Cybele 142501 2006

DSD Stereo Surround Klassik Frühromantik Romantische Musik 1:13:14

Zur Beschreibung

Franz Schubert Edition: Klaviersonaten Vol. 1: Sonaten in a-Moll D 845 und A-Dur D 959

Mitwirkende

Thomas GüntherKlavier

Komponist:in

Franz Schubert

Kurzbeschreibung

Anfang Juli 2004 spielte Thomas Günther zur Vorstellung eines frisch restaurierten Hammerflügels Schuberts Sonate in A-Dur D 959 — seine erste Begegnung mit einem historischen Instrument, und nach eigenem Bekunden fast ein Schock. Aus ihr wurde diese Aufnahme: Der Wiener Flügel von Johann Baptist Streicher, 1848 gebaut und 246 cm lang, trägt hier die Sonate in a-Moll D 845 Op. 42 von 1825 und die Sonate in A-Dur D 959 Op. posth. von 1828. Das Album ist der erste Band der Klaviersonaten in Cybeles Franz Schubert Edition; aufgenommen wurde es im September 2005 in der Kreuzkirche Duisburg.

Details

Trägerformat
Hybrid-SACD

Auflösung
DSD64 / 2.8224 MHz 1 bit

Gesamtspielzeit
73:14

Kanäle
Stereo, 5.1 Surround

Instrument
Hammerflügel von Johann Baptist Streicher, Wien 1848 (Op. Nr. 4261/751)

Aufnahme
4.–8. September 2005, Kreuzkirche Duisburg

Begleitheft
Deutsch und Englisch, 28 Seiten, Digipak

Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas

Pressestimmen

Angaben

Katalognummer
Cybele 142501
Erscheinungsjahr
2006
Genre
Klassik
Epoche
Frühromantik, Romantische Musik
Besetzung
Hammerflügel, Klavier, Soloinstrument
Label
Cybele Records
Barcode
809548010928
GTIN
4099885254567
Booklet (Seiten)
28

Tracklisting

8 Titel · 1:13:14

  1. 01 Sonate in a-Moll D 845 Op. 42 (1825) – Moderato Komponist:in: Franz Schubert (1797-1828) Interpret:in: Thomas Günther 11:23
  2. 02 Sonate in a-Moll D 845 Op. 42 (1825) – Andante poco moto Komponist:in: Franz Schubert (1797-1828) Interpret:in: Thomas Günther 10:59
  3. 03 Sonate in a-Moll D 845 Op. 42 (1825) – Scherzo. Allegro vivace, Trio. un poco più lento Komponist:in: Franz Schubert (1797-1828) Interpret:in: Thomas Günther 7:30
  4. 04 Sonate in a-Moll D 845 Op. 42 (1825) – Rondo. Allegro vivace Komponist:in: Franz Schubert (1797-1828) Interpret:in: Thomas Günther 5:09
  5. 05 Sonate in A-Dur D 959 Op. posth. (1828) – Allegro Komponist:in: Franz Schubert (1797-1828) Interpret:in: Thomas Günther 14:58
  6. 06 Sonate in A-Dur D 959 Op. posth. (1828) – Andantino Komponist:in: Franz Schubert (1797-1828) Interpret:in: Thomas Günther 6:48
  7. 07 Sonate in A-Dur D 959 Op. posth. (1828) – Scherzo. Allegro vivace, Trio. un poco più lento Komponist:in: Franz Schubert (1797-1828) Interpret:in: Thomas Günther 5:01
  8. 08 Sonate in A-Dur D 959 Op. posth. (1828) – Rondo. Allegretto Komponist:in: Franz Schubert (1797-1828) Interpret:in: Thomas Günther 11:26

Beschreibung

Ende der 1970er Jahre erlebte Thomas Günther als Klavierstudent ein Hammerflügelkonzert auf einem Wiener Brodmann von 1815 mit fünf Pedalen; seine Reaktion auf diese erste Begegnung mit dem „Originalklang“ schwankte, wie er im Begleitheft schreibt, zwischen Befremden und Faszination. Erst zwanzig Jahre später, beim Hören von Andreas Staier und Malcolm Bilson, erschloss sich ihm der Zusammenhang von Instrument, Literatur und pianistischem Ansatz. Im Juli 2004 kam er zum ersten Mal selbst an einen Hammerflügel — den Streicher dieser Aufnahme, den er zu dessen Vorstellung spielen sollte. Die erste Tastenberührung war fast ein Schock: Es kostete weit mehr Kraft als erwartet, dem Flügel Töne zu entlocken. Mit der Zeit verlangsamten sich seine Tempi, weil der Flügel und selbst jeder einzelne Ton länger brauchen, um den Klang voll zu entwickeln.

