Neben der Alten Musik steht für das Trio Diritto die Zusammenarbeit mit Komponistinnen und Komponisten im Vordergrund. 1992 gewann das Ensemble beim Internationalen Blockflötenwettbewerb Calw mit einem Programm aus zeitgenössischer und alter Musik einen ersten Preis, der dort zuvor noch nie vergeben worden war. Aus dem Kontakt zu Violeta Dinescu ergab sich die Zusammenarbeit mit Myriam Marbe und Anatol Vieru; so entstand ein Repertoire für drei Blockflöten, aus dem diese CD eine Auswahl vorstellt. Ziel des Trios ist kein einheitliches Klangideal, sondern die Absichten der Komponisten so deutlich wie möglich hörbar zu machen – ohne die „Kompression“, die in der elektronischen Tonverstärkung extreme Lautstärkeunterschiede abschwächt.
In Rolf Riehms „Without Compression“ (1997) spielt sich die Tongebung fast ganz im unterblasenen Bereich ab. Die Klänge sind nicht nur sehr leise, sie haben mangels Atemstütze auch keinen festen Kern; bei unverändertem Griff und schwächstem Atemdruck öffnet sich ein Mikrokosmos aus Rhythmen, Klangveränderungen und Unterbrechungen. Ohne Verstärkung wäre das Stück nicht aufführbar. Myriam Marbes „Renaissance“ (1997) ist ihr letztes vollendetes Werk; wenige Tage später, kurz vor Weihnachten 1997, starb sie in Bukarest. Marbe kombiniert Ensembleblockflöten frühbarocker Bauart mit solistischen Instrumenten hochbarocker Mensur und entwickelte aus deren Unterschieden in Klangfarbe und Intonation ein eigenes Intonationssystem.
Anatol Vieru bezieht sich in „Et in Arcadia Ego“ (1996) auf ein Gemälde von Nicolas Poussin im Louvre, auf dem sich vier Personen über einen Grabstein mit dieser Inschrift beugen – gesprochen, wie Erwin Panofsky erklärt, vom Tod selbst. Violeta Dinescu entnahm den Titel „au coeur du silence …“ (1995) dem Roman „L’Étranger“ von Albert Camus; das Stück will seelische Zustände spiegeln, eine Dramatik in der Stille. Georg Krölls „Round of Talks“ (1994), für das Trio Diritto geschrieben und 1995 beim 3. Internationalen Blockflöten-Symposium in Karlsruhe uraufgeführt, verbindet das mittelalterliche Rondellus-Prinzip des Stimmtauschs mit dem Bild einer Gesprächsrunde. In Stefan Thomas’ „Veränderungen“ (1993) für drei Bassblockflöten wird ein Dreitonmotiv immer wieder kaum merklich verändert; der Klang erinnert an ein leises Orgelregister in einer halligen Kirche.
Malcolm Goldsteins „in the beginning … so also, the end“, im Mai 1997 für Jeremias Schwarzer und das Trio Diritto vollendet, verwandelt Guillaume de Machauts „ma fin est mon commencement et mon commencement est ma fin“ und verbindet es mit Textfragmenten der Kato, einer Erzählung vom Anfang der Welt, die sich ebenso als ihr Ende lesen lässt. Während des Spiels improvisieren die Musiker Veränderungen zwischen Instrumentalspiel, Gesang, Pfeifen und Ausatemklang. „Without Compression“ wurde im Dezember 1997 im Hans-Rosbaud-Studio des SWF in Baden-Baden aufgenommen, die übrigen Werke im Frühjahr 1998 in Duisburg; Riehm, Kröll, Thomas und Goldstein waren bei den Aufnahmen anwesend.
