 05 Mann, mit gekünstelter Stimme Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 3:39
  6. 06 Kinder/Mutter, nacheinander, aber auch gleichzeitig und wiederholend Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 2:36
  7. 07 Erzähler Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 2:38
  8. 08 Anderer Erzähler/Vater/Mutter Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 2:06
  9. 09 Erzählerin, singend Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 3:43
  10. 10 Erzähler, plattdeutsch Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 13:22
  11. 11 Kinder,-Durcheinander Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 1:59
  12. 12 Junge Frau Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 0:49
  13. 13 Mutter Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 5:03
  14. 14 Vater Komponist:in: Rolf Riehm (1937-2026) Interpreten: Christoph Anders, Karin Franke, Heiner Goebbels, Alfred Harth, Karl Riehm, Rolf Riehm 5:40

Beschreibung

Das Märchen vom Machandelboom kannte Rolf Riehm seit seiner Kindheit, hatte es aber immer übersprungen. In einem Gespräch mit Wolfgang Hamm von 1983, das im Begleitheft abgedruckt ist, erklärt er, was ihn daran reizte: die Zuspitzung von Gewalt in persönlichen Beziehungen, offen und unsentimental dargestellt. Er zog Verbindungen zur politischen Gegenwart, zu Reagans Begründungen seiner Rüstungsmaßnahmen und zu den Szenen mit dem „Vater der Neutronenbombe“ in einem Film von Alexander Kluge; für ihn gibt das Märchen geschichtliche Erfahrung wieder. Die Stiefmutter tötet den Sohn und kocht ihn in einer Suppe, die der Vater isst; der Bruder kehrt als Vogel wieder und rächt den Mord. Riehm liest das Märchen auch als Frauendrama: Als zweite Frau war die Stiefmutter finanziell schlecht gestellt und wollte das Erbe des Sohnes ihrer leiblichen Tochter sichern.

Statt eines einzelnen Erzählers, der eine geschlossene, beruhigende Atmosphäre schaffen würde, verteilt Riehm den Text auf viele Stimmen, junge und alte, laienhafte und professionelle; bis auf zwei Ausnahmen wiederholt sich keine. Die Vielzahl soll die Hörer desorientieren und ihnen das Märchen „auf den Leib“ rücken. Jedem Sprecher erzählte Riehm das ganze Märchen, sodass vieles aus dem Verständnis der Mitwirkenden selbst entstand. Die Aufnahmen machte er teils im Studio, vielfach an anderen Orten und mit zufällig unzulänglichen Geräten, deren Spuren er stehen ließ. Unter den Stimmen sind neben Einzelnen Oberstufenschülerinnen der Ziehenschule und Frauen des Kirchenchores St. Bernhard in Frankfurt am Main. Anders als Märchen sonst soll dieses nicht versöhnlich zum Ausgangspunkt zurückkehren, sondern an jeder Stelle offen bleiben.

Auch bei den Klängen suchte Riehm das nicht genau Einzuordnende. Neben Saxophonen und Klarinetten (Alfred Harth), E- und Akustikgitarre und Violoncello (Heiner Goebbels), E-Gitarre und Drums (Christoph Anders), Harfe (Karin Franke) und Orgel (Karl Riehm) spielt er selbst Englischhorn, E-Orgel, Cembalo, Kontrabass, Synthesizer, Rhythmusmaschine, Melodika, Spielzeuginstrumente und Glocken und erzeugt Geräusche mit Türen, Büchsen, Besteck, Backsteinen, einer elektrischen Zahnbürste, einer Flotten Lotte oder einem Locher. Die Klänge wählte er für jede Szene einzeln aus, sodass zwischen Instrumenten und Geräuschen kein Bruch entsteht, und mied bewusst jede musikalische Systematik: Free-Jazz-Elemente, Synthesizerklänge und zwölftönige Momente stehen nebeneinander. Im Zentrum steht das Lied des Vogels, durch das die verabscheuungswürdige Tötungsgeschichte, so Riehm, ein neues Wesen gewinnt: Man wird von ihr bezaubert.

Rolf Riehm, 1937 in Saarbrücken geboren, studierte ab 1958 Komposition bei Wolfgang Fortner in Freiburg, war Solo-Oboist und lehrte von 1974 bis 2000 Komposition und Tonsatz an der Musikhochschule Frankfurt am Main; von 1976 bis 1981 spielte er im Sogenannten Linksradikalen Blasorchester. Die Produktion des WDR entstand von Februar bis Oktober 1982, Produktion und Realisation lagen bei Riehm selbst, Toningenieur war Otto Fries. Neben dem Gespräch mit Wolfgang Hamm enthält das Begleitheft einen Essay von Bernd Leukert und den Text der 14 Szenen auf Deutsch und Englisch.

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