Die große Sonate in a-Moll D 845 Op. 42 von 1825 war die erste Sonate, die zu Schuberts Lebzeiten im Druck erschien. Günther hört im Kopfsatz einen rhetorisch-deklamierenden Gestus; das lapidare, oft unisono geführte Hauptthema steht dem Sonatenfragment in C-Dur D 840, der sogenannten Reliquie, und dem Mittelteil des Liedes Totengräbers Heimweh D 842 nahe. Die Durchführung beginnt fahl wie aus der Ferne im ppp, dann leitet ein flimmernder Teppich aus Tremoli eine Klimax ein, die den klanglichen Rahmen des Satzes zu sprengen scheint. Das Andante con variazioni, das Schubert oft im Freundeskreis vorgetragen haben soll, gehört technisch zum Anspruchsvollsten, was er geschrieben hat: fünf Variationen über einer auf Orgelpunkten gebetteten Melodie, dramatisch gesteigert in der Moll-Variation und am Ende in eine Apotheose des Tanzes im 9/8-Takt verwandelt. Das widerborstige Scherzo arbeitet mit Tonrepetitionen, Synkopen und irregulärer Periodik, das Trio dagegen mit fast naiver Friedlichkeit. Das Rondo ist ein kurzes, rastloses Perpetuum mobile, in das plötzlich die martialischen Trommeln des Kopfsatzes zurückkehren.

In der Sonate in A-Dur D 959 Op. posth. von 1828 geht dem Andantino ein monumentaler Kopfsatz voraus, der nach einer entschlossenen, fast trotzigen Eröffnungsgeste eines jener aussingenden Themen präsentiert, die den Liedkomponisten Schubert auf der Höhe seiner Meisterschaft zeigen. Das Andantino selbst, ein bescheidener 3/8-Satz aus Vierteln und Achteln, der sich bis zu 64steln verschwärzt, verstörte Günther beim ersten Hören und kam ihm fast wie Neue Musik vor; die Reprise nach dieser Katastrophe legt über die aus Seufzermotiven gebaute Melodie eine Süße, die tiefste Resignation nur übertüncht. Das Scherzo spielt mit schnellen Arpeggien in rasch wechselnden Lagen, das Trio entrückt in eine friedliche Welt, unter deren Oberfläche Gefahren zu lauern scheinen. Das Rondo spinnt in „himmlischen Längen“ eine Melodie aus, die Schubert elf Jahre zuvor im Mittelsatz seiner Sonate in a-Moll D 537 verwendet hatte; nach einer wirbelnd-virtuosen Stretta kehrt das Hauptmotiv des ersten Satzes wieder und schließt den Kreis.

Der Name Streicher hat unter Hammerflügelspielern einen hervorragenden Ruf: In den hundert Jahren ihres Bestehens in Wien stellten drei Generationen der Familie rund 8600 Instrumente her, angefangen bei Nannette Streicher, der Tochter des Augsburger Orgel- und Instrumentenbauers Johann Andreas Stein, und ihrem Mann Johann Andreas Streicher, einem Jugendfreund Friedrich Schillers. Deren Sohn Johann Baptist übernahm die Firma 1833. Der Flügel dieser Aufnahme, Op. Nr. 4261/751 aus dem Jahr 1848, ist mit 246 cm Länge das größere von zwei Modellen und war mit seiner Stoßzungenmechanik, der Rahmendämpfung und dem Gehäuse in Flammenmahagoni teurer als das Standardmodell mit Wiener Mechanik. Er ist fast vollständig aus Holz gebaut, umfasst sieben Oktaven und 85 Tasten und gehört zu den ersten Streicher-Flügeln mit eisernem Kapotaster zur Klangverbesserung im Diskant. Alexander Langer beschreibt im Heft, wie das Instrument, jahrelang mit gerissenem Resonanzboden in einem Haus am Bodensee unspielbar, in seiner Klagenfurter Spezialwerkstätte wiederhergestellt und auf a1 = 440 Hz gestimmt wurde — die Wiener Stimmtonhöhe um 1848.

Thomas Günther studierte an der Folkwang-Hochschule Essen und an der Hochschule der Künste Berlin und verdankt wichtige Anregungen den Schnabel-Schülern Maria Curcio und Konrad Wolff. 1983 trat er erstmals als Solist bei den Berliner Festwochen auf und debütierte in der Berliner Philharmonie mit Beethovens 5. Klavierkonzert; Uraufführungen vertrauten ihm unter anderem John Cage, Dieter Schnebel und Juan Allende-Blin an. Neben der Klaviermusik der russischen Futuristen und der deutsch-jüdischen Exilgeneration beschäftigt ihn seit Ende der 1980er Jahre besonders die Klaviermusik Bachs; seit 1990 lehrt er an der Folkwang-Hochschule. Die beiden Sonaten nahm er vom 4. bis 8. September 2005 in der Kreuzkirche Duisburg auf; die Wartung des Flügels lag bei Tamara Sucher aus Klagenfurt.